1. www.azonline.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Kreis-Coesfeld
  6. >
  7. Emotionale Debatte um Energiesparen

  8. >

SPD fordert gemeinsame Strategie – findet aber keine Mehrheit / Schwimmbecken-Schließung als „Negativbeispiel“

Emotionale Debatte um Energiesparen

Kreis Coesfeld

Energieeinsparungen, den Ausbau regenerativer Energie und Beratungen für Bürger: Diese drei Punkte soll der Kreis noch stärker jetzt in der Krise forcieren. Der Kreistag stimmte in seiner Sitzung für entsprechende Vorschläge der Kreisverwaltung in Anlehnung an einen SPD-Antrag. Die Forderung der SPD, dass die Kommunen dabei möglichst an einem Strang ziehen und einen gemeinsamen Masterplan entwickeln, fand dabei allerdings keine Mehrheit im Kreistag. So wie bei der Digitalisierungsstrategie, die auch von allen elf Städten und Gemeinden gemeinsam getragen wird, könnte der Kreis auch im Bereich Energie und Sparmaßnahmen eine „Koordinierung auf den Weg bringen“, schlug SPD-Fraktionschef Johannes Waldmann vor. Als „Negativbeispiel im Kreis Coesfeld“ nannte der Ascheberger die geplante Schließung des Lehrschwimmbeckens in Billerbeck. „Energiesparmaßnahmen müssen sozialpolitisch ausgewogen sein und dürfen nicht das Ende des Schulschwimmens bedeuten“, so Waldmann. Es müsse eine Balance gefunden werden und nicht einfach etwas radikal gestrichen werden. Das entfachte im Kreistag eine emotionale Debatte – die immer wieder auf die Schließung des Lehrschwimmbeckens in Billerbeck zurückkam.

Die SPD forderte, dass beim Energiesparen die Kommunen im Kreis nach einer gemeinsamen Strategie vorgehen. Damit wollte sie „Negativbeispiele“ wie die geplante Schließung des Lehrschwimmbeckens in Billerbeck verhindern. Foto: Foto: Pixabay

Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr warf ein, dass die Kommunen selber entscheiden und dies ein hohes Gut sei. „Ein Appell ist sicher nicht verkehrt, aber wir können uns nicht belehrend vor die Kommunen stellen.“

Auch CDU-Fraktionschef Klaus-Viktor Kleerbaum (Dülmen) war der Meinung, „dass vor Ort alle in der Lage sind, die entsprechenden Sparmaßnahmen selber zu treffen“. Statt „um ein paar Grad kälteres Wasser“ habe er viel größere Sorge vor Unruhen innerhalb der Bevölkerung. Davor, „wie sozial schwache Bürger und der Mitelstand von den Auswirkungen der Krise getroffen und damit umgehen werden“.

FDP-Fraktionsvorsitzender Henning Höne (FDP) kritisierte ebenfalls die Idee einer gemeinsamen Vorgehensweise beim Energiesparen unter Regie des Kreises. „Man sollte nicht so tun, als ob die Kommunen erst ans Energiesparen denken, wenn der Kreis Coesfeld um die Ecke kommt. Das können die alleine.“ Es sei auch nicht erstrebenswert, dass alle elf Städte und Gemeinden im Kreis Coesfeld die gleichen Maßnahmen treffen, sondern die vor Ort notwendigen, so der Coesfelder.

Wolfgang Dropmann (Senden) von den Grünen meinte zum Ausbau von Windenergie, dass es bei einigen Kommunen im Kreis zwar tatsächlich eine „Verhinderungspolitik“ gegeben habe. „Das ist aber Vergangenheit.“ Dringend sind aus seiner Sicht Sanierungen im Altbausbereich. „Das geht aber alles nicht von heute auf morgen.“

SPD-Politiker Waldmann hielt es für „völlig klar“, dass die kommunale Selbstbestimmung zu respektieren sei, trotzdem fand er einen „gemeinsamen Anlauf“ notwendig. „100 Grundschulkinder werden keinen Schwimmunterricht mehr haben“, kehrte er auf das Beispiel Billerbeck zurück. Wenn einzelne Kommunen ihre Bäder schließen, würden im Kreis Coesfeld unterschiedliche Ausgangslagen bei der Schwimmfähigkeit entstehen.

Die restlichen Fraktionen sahen das gelassener. „Schwimmen lernt man in dem Lehrschwimmbecken in Billerbeck gar nicht“, teilte Niels Geuking aus Billerbeck (Familie) seine Erfahrungen. Dort gehe es viel mehr darum, Kinder ans Wasser zu gewöhnen. „Seepferdchen macht man im wunderschönen Billerbecker Freibad.“ Die Kurse ließen sich problemlos auf den Sommer dorthin verlegen. Er warf der SPD vor, die Lage zu emotionalisieren.

Startseite
ANZEIGE