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Erneut Wahlkampfplakate zerstört / Reichsfahne aus NS-Zeit als Motiv / Staatsschutz ermittelt

Grüne entsetzt über „undemokratisches Gedankengut“

Kreis Coesfeld

Erneut sind Grünen-Wahlplakate zerstört und übergemalt worden. Besonders drastische Fälle ereigneten sich in Ascheberg und Nordkirchen. Die Polizei bittet Zeugen um Hinweise. In Ascheberg übersprühten die Täter ein zwei Meter mal drei Meter großes Plakat mit schwarzer, weißer und roter Farbe zu einer Reichsflagge. Der Staatsschutz ermittelt jetzt. Die Reichskriegsfahnen aus der Kaiser- und NS-Zeit werden oft von rechtsextremistischen Gruppen als Symbol genutzt. In fast allen Orten im Kreis Coesfeld wurden inzwischen Plakate zerstört. Auch andere Parteien sind betroffen. „Die Grünen aber offenbar besonders“, meint Kreis-Grünen-Sprecher Willi Kortmann. Die Aktionen haben aus seiner Sicht nichts mit den üblichen Schmierereien vor den Wahlen zu tun – „so etwas nehmen wir ja sportlich. Aber das hier sind keine Dumme-Jungen-Streiche mehr“. Die Grenze sei eindeutig überschritten. Die Wut auf die Grünen habe ganz neue Ausmaße angenommen. „Wir überlegen, wie wir auf dieses undemokratische Gedankengut reagieren“, so Kortmann.

Von Viola ter Horst

Neue Attacken auf Wahlkampfplakate: In Ascheberg wurde ein komplettes Grünen-Plakat in den Reichsfahnenfarben schwarz-weiß-rot übermalt. Reichsfahnen aus der Kaiser- und NS-Zeit werden oft von rechtsextremistischen Gruppen als Symbol genutzt. Foto: Foto: Grüne

Nach Angaben der Grünen sind inzwischen unzählige Plakate zerstört. Sogar Todeswünsche seien geäußert worden. In Ottmarsbocholt beschmierten Täter Plakate mit dem Vermerk „Grüner Mist“. Unter dem Motto „Grüner Mist“ läuft, wie berichtet, aus dem rechten Milieu bundesweit eine Schmähkampagne mit falschen Plakaten gegen die Grünen. „Wer sich auf diese Kampagne bezieht, erweckt zumindest den Anschein, sich mit diesen Kreisen gemein zu machen“, findet Kortmann.

Nach Angaben des Staatsschutzes gibt es noch keine Hinweise auf Täter oder Tätergruppen. Auch andere Parteien seien betroffen, betont Antonia Linnenbrink von der Polizei-Pressestelle Münster. „Wir haben etwa 30 angezeigte Vorfälle von verschiedenen Parteien im Münsterland.“

Deutliche Worte von Bürgermeister Dietmar Bergmann aus Nordkirchen zu den zerstörten und beschmierten Plakaten, die zum wiederholten Mal in Nordkirchen auftauchten: „Die Gemeinde Nordkirchen verurteilt dieses antidemokratische, primitive und letztlich auch kriminelle Verhalten einiger Weniger zutiefst.“ | Westfalen

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