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Interdisziplinäre Frühförder- und Beratungsstelle der Stiftung Haus Hall stellt sich vor

Individuell auf jedes Kind eingehen

Kreis Coesfeld

Max will jetzt Rübli-Kuchen backen. Zielsicher steuert der Dreijährige die Spielküche an, um eine Backform und jede Menge Holzkarotten aus den Schränken zu zaubern. „Toll, dass er sich so viel traut“, freuen sich seine Mutter Jennifer und Sozialpädagogin Denise Rennert. Max ist zu früh auf die Welt gekommen, schon in der 26. Woche. Er hat Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, ist unruhig und schüchtern. Auch sprachlich hat er Probleme. „Max erhält seit zwei Jahren einmal in der Woche die Frühförderung“, erzählt Denise Rennert. Sie arbeitet in der Interdisziplinären Frühförder- und Beratungsstelle der Stiftung Haus Hall in Coesfeld, dessen Team aktuell 204 Kinder im Vorschulalter aus dem ganzen nördlichen Teil des Kreises Coesfeld bei ihrer körperlichen, geistigen oder sozialen Entwicklung unterstützt.

Konzentriert beim Memory spielen: Max und seine Mutter Jennifer mit Denise Rennert (l.). Foto: Foto: Bischöfliche Stiftung Haus Hall

Die Arbeit mit Max trägt sichtlich Früchte: Wie selbstverständlich nimmt er den Raum in Besitz – und dass, obwohl er zuvor erst zweimal dort war. Denn die Frühförder- und Beratungsstelle hat kürzlich ihre neuen Räumlichkeiten am Gerlever Weg in Coesfeld bezogen.

Dem Team böte der Neubau optimale Arbeitsbedingungen, resümiert Bärbel Hillebrandt, die in der Stiftung Haus Hall die Abteilung Frühförderung leitet, zufrieden: „Das Gebäude ist komplett barrierefrei, bietet uns viel Platz und Flexibilität. Wir können den Kindern jetzt einfach noch mehr Angebote machen.“ In jedem Raum finden sich Schienensysteme an Wand und Decke, an denen zum Beispiel Schaukeln und andere Turnelemente befestigt werden können. Eine Verbesserung stelle auch die Fußbodenheizung dar, ergänzt Ergotherapeutin Eva-Maria Große-Herzog: „Die Kinder können jetzt zu jeder Jahreszeit barfuß laufen, ohne kalte Füße zu bekommen.“

Über 500 Kartons voll Therapiematerial, Spielzeug und Akten kamen beim Umzug zusammen, zuzüglich der größeren Geräte und Möbel, heißt es im Pressetext der Bischöflichen Stiftung. Doch die Arbeit habe sich gelohnt, sagt Bärbel Hillebrandt, Kinder und Eltern fühlten sich in dem lichtdurchfluteten Gebäude sehr wohl. „Ein Highlight für die Kinder sind die farblich und mit Würfelsymbolen immer unterschiedlich markierten Türen“, berichtet Logopädin Veronika Grönefeld. „Direkt nach dem Hereinkommen flitzen viele Kinder direkt los, um ihre Tür zu suchen.“

Die Frühförder- und Beratungsstelle arbeitet ebenso wie ihre Zweigstelle in Nottuln interdisziplinär. Unter einem Dach vereint sie Heilpädagogik, Logopädie und Ergotherapie. Eine Kooperationspraxis deckt die Physiotherapie ab. Immer donnerstags ist eine Ärztin im Haus. „Auf diese Weise können wir ganz gezielt auf den individuellen Unterstützungsbedarf eines Kindes eingehen“, erläutert Bärbel Hillebrandt die Vorteile. „90 Prozent der zu fördernden Kinder haben eine Entwicklungsverzögerung, die übrigen sind Kinder mit einer Behinderung.“ Es kommen Kinder, die Schlaf- oder Essstörungen zeigen, für ihr Alter wenig sprechen, chronisch krank sind oder zu früh geboren wurden. Wie Max. Der freut sich über seinen leckeren Kuchen, aufräumen mag er aber nicht. Ganz normal.

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