Polizei will Zusammenstöße mit Rehen reduzieren: Erste Ergebnisse

Karte beschreibt sämtliche Wildunfälle

Kreis Coesfeld. Die L600 zwischen Dülmen-Merfeld und Coesfeld ist ein Hotspot: 61 Wildunfälle passierten allein auf dem Zwei-Kilometer-Stück seit 2019. Aber auch auf den meisten anderen Straßen außerhalb der Innenstädte verunglücken im Kreis Coesfeld viele Tiere, am meisten Rehe. Sachschäden am Auto sind bei einem Zusammenstoß vorprogrammiert, „schnell kann es auch zu Verletzungen der Insassen kommen“, sagt Kreispolizei-Abteilungsleiter Thomas Eder.

Viola ter Horst

Die Kreispolizei will zusammen mit weiteren Partnern die Zahl der Wildunfälle reduzieren. Als eine erste Maßnahme entwickelte die Polizei eine Karte, die alle Wildunfälle aufzeigt. Man kann seine eigenen Fahrtstrecken herauszoomen und unter die Lupe nehmen. Foto: dpa

Vor zweieinhalb Jahren hatte er die Idee, dass sich da etwas tun muss. Der Anteil an Wildunfällen an allen Verkehrsunfällen im Kreis Coesfeld beträgt 27 Prozent im vorigen Jahr. 3373 Wildtiere waren seit 2019 in Unfälle verwickelt, davon 2696 Rehe. Zahlen, die Eder runterkriegen will.

Als ersten Schritt entwickelte die Polizei und ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung eine Karte, die sämtliche Wildunfälle seit 2019 im Kreis Coesfeld aufzeigt. Hinterlegt ist die Tierart – ob Reh, Hirsch, Wildschwein, Hase oder Taube –, aber auch das Datum und sogar die Uhrzeit. Und auf welcher Straße das Tier verunglückte. „Unser Wunsch ist es, dass sich Bürger ihre Fahrstrecken auf der Karte einmal genauer anschauen“, sagt Eder. Denn auf vielen Straßen, die eigentlich gut gesichert sind, „passieren mehr Wildunfälle als man denkt“. Jeder Interessierte kann die Karte auf der Internetseite der Polizei Coesfeld aufrufen. Sie wird täglich aktualisiert.

„Wildunfälle haben nicht nur eine Ursache“, sagt Eder. „Das sind viele.“ Eine Möglichkeit, die Unfälle zu reduzieren, sieht die Polizei in der Karte. „Wenn ein Verkehrsteilnehmer weiß, wo besonders viele Wildunfälle passieren, fährt er an diesen Stellen vielleicht langsamer und aufmerksamer.“

Aber auch viele weitere Möglichkeiten sollen zusammen mit Partnern – darunter Jäger, Landwirte und Naturschützer – unter die Lupe genommen werden. Vorbild für das Projekt ist der Kreis Steinfurt, der das Thema bereits länger unter die Lupe nimmt.

„Wir haben herausgefunden, dass besonders viele Rehe zwischen März und April verunglücken“, berichtet Horst Harmelink von der Kreispolizei, der die Karte mit erarbeitet hat. Die Frage sei, ob Jäger die Tiere zu einem anderen Zeitpunkt als vorgesehen erlegen, damit auf diese Weise weniger Unfälle geschehen. „Uns geht es darum, eine Co-Existenz zwischen Verkehrsteilnehmern und Wildtieren hinzubekommen“, betont Eder. Eine Möglichkeit sei, dass sich bei der Bejagung etwas tue. Es gebe viele weitere. Auch Blühstreifen an stark befahrenen Straßen „bedeuten für viele Tiere den Tod, wenn sie die Straße queren müssen“, so Harmelink. Die Blühstreifen seien so etwas wie ein Esszimmer für die Tiere. Ziel sei es aber nicht, die Blühstreifen auszudünnen, sondern die sinnvollsten Standorte zu finden. „Ein Blühstreifen mitten in einem Maisfeld tut für die Natur mehr als an einer befahrenen Straße“, sagt Stephan Niesert von der Kreisjägerschaft. „Im Kreis Steinfurt wurde beobachtet, dass Rehe im Winter immer gehäuft auf einer bestimmten Straße standen“, nennt Eder ein weiteres Beispiel. Irgendwann wusste man auch, warum: Sie leckten das Streusalz von der Straße. „Die Jäger haben daraufhin Salzlecksteine im nebenliegenden Wald aufgehängt und das Problem war gelöst.“

https://kvc.maps.arcgis.com/apps/dashboards/85c72260c45847d999b2802fe0fd6a85

März bis Mai die meisten Unfälle

3373 Wildtiere waren seit 2019 in Unfälle verwickelt. Davon 2696 Rehe. Für den Autofahrer bleibt es zumeist bei Sachschäden. In diesem Jahr gab es aber bereits fünf Verletzte, davon ein Schwerverletzter. Ein Mopedfahrer stieß mit einem Reh zusammen und landete im Graben. Zwischen März und Mai sowie im Oktober passierten die meisten Wildunfälle. Am häufigsten zwischen fünf und acht Uhr morgens und zwischen 21 und 23 Uhr, wie aus der Karte der Kreispolizei Coesfeld hervorgeht. Besonders viele Unfälle listet die Karte auf der L600 zwischen Merfeld und Lette auf, auf der Bruchstraße bei Lette und auf der B58 zwischen Lüdinghausen und Ascheberg vth

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