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Blinde und Sehbehinderte fühlen sich im Verkehr durch Elektromobilität gefährdet

„Öfter einmal klingeln“

KREIS COESFELD

Die Elektromobilität hat auch im Kreis Coesfeld stark zugenommen. Eine Entwicklung, die Gabi Hens bei aller Sympathie für Elektrofahrzeuge als wichtigen Beitrag zum Umweltschutz und gegen Verkehrslärm mit Sorge betrachtet.

Von Norbert Klein

Appelliert zum „Tag des Sehens“ zu mehr Rücksichtnahme: Gabi Hens aus Rosendahl. Foto: Foto: Raimund Brosda

Die Rosendahlerin ist blind mit einem kleinen Sehrest – und fühlt sich unsicher. Sie ist auf ihr Gehör angewiesen, um gefahrlos eine Straße überqueren zu können. „Elektromobile aber sind leise – zu leise“, nennt sie das Problem beim Namen und appelliert zum „Tag des Sehens“ am 6. Juni an alle E-Autofahrer zu besonderer Rücksichtnahme – und bezieht E-Bike- und Pedelecfahrer gleich mit ein.

Die gute Nachricht: Auch der Gesetzgeber hat bereits die Gefahren erkannt, die von einem E-Auto ohne künstliche Geräusche für Kinder und Ältere, vor allem aber für blinde und sehbehinderte Menschen ausgehen. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben müssen daher ab Juli 2021 alle neu zugelassenen Elektroautos künstliche Geräusche erzeugen, damit Fußgänger und Radfahrer besser geschützt sind. Wie die Sounds von Elektroautos klingen müssen, ist aber nicht geregelt. Dementsprechend innovativ sind die Ideen der Hersteller. Mit dem Acoustic Vehicle Alerting System (AVAS) jedenfalls werden die flüsterleisen E-Autos in Zukunft lauter – und damit besser wahrnehmbar. Eine Nachricht, die der Vorstand des Blinden- und Sehbehindertenvereins Coesfeld-Ahaus im BSVW e.V. in seiner jüngsten Vorstandssitzung mit Freude zur Kenntnis nahm.

Allerdings: Zwar gibt es eine Empfehlung, das künstliche Geräusch bei bereits zugelassenen Elektroautos nachzurüsten, eine Pflicht besteht aber nicht. Und so bleibt Gabi Hens aktuell nur die Bitte an die Fahrer dieser E-Autos zu besonderer Rücksichtnahme.

Diese Bitte, so ergänzt der Vorstand des Blinden- und Sehbehindertenvereins Coesfeld-Ahaus, gelte aber auch für Fahrer und Fahrerinnen von E-Bikes und Pedelecs, die zur Zeit in großer Zahl „sehr leise und oft auch sehr schnell“ unterwegs sind und daher ebenfalls eine besondere Gefahr für Blinde und Sehbehinderte darstellen. Wunsch von Gabi Hens: „Öfter einmal klingeln“.

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