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Zahlen 2020 im Kreisdekanat und Evangelischen Kirchenkreis

Erneut hohe Anzahl an Kirchenaustritten

Kreis Coesfeld

(vth). Die Anzahl an Kirchenaustritten war auch voriges Jahr bei den katholischen und evangelischen Christen im Kreis Coesfeld hoch. 1080 Katholiken aus dem Kreisdekanat Coesfeld erklärten ihren Austritt. Das waren zwar 488 weniger als im Vorjahr, aber dennoch die zweithöchste Zahl an Austritten, die bisher in einem Jahr festgestellt wurde. Wie die Bischöfliche Pressestelle mitteilte, wurden 2020 im Bistum 967 Menschen durch die Taufe in die Kirche aufgenommen, 537 weniger als 2019. Die aktuelle Katholikenzahl im Kreisdekanat Coesfeld lag Ende 2020 bei 170 003, das sind 2641 weniger als ein Jahr zuvor.

Zwar weniger Kirchenaustritte als 2019 – aber auch 2020 war die Zahl der katholischen und evangelischen Christen hoch, die der Kirche den Rücken kehrten. Foto: Foto: Archiv

Einen deutlichen Rückgang gab es im vergangenen Jahr im Kreisdekanat auch bei den Menschen, die sonntags an der Messe teilnehmen. 2020 waren es 8830 Katholiken und damit 4000 weniger als im Vorjahr. Aufgrund der Corona-Pandemie war die persönliche Teilnahme an Gottesdiensten lange gar nicht oder nur sehr beschränkt möglich. Daher haben das Bistum Münster und viele der 20 Pfarreien im Kreisdekanat den Menschen aber Gottesdienst-Übertragungen ins Internet oder in Soziale Netzwerke angeboten, die nicht in die Statistik einfließen.

Massive Rückgänge gab es auch bei Firmungen (2020: 589; 2019: 1148) und kirchlichen Trauungen (2020: 107; 2019: 377). Die Zahl der Erstkommunionen (2020: 1221; 2019: 1292) ist ebenso leicht gesunken wie die der Bestattungen (2020: 1901; 2019: 1949).

Rückgängig auch die Zahlen im Evangelischen Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken. 80 977 Menschen waren 2020 Mitglied in einer der 20 Kirchengemeinden. Ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr von 1,2 Prozent. Der größte Faktor waren dabei allerdings nach Angaben des Kirchenkreises die Todesfälle (1089). Die Zahl der Kirchenaustritte betrug im vorigen Jahr 698. 2019 waren es 841. Das 2020 weniger Menschen aus der Kirche austraten als in den Jahren zuvor, hänge auch mit der Corona-Pandemie zusammen, analysiert der Kirchenkreis: die zuständigen Amtsgerichte waren zeitweise geschlossen. Trotzdem verzeichnet der Kirchenkreis mit einem Minus von 1,2 Prozent im westfalenweiten Vergleich den niedrigsten Mitgliederrückgang.Kreisdechant

Kreisdechant Johannes Arntz zu den Zahlen im Kreisdekanat Coesfeld:

Arntz: Dass es ein außergewöhnliches Jahr gewesen ist, sieht man beim Blick auf die Zahlen. Mit Ausnahme der Zahl der Kirchenaustritte, geben die Zahlen und ihre Veränderung zum Vorjahr keine andauernde Wirklichkeit im Kreisdekanat wieder. Das merken die Pastoralteams in den Gemeinden an den vielen jetzt stattfindenden Taufen, den zahlreich für 2022 angemeldeten Trauungen und die leichte Zunahme von Kirchenbesucherinnen und -besucher. Allein die Zahl der Austritte verdeutlicht, dass die innere Bindung zur Institution Kirche abnimmt und sich dieses im Austritt, der fast immer einem innerkirchlichen Skandal folgt, ausdrückt. ‚Es ist die Zeit der leeren Kirchen’ wie Tomas Halik es formuliert. Diese Zeit fordert Hilfen zur Vertiefung des Glaubens und zur persönlichen Glaubensentscheidung. Die Zeit der Volkskirche ist endgültig vorbei, es braucht eine Kirche im Volk.

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