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Im Fensterbaubetrieb Vogt hat der Wandel in kleinen Schritten begonnen und schnell Vorteile gebracht

Digitalisierung für Einsteiger

Rosendahl

Es ist der klassische Fall: Ein Handwerksbetrieb, in dem in den vergangenen Jahren wenig digitalisiert worden ist, möchte sich nun auf den Weg machen und die Prozesse optimieren. Doch wo fängt man an? „Mit einer Bestandsaufnahme“, sagt André Vogt.

André Vogt hat im Fensterbaubetrieb seines Vaters erste Prozesse digitalisiert und plant nun weitere Schritte. Foto: Foto: Vogt Fensterbau

Vor mehr als einem Jahr hat er damit begonnen, sich als Nachfolger seines Vaters Christoph im Familien-Fensterbaubetrieb in Rosendahl-Holtwick einzuarbeiten. Die Digitalisierung ist dabei ein wichtiger Aspekt. „Durch meinen bisherigen Job bei einem großen Automobilzulieferer kenne ich die Möglichkeiten und die Vorteile. Deshalb schaue ich jetzt, was für uns passend ist“, erklärt André Vogt. Die Bestandsaufnahme brachte viele Ideen. Gemeinsam mit den Anbietern und Dienstleistern für die bereits im Unternehmen vorhandene Software hat André Vogt ausgelotet, welche Möglichkeiten es gibt und wovon die rund 60 Beschäftigten bei Fensterbau Vogt profitieren würden. „Wir haben die Ansätze dann priorisiert und die fünf wichtigsten Punkte in einem Förderantrag für das Programm Digital Jetzt zusammengefasst“, erklärt Vogt. Mit Unterstützung der wfc Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld stellte er den Antrag beim Bundeswirtschaftsministerium – und erhielt den Zuschlag für eine Förderung von 55 Prozent der Gesamtinvestition von 100 000 Euro. „Das war für uns ein sehr guter Startschuss, denn so viele Vorteile die Digitalisierung auch bringt: Sie kostet zunächst einmal Geld.“

Zuerst widmete sich André Vogt dem zentralen Softwareprogramm für Angebote, Aufträge, Abrechnung und Übergabe der Daten an die Fertigung. „Es steht im Mittelpunkt vieler Arbeiten, ist aber in den vergangenen Jahren kaum gepflegt worden. Deshalb haben wir es mit Unterstützung unseres Dienstleisters komplett neu aufgesetzt“, erklärt er. Die An-gebotserstellung ist nun automatisiert - auch im Hinblick auf Plausibilitätsprüfungen und Preisberechnungen - und geht damit deutlich schneller. Es gibt es eine automatisierte Schnittstelle zur Finanzbuchhaltung und zu den Lieferanten, um Bestellungen aufzugeben. „Bestellformulare auf Papier sind damit Geschichte“, sagt Vogt. Die Berechnung von tech-nischen Werten wie Statik und Wärmedämmung läuft nun ebenfalls automatisch.

Mit Blick auf die Corona-Pandemie, vermehrtem Homeoffice und der Einführung flexibler Arbeitsplätze war die Einführung der IP-Telefonie ebenfalls ein wichtiger Schritt. „Um das alles stemmen zu können, haben wir mit Hilfe der Förderung unsere Serverkapazitäten ausgebaut und eine externe Firewall zur Erhöhung der IT-Sicherheit installieren lassen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhielten zudem eine Schulung zum Thema IT-Sicherheit“, erklärt Vogt. Offen ist nur noch die Einführung einer digitalen Zeiterfassung in der Fertigung und Montage. Sie ist für Ende 2021 geplant. Die App wird für die Monteure zudem einen Zugang zu den auftragsbezogenen Daten im Dokumentenmanagementsystem haben.

Ein Schlussstrich ist das jedoch nicht. „Wer einmal anfängt und sieht, welche großen Vorteile die Digitalisierung bringt und wie sie hilft, Fehler zu vermeiden, der möchte mehr. Das ließ sich auch bei unseren Beschäftigten beobachten. Zunächst waren sie eher skeptisch, wenn sich etwas lang Etabliertes verändern sollte, aber nach ein paar Wochen waren die Vorteile offensichtlich und die Zurückhaltung gegenüber weiteren Veränderungen sank“, erklärt Vogt.

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