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Corona-Zahlen gehen weiter durch die Decke: Gesundheitsamtschefin Alexandra Winkler zu den Gründen

„Noch nicht das Ende der Fahnenstange“

Kreis Coesfeld

Die Corona-Zahlen rasen weiter nach oben. Die Sieben-Tage-Inzidenz, also die bestätigten Fälle pro 100 000 Einwohner, liegt am Dienstag bei 354,8. Am Montag war sie noch bei 310,4. Am Mittwoch vor einer Woche befand sich der Wert bei 184 – fast eine Verdoppelung in sieben Tagen. Was ist los im Kreis Coesfeld, dem Vorzeigekind in NRW – immer wieder mit niedrigsten Inzidenzen im ganzen Land? Davon ist er augenblicklich weit entfernt. „Und das Ende der Fahnenstange ist wohl auch noch nicht erreicht“, glaubt Alexandra Winkler, Leiterin des Kreisgesundheitsamts. Allein schon, weil sich die trubelige Weihnachts- und Silvesterzeit noch weiter in den Zahlen widerspiegele. „Besonders betroffen von Corona-Ansteckungen sind im Moment jüngere Leute im Alter zwischen 15 und 30 Jahren“, sagt Winkler. „Die Inzidenz in dieser Altersgruppe liegt deutlich über 500.“ Eine Altersgruppe, die vermutlich verstärkt über die Feiertage unterwegs gewesen sei.

Von Viola ter Horst

„Wir reagieren nach wie vor so schnell wir können, aber wir sind am Limit“: Alexandra Winkler, Leiterin des Kreisgesundheitsamts, vor dem Gesundheitsamt in Coesfeld. Foto: Foto: Viola ter Horst

Ein Grund, aber nicht der einzige, warum die Zahlen so durch die Decke gehen, analysiert die Gesundheitsamts-Chefin. „Die Zahlen steigen rundherum überall, da ist der Kreis Coesfeld keine Ausnahme“, sagt sie. Das untermauere, dass die wesentlich ansteckendere Omikron-Variante endgültig im Kreis Coesfeld angekommen sei.

Auch die Labor-Ergebnisse der Christophorus Kliniken bestätigen dies. Seit Dezember gewinnt Omikron ruckzuck die Oberhand, wie die Zahlen von Chefarzt Lutz von Müller, Leiter des Labors in Coesfeld, zeigen. Waren es bis Mitte Dezember noch einige wenige Omikron-Fälle unter den positiven PCR-Tests, so schnellten sie die Woche darauf auf 14 und dann die Folgewoche schon auf 75 hoch. Wobei die tatsächlichen Zahlen höher sein dürften, weil das Labor nicht alle positiven Tests auf Varianten auswertet.

Einen besonderen Schwerpunkt im Kreis Coesfeld gibt es bei den Fällen nicht. Sie sind nicht auf spezielle Ausbrüche in Kitas, Schulen oder anderen Einrichtungen zurückzuführen.

Winkler ist der Meinung, dass Bund und Länder die Maßnahmen schon eher verschärfen hätten müssen. „Das betrifft zum Beispiel die Kontaktregelungen, die über Weihnachten und Neujahr galten“, sagt sie. Die Beschränkung auf zehn Personen sei zu lasch gewesen, um Ansteckungen zu verhindern. Schärfere und andere Regeln hätten die hohen Zahlen vielleicht aufhalten können.

Bei der Kontaktnachverfolgung kommt das Gesundheitsamt laut Winkler gerade noch hinterher. „Wir reagieren so schnell wir können, aber wir sind wirklich am Limit.“ Auch, was die Räume betrifft, die für das Gesundheitsamt zur Verfügung stehen. Eine Lösung werde gerade gesucht. „Unser Ziel ist weiterhin, dass wir nach einem positiven PCR-Test am gleichen Tag die Kontaktpersonen ermitteln.“ Wenn die Zahlen weiter steigen, sei dies unter den jetzigen Voraussetzungen aber kaum noch möglich. Und das wäre wie ein Teufelskreislauf. Denn umso länger das Gesundheitsamt benötigt, Kontakte herauszufischen, umso größer sind Ansteckungsgefahren.

Und die anstehenden Änderungen bei den Corona-Regeln bedeuten für das Gesundheitsamt noch mehr Arbeit. „Für die Bürger gibt es leichte Vereinfachungen, wenn die Quarantäne-Zeit verkürzt wird. Für uns heißt das, dass wir öfter Personen kontaktieren müssen“, erläutert Winkler.

Auch in den Krankenhäusern steigen die Zahlen mit Corona-Patienten. „Von schweren Verläufen sind aber nach wie vor in der Regel Ungeimpfte betroffen“, betont Winkler. „Die Impfung schützt gut, das sieht man auch daran, dass wir viel mehr schwere Fälle hatten, als es noch keine Impfung gab.“ Omikron sei viel ansteckender, aber trotzdem für vollständig Geimpfte bzw. Geboosterte nach jetzigem Kenntnisstand nicht so gefährlich.

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