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Ludger Pieper und Jörg Berendes betreuen das Kirchenarchiv von St. Felizitas in Lüdinghausen

Ordnung in den Laden bringen

Lüdinghausen

Sie wollen „Ordnung in den Laden bringen“, sagen Ludger Pieper und Jörg Berendes mit einem Schmunzeln. Die beiden Senioren betreuen das Kirchenarchiv der katholischen Kirchengemeinde St. Felizitas seit 2007 ehrenamtlich. Vor einem Jahr sind sie aus dem Keller des Pfarrhauses ins Dachgeschoss des Pfarrheims umgezogen.

Peter Werth

Das Kirchenarchiv St. Felizitas betreuen Ludger Pieper (l.) und Jörg Berendes ehrenamtlich. Foto: Peter Werth

Den Termin haben sie fest in ihrem Kalender eingeplant – seit 2007. Immer donnerstags treffen sich Ludger Pieper und Jörg Berendes, seit einem Jahr im Dachgeschoss des renovierten Pfarrheims, vorher im Keller des Pfarrhauses. Sie betreuen das Archiv der Kirchengemeinde St. Felizitas, sind Herren über meterlange Regalreihen mit diversen Aktenordnern, in denen sich Urkunden, Schriftstücke, aber auch Zeitungsausschnitte und Fotografien befinden. Hinzu kommen alte Kirchenbücher, in denen Daten von Taufen, Eheschließungen und Sterberegister aufgelistet sind.

„Das älteste Taufregister datiert aus dem Jahr 1643“, erzählt Pieper. Aus dem selben Jahr stammt ein Eintrag über eine Eheschließung. Auf insgesamt 1198 Akten, Fotos und andere Dokumente ist der Bestand in den vergangenen Jahren angewachsen. „Jede Kirchengemeinde ist gesetzlich dazu verpflichtet, ein Archiv zu führen“, sagt Berendes. Ihren Antrieb, diese Aufgabe zu übernehmen, beschreiben die beiden Pensionäre so: „Wir wollten Ordnung in den Laden bringen.“ Dabei können sie sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Lüdinghauser Kirchengemeinde betreut ihr Archiv selbst

Im Gegensatz zu anderen katholischen Kirchengemeinden habe man in St. Felizitas die Entscheidung getroffen, die Aufgabe der Archivierung selbst zu übernehmen. Wichtig sei dabei auch die Frage, was ins Archiv gehört und welches Schriftstück nicht aufgehoben werden muss. „Für viele Dokumente besteht die Verpflichtung, sie über einen längeren Zeitraum zu bewahren“, sagt Pieper. Der 81-Jährige hat langjährige Erfahrung in Sachen Archivarbeit beim Kreis Coesfeld. Und: „Ich war viele Jahre im Kirchenvorstand von St. Felizitas.“ Da liege ihm die Geschichte der Kirchengemeinde am Herzen. Berendes vornehmliche Motivation ist auch das Interesse an der Historie. Der 79-Jährige beschäftigt sich schon viele Jahrzehnte auch mit der Geschichte der Stadt Lüdinghausen, sammelt Zeitungsartikel, alte Fotografien und vieles mehr.

Die Archivarbeit erfordert Fingerspitzengefühl. So werden bei Schriftstücken fein säuberlich alle metallischen Klammern und Folien entfernt, bevor sie archiviert werden. Denn die, weiß Berendes, können, über die Jahrzehnte betrachtet, das Schriftstück unwiederbringlich schädigen.

1198 Akten, Fotos und andere Dokumente im Archiv

Ihr Aufgabenspektrum habe sich mit der Zeit immer weiter ausgedehnt, erzählt Pieper. So wenden sich vermehrt auch kirchliche Gruppen an die beiden Archivare mit der Bitte, ihre papiernen Bestände zu sichten und schließlich zu bewahren. Dazu zählen neben den Pfadfindern, dem Indienkreis auch die Kolpingsfamilie und die KAB im Rosendorf. Von dort erhalten die Lüdinghauser Unterstützung durch Ewald und Christa Huesmann von der Archivgruppe des Heimatvereins Seppenrade, freuen sich Pieper und Berendes. Denn mittlerweile kümmern sie sich auch um die Akten von St. Dionysius.

Neben den vielen statistischen Dokumenten sammeln die beiden Ehrenamtlichen auch großformatige Gesangbücher, die schon das eine oder andere Jahrhundert alt sind. Hinzu kommen außerdem Baupläne etwa von Kirchenrenovierungen und Umgestaltungen. Abgerundet wird die Arbeit durch die Inventarisierung des kultischen Bestandes von St. Felizitas. Dazu gehören unter anderem Messgewänder. Fachkundig werden Pieper und Berendes bei ihrer vielfältigen Tätigkeit auch von Michael Kertelge unterstützt. „Der Pastoralreferent ist auch kenntnisreicher Historiker“, sagt Pieper.

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