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Turnhalle Pictorius Berufskolleg wird zurückgebaut – nach den Ferien wieder Schul- und Vereinssport möglich

Kreis betreut 2160 Ukrainer

Kreis Coesfeld

Jasmin Strompen, Einsatzleiterin beim Technischen Hilfswerk (THW) Coesfeld, weist auf den hinteren Bereich der Turnhalle des Pictorius Berufskollegs. „Die Matten müssen dahinten hin“, sagt sie. Fünf THWler schieben den schweren Wagen mit den Teppich-Quadraten, mit denen der Boden ausgelegt war. Der Rückbau der Turnhalle liegt in den letzten Zügen. Betten, Tische und Teppiche, alles ist so gut wie raus. In den letzten Monaten stand die Halle in Coesfeld für Flüchtlinge aus der Ukraine zur Verfügung – für alle Fälle, sollte die Einrichtung in Lüdinghausen-Seppenrade im ehemaligen Kloster nicht ausreichen. Die Turnhalle wurde aber nie benötigt. „Darüber sind wir natürlich froh“, sagt Kreis-Sozialdezernent Detlef Schütt. Zumeist gelinge es, dass die Städte und Gemeinden Unterkünfte für die Ukrainer in ihren Orten finden.

Von Viola ter Horst

THW-Mitarbeiter bauen die Betten ab, die in der Turnhalle des Pictorius Berufskollegs für Flüchtlinge bereit gestellt waren. Die Turnhalle wird für Flüchtlinge vorerst nicht mehr benötigt. Foto: Foto: Jasmin Strompen/THW

20 THW-Leute bauten die Betten und weitere Möbel ab. In vier Lkws von den THWs aus Coesfeld, Dülmen und Havixbeck gingen die Möbel nach Dülmen, wo sie eingelagert werden. „Zum Schulbeginn kann die Halle wieder zum Sport genutzt werden“, sagt Johannes Eichholz vom Katastrophenschutz des Kreises Coesfeld. So hatte es auch der Kreistag beschlossen.

Vereine, Schul- und andere Gruppen mussten in der Vergangenheit öfter auf die Halle verzichten. Sie diente in der Corona-Pandemie zunächst als mögliches Not-Krankenhaus – das aber ebenso wie die Flüchtlingsunterkunft nicht benötigt wurde – und später für die Impfungen. 2015 stellte der Kreis die Halle schon einmal als Unterkunft für bis zu 150 Flüchtlinge zur Verfügung – damals nicht umsonst. „Jedes Mal war das THW ehrenamtlich dabei, um die Halle umzubauen“, so Eichholz. „Ohne das Engagement hätten wir das so nicht hinbekommen“, lobt er.

Seit dem 1. Juni ist es für Flüchtlinge aus der Ukraine möglich, Hartz IV zu beziehen. Zuvor gab es Hilfen über das Asylbewerberleistungsgesetz und damit deutlich weniger Unterstützung. Mit der Änderung ist aber auch innerhalb der Behörden die Zuständigkeit eine andere. Seit Juni sind die Jobcenter des Kreises Ansprechpartner, vorher war es die Ausländerbehörde.

Aktuell werden im Kreis Coesfeld rund 2160 geflüchtete Personen aus der Ukraine in den verschiedenen Rechtskreisen betreut; davon beziehen bereits etwa 1200 Menschen Leistungen nach SGB II (Hartz IV). Weitere 120 Personen erhalten Hilfe zum Lebensunterhalt oder Grundsicherung nach dem SGB XII. Zurzeit werden noch rund 840 Menschen aus der Ukraine über das Asylbewerberleistungsrecht in den Städten und Gemeinden versorgt, die aber Anspruch auf Hartz IV haben. Ein Grund dafür, dass Menschen noch nicht wechseln konnten, liege darin, dass beispielsweise noch Nachweise für die aufenthaltsrechtlichen Voraussetzungen fehlen, so Schütt.

Den Flüchtlichen werden Sprachkurse angeboten, als Voraussetzung, hier Fuß zu fassen. Die erste Priorität der Jobcenter vor Ort sei aber zunächst, den betroffenen Menschen eine nahtlose Leistungsgewährung sicherzustellen, so Schütt.

Im Juni betreuten die Jobcenter im Kreis Coesfeld inklusive der bis dahin übernommenen Ukrainer insgesamt rund 8500 Menschen in etwa 4160 Bedarfsgemeinschaften im Bereich SGB II.

Gerade die Bedarfsgemeinschaften der ukrainischen Flüchtlinge bestehen häufig aus Frauen mit minderjährigen Kindern.

0 Nach der Sommerpause soll das Thema politisch als ein Schwerpunkt im zuständigen Fachausschuss des Kreistags aufgegriffen werden.

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