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Schulbus-Unglück in Thüringen löst Diskussion über Sicherheit aus

Keine Gurtpflicht und viele Stehplätze

Kreis Coesfeld. Maren kennt das schon. „Es stehen immer Leute im Bus“, sagt die 18-jährige Schülerin aus Billerbeck, die regelmäßig mit dem Bus zur Schule nach Havixbeck fährt. Schubsen und drängeln, um einen begehrten Sitzplatz zu bekommen – keine Seltenheit.

Viola ter Horst

Nicht immer lässt sich ein Sitzplatz im Schulbus ergattern. Stehplätze sind üblich und auch erlaubt. Eine Anschnallpflicht gibt es nicht. Foto: Viola ter Horst

Die Sicherheit in Bussen wird nach dem tragischen Schulbusunfall in Thüringen, bei dem zwei Kinder starben, verstärkt diskutiert. Elternverbände fordern eine Anschnallpflicht; Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer schlägt vor, die Empfehlungen für die Schülerbeförderung zu verschärfen.

Nach Auskunft des Zweckverbands ZVM Bus, der für den Kreis Coesfeld den Busverkehr organisiert, ist nach der Gesetzeslage weder eine Anschnallpflicht noch die Garantie auf einen Sitzplatz im Schülerverkehr vorgesehen. Im Unterschied zu Reisebussen, die oft über 80 km/h fahren, sind in den Schul- und Linienbussen nicht einmal immer Gurte vorhanden. Im Nahverkehr sind auch Stehplätze erlaubt, die Anschnallpflicht entfällt, wie Geschäftsführer Gerrit Tranel und Stellvertreterin Martina Henke erklären.

Die Sicherheit sei aber auch auf den Gangplätzen nicht gefährdet, betont Tranel. Trotz des tragischen Unfalls: „Der Bus ist immer noch das sicherste Verkehrsmittel für den Schulweg.“ Mit dem Fahrrad, mit dem Auto und sogar zu Fuß sei die Wahrscheinlichkeit größer, in einen Unfall verwickelt zu werden.

Wenn der Fahrer verkehrsbedingt stark abbremsen müsse, würden die Kinder zwar „ein wenig durcheinandergewirbelt“, aber zu größeren Verletzungen komme es nach ihren Rückmeldungen selten, sagt Henke.

Je nach Fahrzeugtyp ist in den Bussen eine bestimmte Anzahl an Stehplätzen zugelassen. Bei der Kalkulation werde aber nicht von vorneherein angenommen, dass alle Stehplätze in Anspruch genommen werden, sondern rund 80 Prozent, um einen Puffer zu haben.

„Wir schicken regelmäßig Kontrolleure, um sicherzustellen, dass diese Zahlen eingehalten werden“, so Tranel. Oft sei es so, dass auch in vollen Bussen sogar noch Sitzplätze frei seien, wenn die Schüler nicht zuerst die hinteren Reihen besetzt hätten.

Eine Sitzplatzgarantie halten Tranel und Henke für nicht realisierbar, weil die Kosten viel zu hoch wären. „Noch dazu würden wir nicht so viele Busfahrer für zusätzliche Busse wegen des Fachkräftemangels bekommen“, sagt Tranel.

Elternforderungen gebe es immer mal wieder auch im Kreis Coesfeld, bestätigt er. Besonders zum Schulbeginn, wenn die Kinder von der Grundschule auf eine weiterführende Schule wechseln und dann den Bus nutzen. „Oft relativiert sich die Situation, wenn das Busfahren vertrauter geworden ist“, sagt Tranel.

Kritische Stimmen gab es bei einem „Kinderreporter-Projekt“ vor vier Jahren, bei dem Jungen und Mädchen aus dem Kreis Coesfeld in einer Umfrage an Schulen in Coesfeld und Lüdinghausen herausgefunden hatten, dass es durch Gedränge immer wieder zu gefährlichen Situationen beim Ein- und Ausstieg gekommen war. 60 Prozent der 242 befragten Kinder hatten diese Erfahrung gemacht. 20 Prozent fühlten sich auf dem Schulweg insgesamt „nicht sicher“, 14 Prozent sogar „überhaupt nicht sicher“, so das damalige Ergebnis der Kinderreporter.

ANSCHNALLPFLICHT?

Sollten die Vorgaben beim Schülerverkehr verschärft werden? Gurtpflicht? Sitzplatzgarantie? Welche Lösungen gäbe es noch? Oder ist die Situation sicher genug? Schreiben Sie gerne an die Kreisredaktion: kreis-coesfeld@azonline.de

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