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Niedrige Erlöse – steigende Schnittholzpreise

Waldbauern wünschen faire Preise

Havixbeck

Niedrige Erlöse für das im Wald geschlagene Holz stehen derzeit stark steigenden Preisen und der Verknappung von Schnittholz gegenüber. Die Waldbauern betrachten dieses Auseinanderklaffen mit Sorge. Denn nach Schäden durch Stürme und Borkenkäfer stehen sie auch in den Baumbergen vor der Herausforderung, viele Flächen wieder aufforsten zu müssen.

Marita Strothe

Hermann von Hövel steht auf einer von Sturm, Dürre und Borkenkäfer zerzausten Fläche seines Forstbetriebs. „Wald zerstört, Holz zu desolaten Preisen ‚entsorgt‘, Holzvorrat weg. Was bleiben uns Waldbauern für Perspektiven?“, fragt der Havixbecker.Foto: von Hövel Foto:

„Da wasche ich meine Hände in Unschuld“, betont Hermann von Hövel angesichts der stark gestiegenen Preise und der Verknappung von Schnittholz. Der Havixbecker, Berater des Vorstandes des Waldbauernverbandes Nordrhein-Westfalen, muss sich sogar mit unverhältnismäßig niedrigen Preisen für sein Rohholz zufrieden geben. Anfang der Woche hat das Statistische Bundesamt veröffentlicht, dass die Erzeugerpreise für Rohholz weit unter dem Niveau der Vorjahre liegen. So waren es im Februar 27,3 Prozent weniger als im Vergleich zum Jahr 2015. Ausgehend vom Orkan Friederike im Januar 2018, gefolgt von der Borkenkäfer-Kalamität sind in den Wäldern riesige Schadholzmengen entstanden, erinnert von Hövel. „Wir müssen ernten.“ So habe er 2020 das Sechsfache des Vorjahres schlagen müssen. Wobei das Holz selber keine Qualitätseinschränkungen habe.

Sinkende Preise trotz wachsender Nachfrage

Aufgrund des großen Angebotes an Rohholz hätten die örtlichen Sägewerke, trotz großer Nachfrage nach Schnittholz, die Preise auf ein Drittel der Preise vor Friederike für die Waldbauern gesenkt. „Die Erntekosten betragen pro Festmeter 20 bis 25 Euro“, verdeutlicht von Hövel die aktuelle Situation. „Für gutes Holz zahlen die Sägewerke 30 Euro, für Spanplattenholz gerade mal die Erntekosten.“

Hermann von Hövel

Insgesamt sind in den letzten drei Jahren den Waldbesitzern und Forstbetrieben in Deutschland Schäden von 13 Milliarden Euro entstanden, wie eine kürzlich veröffentlichte Studie des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR) aufzeigt. Die Hilfsprogramme von Bund und Ländern mit bis zu 1,5 Milliarden Euro decken nur einen Bruchteil der Kosten ab, die für die Behebung der Schäden erforderlich werden.

Da ist es nicht verwunderlich, dass im letzten Jahr die Waldbauern gut die Hälfte (50,6 Prozent) der insgesamt ausgeführten 12,7 Millionen Kubikmeter Holz nach China verkauften. Dort sei die Nachfrage enorm, weiß von Hövel, und die Käufer seien bereit, für die Waldbauern erträgliche Preise zu zahlen. Container, die mit Waren aus China hierzulande ankommen, würden deshalb gerne mit Holz gefüllt auf den Rückweg geschickt.

Holzexport boomt

Einen Grund für die Verknappung an Schnittholz für hiesige Handwerker sieht Hermann von Hövel auch in der Geschäftspraxis einiger Großsägewerke. „Die kaufen das Rohholz für einen Appel und ein Ei“, so der frustrierte Waldbauer. Und anstatt Schnittholz für den örtlichen Großhandel zu fertigen, würden Standardgebinde daraus gemacht, wie sie in den USA nachgefragt würden, und dorthin teuer verkauft.

Franz Himker

Mittlerweile haben auch schon das Umweltministerium und der Landesbetrieb Wald und Holz NRW die Sägewerke aufgefordert, den Waldbauern angemessene Preise für ihr Holz zu zahlen. „Die Verkaufserlöse beim Schnittholz sind derzeit enorm hoch, die Einkaufspreise beim Rohholz niedrig. Damit die Waldbesitzenden in die Lage versetzt werden, ihre Wälder neu zu begründen, sollten sie an den Erlösen teilhaben. Nur dann ist die gebeutelte Forstbranche in der Lage, sich der Herausforderung des Wiederaufbaus der Wälder in standortgerechte, klimaresiliente Waldentwicklungstypen zu stellen“, so Umweltministerin Ursula Heinen-Esser.

Fehlende Einnahmen für Wiederaufforstung

Das kann auch Franz Himker, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Baumberge, nur unterstreichen. „Die Stimmung ist miserabel“, weiß er von den Baumberger Waldbesitzern. Massive Fichtenflächen seien weggeräumt worden, aber „die Rohholzpreise sind zum Teil nicht mal mehr kostendeckend.“ Und selbst wenn sie keine Einnahmen mehr aus dem Holzverkauf erzielt haben, müssten sie wieder aufforsten.

Da spricht die Erklärung von Ministerin Heinen-Esser zu landesweiten Meldungen über eine unzureichende Versorgung der regionalen Märkte mit Holzprodukten den Mitgliedern der Forstbetriebsgemeinschaft aus der Seele: „Es ist genug Käferholz für alle da. Es ist technisch einwandfrei, muss angemessen bezahlt und das Schnittholz in die regionalen Märkte gebracht werden.“

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