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Undercoveraufnahmen aus Billerbecker Betrieb ziehen weitere Kreise

Entsetzen über Legehennen-Bilder

Kreis Coesfeld

Die Undercover-Aufnahmen aus einem Legehennenbetrieb aus Billerbeck ziehen weitere Kreise. In dem Betrieb wurden, wie berichtet, nach Angaben des Vereins Deutsches Tierschutzbüro beim Abtransport zum Schlachthof Tiere übersehen und einfach in der Halle zurückgelassen. „Es handelte sich dabei um etwa 50 Tiere“, berichtet Jan Peifer, Vorsitzender vom Deutschen Tierschutzbüros. Er suchte zusammen mit Martin Rütter im Rahmen seiner Sendung „Der Hundeprofi unterwegs“ (Vox) abends die Stallanlage auf. Der prominente Hundetrainer wurde dabei Zeuge von Bildern, die ihn sichtbar erschütterten. Auch die hygienischen Zustände kritisierten die Tierschützer. Unter den zurückgelassenen Hühnern befanden sich tote Tiere und einige kauerten offenbar kraftlos auf dem Boden.

Von Viola ter Horst

Ein vergessenes Huhn, das völlig geschwächt aus einer kleinen Wasserpfütze in der Halle getrunken hat, nahmen die Tierschützer kurzerhand mit und tauften es auf den Namen Frieda. Das Tier konnte auf einem Lebenshof aufgepäppelt werden, eine bunte Steppdecke wärmt Frieda. Foto: Foto: Deutsches Tierschutzbüro

Ein Huhn, das aus einer kleinen Wasserpfütze in der Halle getrunken hat, nahmen die Tierschützer kurzerhand mit und tauften es auf den Namen Frieda. Das Huhn wurde aufgepäppelt und lebt jetzt auf einem Lebenshof im Münsterland. Fotos zeigen Frieda dort mit einer schmalen, wärmenden Steppdecke. Das Tier hatte viele Federn verloren. „Inzwischen geht es Frieda und den anderen vier geretteten Hühnern gut“, sagt Peifer auf Nachfrage. „Das hätten wir nicht gedacht, dass sie es alle schaffen.“

Zu Wort meldete sich nun auch Bundestagsabgeordnete Dr. Anne-Monika Spallek (Grüne) aus Billerbeck, die sich von den aktuellen Ereignissen in ihrem Heimatort entsetzt zeigt. „Der Tierschutz-Skandal ist grausam und entsetzlich“, so Spallek. Das sei kein Einzelfall, sondern „das Ergebnis eines Systems von Niedrigstpreisen für tierische Produkte, welches nur durch Ausbeutung von Mensch und Tier überhaupt möglich ist“. Spallek fordert, dass das System endlich geändert wird. „Wir wollen Landwirte dabei unterstützen, die Nutztierhaltung in Deutschland artgerecht zu machen.“

Noch immer bestehende Lücken in der Nutztierverordnung und dem Tierschutzgesetz müssten zügig geschlossen werden. „Als einer der ersten Schritte werden wir die Einführung einer umfassenden Herkunftsbezeichnung mit einer starken Informations- und Aufklärungskampagne begleiten“, so Spallek, die in der neuen Legislaturperiode erstmalig dem Bundestag angehört. Ihre Fraktion wählte sie in den Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft.

Auch im Rat in Billerbeck wurden die von den Tierschützern vorgefundenen Zustände in dem Betrieb thematisiert.

Die rund 200 000 Tiere in dem Großbetrieb in Billerbeck leben in so genannter Kleingruppenhaltung verteilt in drei Ställen. Im Vergleich mit der inzwischen verbotenen Haltung in Batteriekäfigen sei die Kleingruppenhaltung aber nicht wirklich fortschrittlich, kritisiert Tierschutzaktivist Peifer. Das einzelne Tier hat wenige Zentimeter mehr Platz, zudem gibt es Sitzstangen, ein Legenest und einen Scharrbereich. „Was nach etwas mehr Fortschnitt für die Tiere klingt, ist am Ende doch nur heiße Luft“, sagt Peifer.

Der Billerbecker Betrieb ist der einzige im Kreis Coesfeld, der Hühner noch in dieser Art hält. Bei allen anderen hat sich Freilandhaltung, Bodenhaltung oder eine Haltung in mobilen Ställen durchgesetzt.

Hundeprofi Martin Rütter nahmen die Erlebnissen mit, die er in dem Stall machte. „Ich bin fertig, ehrlich gesagt. Mir sind die doofen Witze vergangen“, sagt er in den Filmaufnahmen, als er mit Peifer wieder draußen ist.

Nach Informationen des Deutschen Tierschutzbüros, das Strafanzeige erstattete, wurden die Tiere mindestens eine Woche von Ende September bis Anfang Oktober sich selbst überlassen. Das Veterinäramt des Kreises Coesfeld habe unmittelbar reagiert und den Stall unter die Lupe genommen, so Peifer. Der Betrieb war den Behörden schon vorher aufgefallen. Der Betreiber des Stalls aus Billerbeck möchte sich zu den Vorfällen nicht äußern, wie er gegnüber unserer Zeitung sagt.

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