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Philipp Beckhove setzt in der Landwirtschaft mit mehreren Maßnahmen auf Nachhaltigkeit

Kleine Oasen am Gewässer

Ottmarsbocholt

Wo Fuchs und Hase sich Gute Nacht sagen, herrscht unendliche Ruhe. Orte, an dem Hasen, Fasane und Rehe entspannt die Sonne genießen, sind kleine Oasen wie beispielsweise Gewässerrandstreifen an Bachufern. „Wenn wir die Gräser geschnitten und gemulcht haben, kommt das Niederwild aus den Büschen und genießt diese ruhigen Plätze“, sagt Philipp Beckhove.

Von Ulla Wolanewitz

Philipp Beckhove nimmt etwas von den Blühstreifen in die Hand, die Wald und Acker umrahmen und zudem vielen Insekten einen nachhaltigen Lebensraum bieten. Foto: Foto: ul

Der diplomierte Landwirt übernahm 1996 den Hof seiner Eltern und baute ihn gemeinsam mit seiner Frau – in der neunten Generation – weiter aus. So wie er selbst in jungen Jahren seinen Vater auf Streifzügen durch Wald und Flur begleitete, gesellt sich mittlerweile heute auf den abendlichen Exkursionen seine älteste Tochter zu ihm.

Seit mindestens 20 Jahren, so schätzt er, gibt es den Gewässerrandstreifen am Beverbach, der in Lüdinghausen in die Stever und danach in den Halterner Stausee fließt. „Kooperation statt Konfrontation“ hieß 1989 das Motto, das die Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Wasserwirtschaft in NRW begleitete, mit dem Ziel, die Trinkwasserversorgung – unter Berücksichtigung der landwirtschaftlichen Existenzfähigkeit – zu sichern. Mindestens fünf Meter breit muss der Gewässerrandstreifen sein, der für ausreichend Distanz zwischen landwirtschaftlicher Nutzfläche und dem angrenzenden Gewässer sorgt. Die Fläche mit verschiedenartigen Gräsern, Goldhafer, Schafgarbe, Fenchel und Klee im Uferrandstreifen fungiert wie ein Kamm und hält die Nährstoffe wie Phosphor und Stickstoff zurück.

Blühstreifen an Acker- und Waldrand bieten wiederum Bestäubern und Insekten ein umfangreiches Blütenangebot von 12 bis 30 Krautarten, unter anderem auch für Nützlinge, die ihren Beitrag zur biologischen Schädlingsbekämpfung leisten. In seinem Betrieb gibt es etwa sieben Hektar Gewässerrand- und Blühstreifen, was ungefähr fünf Prozent der Gesamtfläche ausmacht. „Die Flächen werden von den Behörden über Satellitenbilder kontrolliert und bei falschem Vorgehen gibt es drei Prozent Abzug bei der Prämie auf alle Flächen“, macht der Landwirt deutlich.

„Kunstdünger verwenden wir fast gar nicht mehr, weil wir überwiegend die eigene Gülle nutzen. Das ist effizient und ein schöner Kreislauf“, erklärt der Landwirt, dessen Unternehmen Ackerbau, Schweine- und Hähnchenmast betreibt und Biogas produziert. Rückblickend ist der Beratungsanteil durch die Landwirtschaftskammer und andere Institutionen mit den Aufgaben der Landwirtschaft gestiegen. „Das ist auch gut so. Auch wenn man sich selber aktiv informiert und Fachzeitschriften liest, erfordern doch viele Bereiche ein unglaubliches Detailwissen. Deshalb ist es gut, dass man auf die Unterstützung von Spezialisten zählen kann“, betont der 49-Jährige, der seinem Beruf mit viel Leidenschaft nachgeht, obwohl „er einen immer wieder mit neuen Herausforderungen konfrontiert, die bewältigt werden wollen.“

Philipp Beckhove hat sich auch der „Initiative Tierwohl“ angeschlossen, in der sich die Partner aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft, Lebensmittelhandel und Gastronomie zu ihrer gemeinsamen Verantwortung für die Tierhaltung, -gesundheit und -schutz in der Nutztierhaltung bekennen. „Unsere Kinder beobachten diese Themen auch sehr genau und wir diskutieren sehr intensiv darüber“, erklärt der Vater von drei Kindern. Ob eines davon seine Nachfolge antreten, ist noch offen. „Das bleibt deren freie Entscheidung. Würde uns aber natürlich sehr freuen“, sagt Philipp Beckhove.

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