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Kreis Coesfeld

Fitness-App statt Übungsleiter

Kreis Coesfeld. Die über 200 Sportvereine im Kreis Coesfeld haben zunehmend mit privater Konkurrenz zu kämpfen. Damit gemeint sind nicht nur kommerzielle Anbieter wie Fitness-Studios, sondern vor allem auch selbst organisierte Gruppen. „Der vereinsungebundene, selbst organisierte Sport erlebt gerade einen massiven Aufschwung“, berichtet Jens Wortmann, Geschäftsführer des Kreissportbundes, der die Entwicklung der Sportvereine jährlich genauer unter die Lupe nimmt. Joggen in kleinen Gruppen, oft über Messengerdienste wie Whats-App verabredet, das Radfahren auf der Straße oder „offroad“ und auch mit Hilfe von digitalen Diensten wie Youtube und Apps gestaltete Fitnesseinheiten gehören laut Wortmann dazu. Im Trend liegen nach seinen Angaben auch befristete Angebote und Sportevents.

Detlef Scherle

Foto: az

„Viele wollen sich nicht mehr langfristig an einen Verein binden“, erklärt er. Flexibilität und Abwechslung seien gefragt. Und so sind die Mitgliedszahlen in den über 200 Sportvereinen im Kreisgebiet im Vergleich zum Vorjahr mit minus ein Prozent leicht rückläufig. Aktuell sind 70 102 Menschen in Sportvereinen aktiv. Das sind rund ein Drittel aller Einwohner – immer noch landesweit ein Spitzenwert.

Die Sportvereine stellen sich laut Wortmann durchaus den neuen Herausforderungen. So sei das Kursangebot ausgeweitet worden – und da seien auch deutlich steigende Teilnehmerzahlen zu verzeichnen. „Zugleich“, so Wortmann, „entstehen aber neue Problemstellungen. Beispielsweise erschwert die rückläufige Bindung an den Verein die Gewinnung von Ehrenamtlichen als Trainer, Übungsleiter sowie für die Vorstands- und Verwaltungstätigkeiten.“

Welche Sportarten treiben die Menschen im Kreis Coesfeld im Verein? Mit rund 20 500 Mitgliedern steht „König Fußball“ weiterhin unangefochten an der Spitze der Top Ten, wie die Auswertung des Kreissportbunds zeigt. Dahinter ist das Feld bunt: Auf Platz zwei folgt die Leichtathletik, die sich nach Jahren des Rückgangs auf 6200 Mitglieder eingependelt und die Turn-Sportarten (6200) erstmals auf den Bronze-Rang verwiesen hat. Sorgenkind ist kreisweit der Tanzsport. Auf dem Parkett bewegten sich erstmals seit über 10 Jahren unter 1000 Mitglieder zur Musik.

Eins hat Wortmann noch beobachtet: „Innerhalb der Sportarten geht die Nachfrage nach wettkampf- und leistungsorientierten Angeboten zurück, während freizeit- , fitness- und gesundheitsorientierte Angebote an Bedeutung gewinnen.“ Der Breitensport verdrängt also den Leistungssport.

Die Sportförderung beginnt übrigens schon ganz früh: Rund 4200 Kinder unter sechs Jahren werden aktuell in den Vereinen betreut. Außerdem gibt es zahlreiche Kooperationen mit Kitas. „Aufgrund des steigenden Bedarfs an Kindertagesbetreuung werden diese in ihrer Bedeutung noch zunehmen“, prognostiziert Wortmann.

Und wer ist die sportlichste Stadt beziehungsweise Gemeinde im Kreis Coesfeld? Mit einem Organisationsgrad von 41,1 Prozent liegt Rosendahl an der Spitze, gefolgt von Coesfeld (37,5 Prozent) und Ascheberg (36,9 Prozent). Am geringsten ausgeprägt ist die Vereinsbindung mit nur 27 Prozent in Olfen. Der Kreisdurchschnitt liegt bei 32 Prozent.

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