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Echtnetz-Box soll Daten als Gesprächsgrundlage bieten

Müllabfuhr spürt Mobilfunklöcher auf

Kreis Coesfeld

(vth). Sie sieht aus wie eine Bonbonschachtel und muss am Zigarettenanzünder angeschlossen werden. Die so genannte Echtnetz-Box, die jetzt in den Abfallsammelfahrzeugen der Firma Remondis mitfährt. Die Müllabfuhr sammelt nämlich seit Jahresbeginn nicht nur Abfall ein, sondern spürt nebenbei auch Mobilfunklöcher auf. Die Box misst unterwegs den Mobilfunkempfang von Telekom, Vodafone und Telefónica – „und wir können damit feststellen, wo es einen Ausbaubedarf gibt“, sagt Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr. Trotz der an sich sehr guten Mobilfunkversorgung im Kreisgebiet gebe es Funklöcher, insbesondere bei der LTE- und 4G-Versorgung. „Mit Hilfe der Messungen erfahren wir, wo genau die Funklöcher sind.“

Die Echtnetz-Box sieht aus wie eine Bonbon-Schachtel und fährt bei der Müllabfuhr mit: Frédéric Dildei (STF ITech GmbH), Peter Brunsbach (Remondis), Sebastian Schulze Baek (wfc), Markus Gerding (Remondis), Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr, Dr. Jürgen Grüner (wfc) und Julia Hadrossek (Remondis) informieren über die neue Zusammenarbeit bei der Messung des 4G/LTE-Empfangs. Foto: Fotos: wfc

Die Daten stehen dann dem Kreis Coesfeld und seiner wfc Wirtschaftsförderung GmbH zur Verfügung und dienen als Grundlage für die Gespräche mit den Mobilfunkanbietern.

„Die tatsächliche Mobilfunk-Versorgung ist häufig nicht so gut, wie es die Netzbetreiber angeben“, erklärt Dr. Jürgen Grüner, Geschäftsführer der wfc.

Funklöcher kann zwar jeder selber mit seinem Mobiltelefon feststellen. Es existieren sogar Apps dafür. „Für die Mobilfunkbetreiber reicht so etwas aber nicht“, sagt Sebastian Schulze Baek, Gigabitkoordinator des Kreises Coesfeld. Aufwändige und teure Messfahrten mit speziell ausgestatteten Fahrzeugen, die als Alternative in Frage kämen, seien aber keine Option gewesen. Die Lösung bot dann die Echtnetz-Box, die das Dülmener Unternehmen STF ITech GmbH entwickelte. „Sie liefert zuverlässig alle Daten, um Funklöcher nachzuweisen“, sagt Frédéric Dildei von der STF ITech GmbH. Auch umfangreich, weil ein Jahr lang gemessen werde. „Das schließt aus, dass ein Empfang zum Beispiel nur deshalb nicht gut war, weil das Wetter schlecht war“, erläutert Dildei. Das System sei dabei einfach zu bedienen, es müsse nichts weiter getan werden, als es an den Zigarettenanzünder anzuschließen – „dann legt es schon los mit dem Messen“.

Der Kreis verweist auch auf den ökologischen Aspekt. „Die Müllabfuhr ist ja sowieso flächendeckend im Kreis Coesfeld unterwegs“, sagt Schulze Baek. Das Gerät müsse nur an Bord sein. Die Kosten beliefen sich auf rund 5000 Euro.

Erfasst werden die Funklöcher über ein Jahr, zunächst im nördlichen, dann im südlichen Kreis Coesfeld.

Die ersten Daten bestätigen bereits bekannte Funklöcher. Dazu gehören etwa Bereiche an der B525 zwischen Nottuln und Coesfeld sowie in den Baumbergen beim Kloster Gerleve, in Richtung Rosendahl bei Varlar und rund um Havixbeck. Im Kreistag kam das Thema Mobilfunklöcher mehrfach auf dem Tisch. Zwar zählt der Kreis Coesfeld in NRW sogar zu den Spitzenreitern bei der Versorgung mit gigabitfähigen Netzen. „Löcher im Mobilfunknetz tun sich aber insbesondere in ländlichen Bereichen auf, wo eine eher geringe Besiedlung ist“, sagt Schulze Baek. Dort sollen zusammen mit den Mobilfunkanbietern Lösungen entwickelt werden. Und so kamen die Box des Dülmener Unternehmens und die Müllabfuhr ins Spiel. Für Remondis war es laut wfc eine Selbstverständlichkeit, die Boxen mitzunehmen. „Wir freuen uns, dass wir einfach und unkompliziert dazu beitragen können, den Mobilfunkempfang im Kreis zu verbessern“, sagt Julia Hadrossek, Geschäftsführerin von Remondis Coesfeld.

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