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Gut fürs Klima, gutes Futter: Felix Wierling mischt gerne Arten

Die Kombination macht‘s

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Sie eignen sich für die gute Küche und „schmecken sehr gut“, so die Erfahrung von Mechtild Wierling, die mit den Hülsenfrüchten schmackhafte Mahlzeiten zubereitete. Doch gedacht sind die Erbsen und Ackerbohnen, die ihr Sohn anbaut, vielmehr als Viehfutter, da sie sehr gute Eiweiß- und Proteinlieferanten sind. Wer auf die Landwirtschaft baut, muss mit der Zeit gehen, flexibel und mit Experimentierfreude ausgestattet sein. Bei Felix Wierling aus Senden-Ottmarsbocholt mangelt es an all dem nicht.

Von Ulla Wolanewitz

Hafer und Erbsen: Landwirt Felix Wierling setzt auf viele Arten und Sorten nebeneinander. Foto: Foto: Ulla Wolanewitz

Während seine Eltern sich im Vollerwerb der Schweinemast und dem konventionellen Ackerbau widmeten, probiert der „Master der Agrarwissenschaften“ gerne etwas Neues aus. Hauptberuflich entwickelt er Software für die Agrartechnik. Im Nebenerwerb beschreitet er mit viel Herzblut gerne neue Wege in der Feldbestellung. Auf 55 Hektar baut er neun verschiedene Kulturen an. Zehn Prozent davon sind Leguminosen (Hülsenfrüchte) für den Feldfutteranbau. Sie verfügen über die wichtige Eigenschaft, Luftstickstoff durch eine Symbiose mit Knöllchenbakterien zu binden. Der Vorteil: Sie sind dem Humusaufbau sehr zuträglich, erhöhen die Bodenfruchtbarkeit, machen die Stickstoffdüngung unnötig und bieten einen guten Beitrag zum Klimaschutz.

Bis auf die Gülleausbringung und die Maisaussaat, die ein Lohnunternehmer erbringt, erledigt Felix Wierling gemeinsam mit seinem Bruder Max, der günstigerweise Landmaschinenmechaniker ist, alles selber. Einzig der Mähdrusch wird über eine gemeinsame Kooperation mit vier Landwirten organisiert, die über den dafür notwendigen Fuhrpark verfügt.

Der „Gemengeanbau“ hat es dem 33-Jährigen besonders angetan. Dem widmet er sich mit viel Aufmerksamkeit und baut ihn Jahr für Jahr weiter aus. Im jüngsten Versuch besteht das Quartett, das sich auf 1,6 Hektar ausbreitet, aus Hafer und Leindotter, die der Erbsenfrucht als Rankhilfe dienen, während Klee den Boden beschattet und das Unkraut unterdrückt. „Der Bestand wächst ineinander, wird gemeinsam gemäht und bietet getrocknet oder als Silage erstklassiges Viehfutter“, erklärt der Fachmann. Mit der Kombination aus Mais und Stangenbohnen machte er bereits ähnlich gute Erfahrungen, denn das Erdreich profitiert von dieser Pflanzengesellschaft. Ein weiterer wichtiger Punkt ist eine ausgewogene Düngung beziehungsweise die Versorgung mit Nährstoffen wie Magnesium, Molybdän, Mangan, Silicium, Schwefeln und Bor.

Die Empfehlung seines Vaters beherzigend - „Du moss saihen, wenn’t gaiht un nich, wenn’t in Kalenner steiht“ erweiterte Felix Wierling um die Komponente „Diversität“. Er sät aus, was der Bodengesundheit zuträglich ist und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln deutlich verringert. Hier in der Region ist der Gemengeanbau eher seltener. Für den Austausch mit Experten nutzt er die Vernetzung in den sozialen Medien. Da trifft er auf Spezialisten aus der Schweiz und Österreich.

Der Anblick der Gemenge-Aussaat fordert allerdings eine kleine Umgewöhnung, schließlich folgt er einem anderen, einem „natürlichen“ Ordnungssystem. „Anfangs wurden wir oft gefragt: Wat sall dat sien?“, bemerkt Mechtild Wierling amüsiert. Gerne unterstützt sie die regenerativen Ansätze, die ihre Söhne verfolgen: „Das ist spannend. Es bietet dem Betrieb die Möglichkeit, weiter zu existieren und es ist noch Leben auf dem Hof.“

Mit seinen Ideen ist Felix Wierling noch lange nicht am Ende: „Wenn es weiterhin so gut läuft, ist die Vermarktung des Futtermittels im größeren Rahmen der nächste Schritt und damit eine große Herausforderung, weil sie sehr Zeit- und kostenintensiv ist.“

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