1. www.azonline.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Kreis-coesfeld
  6. >
  7. Große Sorgen um wertvolle Naturfläche

  8. >

Nabu: In Borkenberge muss sich endlich etwas tun

Große Sorgen um wertvolle Naturfläche

Kreis Coesfeld

(vth). Wie geht es weiter mit den Naturschutzflächen Borkenberge? Das will nun auch die Kreisgruppe Coesfeld des Naturschutzbunds (Nabu) Coesfeld wissen. Mit einem Brief wenden sich die Naturschützer an Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr. „Viele Mitglieder unserer Nabu-Kreisgruppe Coesfeld machen sich große Sorgen um die wertvollen Arten und Lebensräume im Nationalen Naturerbe Borkenberge“, heißt es darin.

Für Borkenberge gibt es bereits seit einigen Jahren Pläne, um die Naturschutzflächen zu erhalten. Sorgen bereiten die Störungen durch illegale Motocrossfahrten und das zunehmende Zuwachsen der Heideflächen. Foto: Foto: Archiv

Die Sorgen teilt der Kreis. Bereits seit Abzug der britischen Truppen von den heutigen Naturschutzflächen Borkenberge im Jahr 2015 arbeiten sowohl die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Coesfeld als auch das Naturschutzzentrum an einer Verbesserung der Flächen. Das Areal, das zwischen Dülmen, Haltern, Lüdinghausen und Coesfeld liegt und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) Naturerbe GmbH gehört, ist Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Gebiet und zugleich Vogelschutzgebiet. Schon länger gibt es unter der Überschrift „Westfalens Wilder Westen“ Pläne, die nun wieder aufleben (wir berichteten).

Gemeinsam berieten der Landrat, Christoph Steinhoff als Leiter der Unteren Naturschutzbehörde und drei Vertreter des Nabu über die Umsetzung weiterer Maßnahmen, wie der Kreis berichtet. Es soll verhindert werden, dass sich das Gebiet ökologisch weiter verschlechtert. „Sorgen bereitet uns zudem die Störung des Gebiets durch das illegale Befahren mit Crossmotorrädern und Quads, aber auch durch Spaziergänger mit freilaufenden Hunden“, betonte Dorothea Knepper-Wollny vom Nabu. „Dadurch wird vor allem das Brüten seltener Vogelarten verhindert.“ Das Befahren der Borkenberge mit Motocrossmaschinen ist illegal und gefährlich. „Erst kürzlich gab es zum wiederholten Male einen tödlichen Unfall“, so Schulze Pellengahr. Auch liegen in dem Areal noch Granaten und Munition durch die lange militärische Nutzung.

In den vergangenen drei Jahren hat das Naturschutzzentrum Vegetation und Vogelarten auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz aufwendig kartiert und dabei feststellen müssen, dass bereits ein Viertel der Heideflächen durch Überwachsen mit Gehölzen verschwunden ist. „Haben Kiefern und Birken hier erst einmal Fuß gefasst, ist es fast unmöglich, sie wieder zu entfernen“, berichtete Steinhoff. Dass ein Pflegekonzept dringend umgesetzt werden muss, gebe auch die FFH-Richtlinie der EU vor. Diese verlange, dass sich Lebensraumtypen von europäischem Naturschutzinteresse, wie die in den Borkenbergen noch großflächig vorkommenden trockenen europäischen Heidegesellschaften, nicht verschlechtern dürfen. Sonst drohen der Bundesrepublik hohe Geldstrafen.

„Aber es sind nicht nur die finanziellen Auswirkungen, die unsere Bemühungen antreiben“, bekräftigt der Landrat. „Es ist unsere Sorge um weitere seltene Arten wie Heidelerche, Ziegenmelker oder Schlingnatter. Für sie muss sichergestellt werden, dass die Heideflächen erhalten bleiben.“

Helfen könnten Großtiere wie Taurusrinder, Konikpferde oder Wisente. Nach den Plänen der Naturschützer sollen sie rund 550 Hektar des Gebiets beweiden. Die Umzäunung aber auch die respekteinflößenden Tiere könnten als Nebeneffekt auch die Fahrer von Crossmaschinen abschrecken. Als Sofortmaßnahme müsse dieses Projekt nun endlich umgesetzt werden, fordert der Nabu. Auch regelmäßige Polizeikontrollen schlägt er in dem Schreiben vor. Die Nabu-Vertreter erklärten sich bereit, den Kreis bei der Pflege der Heideflächen und bei den anstehenden Gesprächen mit der DBU Naturerbe GmbH, und dem Ministerium zu unterstützen.

Startseite