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Holz: Preisexplosion und Materialknappheit

„Das ist eine Katastrophe“

Nottuln

Das Holz wird knapp, die Preise schießen in die Höhe. Auch für Nottulner Unternehmen ist diese globale Entwicklung verheerend.

Marita Strothe

Noch liegt auf dem Hof des Unternehmens von Markus Roßmöller ausreichend Bauholz. Allerdings muss es aktuell zum dreifachen Preis nachgekauft werden. Foto: Marita Strothe

„Wir werden eine Pleitewelle ohne Ende bekommen“, befürchtet Markus Roßmöller, Geschäftsführer der Nottulner Zimmerei Roßmöller & Steinhoff. Denn: Der Markt für Bauholz ist in Deutschland leer gefegt. Unternehmen finden kaum noch Ware. Und die Preise schießen ungebremst in die Höhe. Dasselbe gilt für alle Holzwerkstoffe, wie etwa Dämmplatten für die energetische Sanierung und Verkleidungsplatten.

„Eine Katastrophe“, bestätigt Zimmerer Michael Glose. „Auch wenn Sie bereit sind, die gestiegenen Preise zu bezahlen, bekommen Sie kein Holz. Die Lager sind leer. Chinesen und Amerikaner zahlen das Dreifache.“ Und dann geht das Holz eben dorthin. Auch der Markt für Zusatzstoffe habe sich dem Holzmarkt angepasst, bekommt Glose ebenfalls zu spüren.

„Acht Wochen Lieferzeit und keine Auftragsbestätigung“

Da hilft ihm das eigene Sägewerk auf dem Baumberg auch nicht. „Acht Wochen Lieferzeit und keine Auftragsbestätigungen“, ist der Holzbaufachmann über Lieferanten frustriert. Es müsse deutlich länger geplant werden, bedauert er und hat deshalb bereits Aufträge absagen müssen.

„Man kann die Preise ganz schwierig weitergeben“, so Markus Roßmöller. Er befürchtet, dass sich durch den enormen Preisanstieg in Kürze deutlich weniger Bauwillige ihr Bauvorhaben leisten können. Arbeitslosigkeit im Bauhandwerk sei die Folge. „Die Regierung muss einschreiten!“, appelliert er.

Roßmöller weist auf die Warnung der Arbeitsgemeinschaft Rohholz (AGR) hin, dass sich die angespannte Situation durch zur Unzeit eingesetzte staatliche Maßnahmen noch weiter verschärfen könnte. Gemeint ist eine vom Bundesrat im März beschlossene Verordnung. Durch diese wird rückwirkend seit dem 1. Oktober 2020 der Fichteneinschlag im Forstwirtschaftsjahr 2021 auf 85 Prozent des Durchschnitts der Jahre 2013 bis 2017 begrenzt. Das politische Instrument, eigentlich gedacht zur Beruhigung des Marktes und zur Stabilisierung der Preise nach dem sehr hohen Anfall von Schadholz in den vergangenen Jahren, wird nach Einschätzung der AGR wahrscheinlich in der zweiten Jahreshälfte wirksam. Dann werden viele Forstbetriebe ihre Quote ausgeschöpft haben. Gleichzeitig zur hohen Marktnachfrage käme es dann zu einer künstlichen Verknappung des Rohstoffangebots und die dramatische Lage auf dem Holzproduktmarkt würde weiter verschärft.

In Bremerhaven stapelt sich einheimisches Holz zum Verschicken ins Ausland. Foto: Sammlung Roßmüller

„Aktuell geben die Lieferanten an die Besteller nur Kontingente weiter“, berichtet Roßmöller, „maximal 80 Prozent der vor einem Jahr gekauften Menge.“ Als negatives Beispiel vom Holzwerkstoffmarkt nennt er, dass sein Unternehmen im Fe­bruar zwölf Paletten OSB-Platten für ein größeres Objekt in Münster bestellt habe. Zwei Paletten seien geliefert worden und ein Storno für den Rest zugestellt worden. Kurz darauf ging vom Lieferanten dann eine neue Auftragsbestätigung mit deutlich höheren Preisen ein.

„Außergewöhnliche erhebliche Preiserhöhungen“, muss auch Ludger Thiele, bei der Hagebau Frieling-Gruppe, die die Heimwerker mit Bauhölzern versorgt, hinnehmen. Die Lager seien rechtzeitig gefüllt worden, und langfristige Verträge mit den Lieferanten machten sich zurzeit noch bezahlt, so der Prokurist. Doch die Bauhölzer werden inzwischen nur noch auf Zuteilung an die einzelnen Standorte vergeben. Und die fast täglich steigenden Preise führten mittlerweile dazu, dass die Gewinnspanne des Unternehmens kleiner werde. Zum Teil sei es deshalb erforderlich geworden, die Preise für die Kunden anzuheben, bedauert er.

„Konventionalstrafen werden mitbezahlt“, hat Thiele erlebt, dass geschlossene Lieferverträge nicht eingehalten werden. „Die Kanadier erheben auf ihre Hölzer Zölle“, weiß er, sodass beispielsweise die Bedingungen auf dem europäischen Markt für US-amerikanische Käufer immer noch günstiger seien. Thiele mag die Entwicklung des Holzmarktes nicht einzuschätzen: „Ich weiß nicht, wo das hinführt.“

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