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Agravis AG plant in Nottuln neues Zentrallager

Investition von 50 Mio. Euro

Nottuln

Der Zeitplan ist ambitioniert: Bereits 2024 möchte die Agravis Raiffeisen AG ihr neues Zentrallager in Nottuln in Betrieb nehmen. Zwischen 130 und 180 Arbeitsplätze werden in Nottuln entstehen beziehungsweise zum Teil von bestehenden Standorten nach Nottuln verlagert.

Ludger Warnke

Stellten die Pläne in Nottuln vor (v.l.): Markus Menne, Leiter des Agravis-Bereichs Logistik, Nottulns Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes und Fachbereichsleiter Jonas Sonntag sowie Michael Grewe, Geschäftsführer der Raiffeisen Steverland eG, Werner Schulze Esking, Agravis-Baubeauftragter, und Jörg Sudhoff, Vorstandsmitglied Agravis Raiffeisen AG. Foto: Ludger Warnke

Die Agravis Raiffeisen AG (Umsatz 4,6 Mrd. Euro) hat den Standort Nottuln für sich entdeckt. Das Agrarhandelsunternehmen plant in Nottuln angrenzend an das Gewerbegebiet Beisenbusch den Bau eines neuen Logistikzen­trums mit 130 bis 180 Arbeitsplätzen und will dafür rund 50 Millionen Euro investieren. Die Gemeinde Nottuln begrüßt dieses Vorhaben, betonte Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes, als das Projekt am Freitagnachmittag bei der Raiffeisen Steverland vorgestellt wurde. Thönnes verwies auf die Verwurzelung des Unternehmens in der Region: „Agravis gehört zu uns und passt zu uns.“

Zentrallager Münster ist an seine Grenzen angelangt

Schon lange beschäftigt sich das Unternehmen mit der Frage, wie die Logistiksparte zukunftsfest aufgestellt werden kann. Denn das derzeitige Zentrallager am Standort Münster-Loddenheide (23 000 Quadratmeter) ist an seine Kapazitätsgrenzen angelangt und kann auch nicht erweitert werden, erläuterte Jörg Sudhoff, Ressortvorstand Logistik. Schon jetzt hat die Agravis daher zusätzlich drei Außenlager im Stadtgebiet von Münster angemietet.

Zukunftssichere Logistik am Standort Nottuln

Weil das Warenportfolio weiter wächst, die Kundenanforderungen bezüglich der Verfügbarkeit und schnellen Auslieferung von Waren steigen und ein neues Zentrum mit einem modernen Logistikkonzept die Möglichkeit eröffnet, in der Summe Transporte einzusparen, sah sich das Unternehmen nach Optionen um – und wurde in Nottuln fündig. Die ursprüngliche Idee einer Vergrößerung des Geländes der Raiffeisen Steverland in Richtung A 43 ließ sich aufgrund mangelnder Flächenverfügbarkeit nicht realisieren, schilderte Agravis-Baubeauftragter Werner Schulze Esking. Der frühere Vorsitzende der Steverland eG koordinierte in der Startphase die vielen Gespräche.

An dieser Stelle soll das neue Zentrallager entstehen. Foto: Jürgen Christ/Stepmap

90 000 Quadratmeter erworben

Fündig wurde man (von der B 525 aus gesehen) hinter dem Gewerbegebiet. Dort an einem Wirtschaftsweg hinter der letzten Gewerbezeile konnte sich das Unternehmen rund 90 000 Qua­dratmeter sichern, erläuterte Markus Menne, Bereichsleiter Logistik. Geplant ist der Bau eines Zentrallagers in den Maßen 400 mal 100 Meter. Das bis zu 15 Meter hohe Gebäude gliedert sich in vier Hallenabschnitte mit jeweils 10 000 Quadratmetern. Zudem besteht auf dem Gelände die Option, das Lager um weitere 10 000 Quadratmeter zu erweitern. Etwa rund 4000 Quadratmeter werden für ein Gefahrgutlager vorgehalten. Darunter sind Waren zu verstehen wie Desinfektions- und Reinigungsmittel, Pflanzenschutzmittel, Konservierungsstoffe oder auch Brennstoffe.

Gewerbeflächen für die Gemeinde Nottuln

Neben den Arbeitsplätzen und den zu erwartenden Gewerbesteuereinnahmen, weil die für das Logistikzen­trum neu gegründete Genossenschaft ihren Sitz in Nottuln haben wird, profitiert die Gemeinde noch in anderer Hinsicht. Agravis gibt von der Fläche einen 40 mal 400 Meter langen Streifen zum Selbstkostenpreis an die Gemeinde ab. Die Gemeinde kann diese neuen Gewerbeflächen in eigener Regie vermarkten. „Das treibt mit die wirtschaftliche Entwicklung unserer Gemeinde voran“, so der Bürgermeister.

Froh sind alle Projektbeteiligten, dass im Vorfeld mit der Bezirksregierung Münster und dem Kreis Coesfeld konstruktive Gespräche geführt werden konnten, die das Projekt genehmigungsfähig erscheinen lassen. Für die Ausweisung der neuen Gewerbeflächen ist eine Änderung des Regionalplans nicht erforderlich. „Die Bezirksregierung hat uns bestätigt, dass wir einen Nachholbedarf bei den Gewerbeflächen haben“, berichtete Dietmar Thönnes.

Bebauungsplanverfahren

Die Gemeinde wird nun die planungsrechtlichen Schritte einleiten, wie Fachbereichsleiter Jonas Sonntag erläuterte. Es geht um die Änderung des Flächennutzungsplanes und um die Aufstellung eines Bebauungsplanes. Der Ausschuss für Planen und Bauen wird sich bereits am 8. Juni damit befassen. Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens werden nicht nur Behörden und Öffentlichkeit beteiligt, es werden auch mehrere Gutachten eingeholt, unter anderem zum Artenschutz, zu Emissionen und zur verkehrlichen Situation. Nach Auskunft von Markus Menne wird das Logistikzentrum künftig von rund 130 Lkw pro Tag angesteuert werden.

Die Gemeinde Nottuln plant, das planungsrechtliche Verfahren 2022 mit einem Ratsbeschluss abzuschließen. Das eigentliche Genehmigungsverfahren für das Bauprojekt läuft über die Bezirksregierung. Agravis selbst peilt einen Baustart Ende 2022/Anfang 2023 an, um das neue Zentrallager im Jahr 2024 in Betrieb nehmen zu können.

Raiffeisen Steverland eG sieht Synergieeffekte

An dem neuen genossenschaftlichen Unternehmen, das für das Logistikzentrum gegründet wird, können sich weitere Genossenschaften aus der Region beteiligen. Die Raiffeisen Steverland als örtliche Genossenschaft begrüßt und unterstützt die Agravis-Pläne, da sich daraus viele Synergieeffekte generieren lassen. Steverland-Geschäftsführer Michael Grewe: „Wir sehen durch eine Zusammenarbeit die Chance, unsere Stückgut-Logistik zu optimieren, um so die Kundenbindung und Qualität der Auslieferung im Endkundengeschäft zu steigern.“

Trennung von der Fläche Loddenheide

Offen ist derzeit, was künftig auf der Fläche in Münster-Loddenheide geschehen wird. Vorstand Jörg Sudhoff erklärt auf WN-Nachfrage, die Agravis wolle sich von diesem Standort trennen.

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