Eine Bahngeschichte aus Lüdinghausen

Warten auf Godot dauert nicht so lange

Lüdinghausen

Digitalisierung und Informationspolitik bei der Bahn – da ist noch Luft nach oben. Diese Erfahrungen hat am Mittwoch eine junge Lüdinghauserin gemacht.

Markus Kleymann

Warten diesmal nicht auf Godot, sondern auf die Bahn – da ist Geduld gefragt. Foto: Markus Kleymann

Umweltfreundlich unterwegs zu sein, ist in den derzeitigen Corona-Zeiten nicht gerade einfach. Dass das eigene Benzin- oder Dieselauto hier ausscheidet, versteht sich von selbst. Sonst bleibt für kürzere Strecken natürlich in erster Linie das Fahrrad. Doch angesichts des eher dürftigen Wetters in den vergangenen Wochen, macht das auch so recht keinen Spaß. Bleiben noch Bus und Bahn. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind derzeit häufig leer – viele fürchten eine Ansteckungsgefahr und für eine längere Reise mit vorgeschriebener FFP2-Maske auf Nase und Mund mag man auch keine Vergnügungssteuer zahlen.

Dennoch gibt es unentwegte Bahn-Nutzer: Am Mittwochmorgen wollte sich um 9.30 Uhr eine Studentin aus Lüdinghausen mit der Bahn wieder auf den Weg machen zum Studienort Mannheim, dazu ein Paar mit dem Rad Richtung Mainz – jeweils mit Umstieg in Dortmund. Und jetzt beginnt das Lehrstück in Sachen Digitalisierung und Informationspolitik der Bahn.

In der Bahn-App wurde der Zug nach Dortmund um 9.30 Uhr mit drei Minuten Verspätung angezeigt. Kein Problem also für die Weiterfahrt. An der Anzeige auf dem Bahnsteig waren es schon zehn Minuten. Das wurde auch durch die Durchsage über Lautsprecher bestätigt – mit dem Hinweis auf einen Notarzteinsatz auf der Strecke am Morgen.

Der Gegenzug aus Dortmund wartete derweil schon am Bahnhof – denn weiterfahren kann er wegen der eingleisigen Strecke ja erst, wenn der Zug gen Dortmund eingefahren ist. Doch der kam auch nach zehn Minuten nicht. Keine Durchsage, kein Hinweis auf der Anzeigetafel zur voraussichtlichen Verspätung. Auf Nachfrage beim Zugführer des bereits wartenden Zuges, zuckte dieser nur die Schultern. „Vielleicht fünf Minuten, vielleicht zehn Minuten, ich weiß es auch nicht“, lautete seine Auskunft.

Derweil kommt der Fahrer des Schienenersatzverkehrs auf den Bahnsteig – denn morgens musste er wegen der Störung mit seinem Bus die Fahrgäste zwischen Lüdinghausen und Dülmen befördern. Ob er denn noch weiterfahren müsse, wollte der wissen. Denn eine Nachricht von der Bahn habe er nicht bekommen. Vom Zugführer erhielt er dann die Auskunft, dass er jetzt mit dem Bus nach Hause fahren könne, denn seines Wissens nach würden die Züge jetzt wieder fahren. Dieser kam tatsächlich – mit einer halben Stunde Verspätung eingefahren. Die Anschlüsse nach Mainz und Mannheim waren derweil verpasst.

Welche Erkenntnis bleibt? Angesichts der Diskussionen um Digitalisierung sollte vielleicht die Bahn ihre Informationspolitik gerade jetzt verbessern, wenn eher wenige Nutzer unterwegs sind, damit wenigstens die Verkehrswende – gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels – Fahrt aufnimmt.

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