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Jazz-Trio begeistert mit Sommerkonzert

Klangtaifun fegt durch Burg Vischering

Kreis Coesfeld

Ein Klangorkan füllte den Saal auf der Vorburg der Burg Vischering in Lüdinghausen und wehte buchstäblich einige der 100 Besucher nach draußen, wo die schwül-heiße Luft auch besser zu ertragen war. In der Ankündigung wurde dieses musikalische Erlebnis noch zum Klangtaifun gesteigert. Auch das traf zu, als Sylvain Darrifourcq (Schlagzeug/Percussion), Manuel Hermia (Saxophon) und Valentin Ceccaldi (Cello) die kleine Bühne betraten und loslegten.

Von Elvira Meisel-Kemper

Insgesamt sechs eigene Stücke präsentierte das französisch-belgische Jazz-Trio Darrifourcq/Hermia/Ceccaldi. Foto: Foto: emk

Eigentlich war das Konzert als Open Air auf der Vorburg geplant. Aus Angst vor einem angekündigten Gewitter wurde es in den Saal verlegt. Dafür donnerte die eigenwillige Musik des Trios nach draußen. Es war nicht der Jazz im klassischen Sinn, den manche Jazzfans vielleicht erwartet hatten. „Wie kann man die Instrumente nur so quälen?“, meinte ein Besucher lachend. Manches wirkte auch so, denn alle drei Musiker holten buchstäblich alles aus ihren Instrumenten heraus, was in ihren Möglichkeiten lag. Und da war die Bandbreite sehr groß. Für die Musiker war es an diesem heißen Sommerabend ein absolut schweißtreibender Auftritt, weshalb eine Pause dringend nötig war.

Insgesamt sechs eigene Stücke präsentierte das französisch-belgische Trio. Jedes Werk dauerte jeweils 15 Minuten. Manches klang atonal und absolut schräg, anderes sphärisch bis sogar lyrisch. Darrifourcq erzeugte mit seiner Percussion wunderbar faszinierende Soundlandschaften. Da machte sogar das Hinschauen Spaß. Wenn er mit der Kante eines Beckens über die gespannte Haut einer Trommel glitt, mal kreischende, mal gezähmte Laute in den Raum entließ und dann doch wieder zum traditionellen Schlagzeug überging, war das allein schon optisch und akustisch ein Erlebnis.

Ceccaldi experimentierte ähnlich mit seinem Instrument. Mal zupfte er, mal nutzte er den Bogen, mal ließ er die Sehne des Bogens an den Saiten des Cellos entlanggleiten und dann war er wieder der klassisch geprägte Cellist, der eine zweite melodische und harmonische Dimension zu den Klängen von Darrifourcq aufbaute. Hermia war mit seinem Saxophon das Bindeglied, mal lyrisch erzählend, aber auch mal aggressiv verfremdend.

Für Ludger Wiesch aus Oelde war dieser Abend ebenso ein Erlebnis. Seit sechs Jahren gehört er zu den Dauerbesuchern der Konzerte auf der Burg. Zusammen mit zwei Freunden aus Münster hat er nicht nur diesen Abend genossen. „Ich bin bestimmt schon 20 Mal hier gewesen. Es ist immer ein tolles Programm“, lobte Wiesch. Und ergänzte: „Das Konzert heute bietet eine tolle Abwechslung. Das wechselnde Spiel mit der Lautstärke und der Schnelligkeit gefällt mir sehr gut. Die erste Reihe vor uns fand das nicht so gut, wir schon.“

Der begeisterte Applaus erfreute nicht nur die drei Jazz-Musiker, sondern bestätigte auch den positiven Eindruck dieser Besuchergruppe aus Oelde und Münster.

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