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Hochwasser: Mehr als 150 Einsatzkräfte aus dem Kreis Coesfeld helfen in Eschweiler

„Ganz schlimm, was wir erlebt haben“

Kreis Coesfeld

Mindestens 150 Hilfskräfte aus dem Kreis Coesfeld von Feuerwehr, DRK, Malteser und weiteren Hilfsorganisationen waren in Eschweiler bei Aachen, um den Menschen in dem Hochwassergebiet zu helfen. „Es ist das schlimmste Hochwasser, das man sich vorstellen kann“, berichtet Kreisbrandmeister Christoph Nolte (Dülmen), der in Eschweiler an der Koordination der Einsätze mitwirkte. Viele Menschen seien in höhere Etagen und auf die Dächer ihrer Häuser gestiegen.

Von Viola ter Horst

Aus dem Kreis Coesfeld waren zahlreiche Hilfskräfte in Eschweiler im Einsatz. Dort galt es, das Krankenhaus und ein Altenheim zu evakuieren und die Patienten in umliegende Einrichtungen zu transportieren. Foto: Foto: Kreis Coesfeld, Christoph Nolte/

Die Einsätze konzentrieren sich Donnerstag am Altenheim und am St. Antonius-Hospital in Eschweiler. „Es war zunächst schwierig, an die Gebäude heranzukommen, weil das Wasser so hoch war“, so Nolte. Im Krankenhaus war – wie in vielen anderen Bereichen der Stadt – der Strom ausgefallen. Die Trinkwasserleitung war gebrochen, die die Innenstadt versorgt. Die Patienten mussten evakuiert und in umliegende Krankenhäuser gebracht werden.

Ebenfalls etliche THW-Helfer waren im Raum Aachen tätig. Vom DRK sicherten die ersten Helfer aus Lüdinghausen Mittwochabend die Feuerwehr rettungsdienstlich ab. Donnerstag waren dann 21 DRK-Helfer und zwei Malteser aus dem Kreis Coesfeld mit neun Rettungs- und Krankenfahrzeugen in Eschweiler, um Patienten in andere Krankenhäuser zu transportieren. Intensivpatienten wurden zuvor mit einem Hubschrauber vom Dach geholt.

Die DRK-Helfer aus dem Kreis Coesfeld retteten außerdem eine hochschwangere Frau, deren Wehen einsetzten, berichtet DRK-Vorstand Christoph Schlütermann, der in engem Kontakt mit seinen Leuten stand. Die Frau war zu Fuß im Hochwasser unterwegs. Das DRK brachte sie mit dem Rettungswagen nach Aachen zur Uniklinik.

Wegen der Wassermassen sei der Einsatz schwer, so Schlütermann. 300 Patienten mussten aus dem St. Antonius-Hospital in Eschweiler evakuiert werden. „Um mit den Tragen sicher ans Gebäude zu kommen, mussten die Rettungskräfte zunächst warten, bis das Wasser nicht mehr so tief war.“ Der sinkende Pegelstand der Inde ermöglichte, dass die Einsatzkräfte im Laufe des Nachmittags die Patienten in umliegende Krankenhäuser bringen konnten.

Viele Verteiler im Ort waren abgesoffen; die EWV Energie- und Wasser-Versorgung GmbH in Eschweiler teilte mit, dass es sie selber auch erwischt habe und sie keinen Strom mehr habe.

„Wie im Krieg, ganz schlimm, was wir da heute erlebt haben im Krankenhaus Eschweiler“, berichtet ein Betroffener auf Facebook. „Ein riesen Dankeschön an die ganzen tollen Helfer der Feuerwehr Eschweiler, Gelsenkirchen, Coesfeld, des DLRG aus allen Ecken Deutschlands, des THW und des Naturschutzkatastrophen Dienst. Ihr ward klasse, danke für die Evakuierung von hunderten Patienten des Krankenhauses.“

Im Raum Aachen hat das schwere Unwetter mindestens 16 Menschenleben gefordert, wie Kreisbrandmeister Nolte schildert. „Nimmt man die Berkel in Coesfeld als schadensursächlich an, dann wäre gestern die gesamte Innenstadt von Coesfeld bis zum ersten Obergeschoss vollgelaufen – und das innerhalb einer halben Stunde“, beschreibt er die dramatische Situation.

Die gemeinsame, „großartige Leistung“ aller Hilfskräfte vor Ort lobte Schlütermann nach Ende des Einsatzes, „bei allem Leid“. Dem schloss sich auch Kreisdirektor Dr. Linus Tepe an. „Wo wir helfen können, tun wir dies auch gerne“, sagt er.

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