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Wie sich der Partnerlandkreis Ostprignitz-Ruppin in der Corona-Krise behauptet

Impfbus fährt in die entlegensten Ecken

Neuruppin/Kreis C...

Corona ist überall gleich – und doch sehr unterschiedlich. „Wir sind schon sehr stolz darauf, dass wir hier bei uns eine sehr hohe Impfquote haben“, sagt Ralf Reinhardt. Er ist Landrat des Kreises Ostprignitz-Ruppin, der seit 2018 partnerschaftlich mit dem Kreis Coesfeld verbunden ist. Wie sein Amtskollege Dr. Christian Schulze Pellengahr, mit dem er sich vor 14 Tagen noch persönlich getroffen hat, ist für Ralf Reinhardt seit 18 Monaten die Corona-Pandemie das Thema in seinem Kreis, der zwar nur knapp 100 000 Einwohner zählt, aber flächenmäßig der neuntgrößte Kreis in ganz Deutschland ist.

Von Markus Kleymann

Ralf Reinhardt (o.r.) ist Landrat des Kreises Ostprignitz-Ruppin und erklärt, wie sich der Partnerkreis des Kreises Coesfeld in der Coronakrise behauptet. Herzstück der Impfkampagne ist der Impfbus, der immer noch fährt. Daneben blieb aber auch das Tagesgeschäft nicht auf der Strecke – wie die Erweiterung des Naturparks Ruppiner Heide mit dem neuen Aussichtsturm. Foto: Fotos: Markus Kleymann/Montage: fs

Das macht auch schon einen großen Unterschied bei der Corona-Bekämpfung zum Partnerkreis im Westen aus. „Wir haben uns schnell entschlossen, den Menschen vor Ort ein Impfangebot zu machen“, betont der Chef der Kreisverwaltung. Herzstück der Kampagne ist ein Impfbus, der auch in die entlegensten Ecken des dünn besiedelten Kreises fährt und dort die Menschen quasi zu Hause abholt. Denn der Weg zum nächsten Hausarzt ist für viele weit, und bis zum zentralen Impfzentrum sogar bis zu 50 Kilometer lang. „So haben wir viele Menschen erreicht, die selber gesagt haben, dass sie sich sonst nicht hätten impfen lassen“, erklärt der Landrat.

Und noch ein Grund führt zu der hohen Impfquote im Kreis Ostprignitz-Ruppin (derzeit circa 70 Prozent Erstimpfungen und 50 Prozent vollständige Impfungen). Der ist allerdings trauriger Natur. Denn kurz nach Weihnachten kletterte in dem Kreis die Inzidenz auf über 400 und die Zahl der Todesfälle stieg dramatisch an, sodass der Kreis bislang 155 davon registrieren musste. „Leider hatten wir sehr viele Corona-Erkrankungen in Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen, die über die Weihnachtstage für Besucher geöffnet wurden“, erläutert Ralf Reinhardt. Diese sehr dramatische Entwicklung führte allerdings den Bürgerinnen und Bürgern deutlich vor Augen, dass die Corona-Pandemie eine sehr ernsthafte Bedrohung sei, so der Landrat.

Mit vereinten Kräften gelang es der Kreisverwaltung in den vergangenen Monaten, die Impfquote so zu erhöhen, dass die Inzidenz seit Tagen schon bei 0 liegt. Auf diesem Erfolg wollen sie sich allerdings nicht ausruhen. Noch immer ist der Impfbus unterwegs, beispielsweise an Wochenmärkten oder künftig auch an Schulen. Denn in Brandenburg gilt eine Impfempfehlung schon für Kinder ab zwölf Jahren – und auch hier möchte der Kreis möglichst viele erreichen, damit es im Herbst keine großen Rückschläge gibt. „Da müssen wir aber auch noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten“, meint Ralf Reinhardt.

Auch wenn die Bekämpfung der Corona-Pandemie nicht nur für den Landrat, sondern für die gesamte Kreisverwaltung und zahlreiche weitere Beteiligte im Kreis Ostprignitz-Ruppin viel Kraft gekostet hat, so ging das Alltagsgeschäft im Partnerkreis dennoch weiter. Schwerpunkte waren unter anderem die Erweiterung des Naturparks Ruppiner Heide, die Sanierung und der Neubau von Radwegen, der Ausbau des Breitband-Netzes und die Umsetzung der kostenlosen Nutzung von Bus und Bahn für alle Schülerinnen und Schüler im Landkreis. „Damit sind wir Vorreiter in ganz Brandenburg“, sagt Ralf Reinhardt nicht ohne Stolz.

Und natürlich würden sich die Verantwortlichen in der Kreisverwaltung freuen, wenn in Zukunft noch mehr Besucherinnen und Besucher aus dem Kreis Coesfeld kommen würden, um die vielen Sehenswürdigkeiten des Partnerkreises einmal selber kennenzulernen.

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