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Runder Tisch startet Petition für Kostenübernahme in Frauenhäusern

Ohne Geld keinen Schutz vor Gewalt

Kreis Coesfeld

Es ist ein unerträglicher Zustand: Einer Frau droht daheim täglich Gewalt durch ihren prügelnden Ehemann, doch das Frauenhaus muss sie wieder abweisen, „weil die Finanzierung nicht gesichert ist. Solche Fälle gibt es leider häufiger“, sagt Corinna Brandenburger von Frauen e.V. Besonders häufig betroffen sind Asylbewerberinnen mit Aufenthaltsbeschränkungen oder ohne geklärten Aufenthaltsstatus, aber auch Studentinnen und Auszubildende. Darum hat der Runde Tisch gegen Gewalt im Kreis Coesfeld nun eine Petition gestartet. Der Titel ist gleichsam die Forderung: „Stellen Sie den Zugang zu Frauenhäusern für alle Frauen und ihre Kinder im Kreis Coesfeld sicher!“

Von Florian Schütte

Ist das Portemonnaie leer und können die Tagessätze nicht entrichtet werden, müssen Frauenhäuser von Gewalt betroffene Frauen und Kinder in vielen Fällen abweisen. Eine Online-Petition des Runden Tisches gegen Gewalt fordert nun eine unbürokratische Lösung. Foto:

Adressaten dieser Forderung sind Kreistag und Kreisverwaltung. Sie sollen unbürokratisch und pragmatisch ein festes Notfall-Budget im Kreishaushalt beschließen und einrichten. Denn: „Frauen brauchen den sicheren Ort und es darf nicht am Geld scheitern“, so der Kommentar einer Unterzeichnerin der Online-Petition auf OpenPetition.

Lockdown, Ausgangsbeschränkungen, Quarantäne – die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben sich bereits 2020 in der Kriminalitätsstatistik deutlich niedergeschlagen. Die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung stiegen kreisweit von 176 in 2019 auf 236 (wir berichteten). Der Anstieg der Fälle, in denen Frauen und ihre Kinder Opfer von häuslicher Gewalt werden, setzt sich laut den Beratungsstellen auch 2021 fort.

„In der Zeit der Pandemie bezogen sich die Beratungsanfragen der Frauen und Mädchen zu einem großen Teil auf Themen wie häusliche und sexualisierte Gewalt“, berichtet Brandenburger. Die Pandemie habe wie durch ein Brennglas das Thema Gewalt gegen Frauen sichtbar gemacht und die häusliche Situation die Partnerschaftsgewalt erhöht, führt die Mitarbeiterin von Frauen e.V. weiter aus. Besonders schlimm: Die Möglichkeiten für gewaltbetroffene Frauen, sich im Lockdown Hilfe zu suchen, waren durch fehlende Sozialkontakte stark eingegrenzt. Auch Selbsthilfegruppen, ambulante und stationäre Therapieangebote konnten Ängste und Depressionen der Frauen nicht auffangen.

„Mit dem zweiten Lockdown hat sich das Problem verschärft“, sagt auch Johannes Duda. „Und dabei kommt längst nicht immer alles ans Licht“, weiß der Leiter der Außenstelle Coesfeld des Weißen Rings. Sein Rat: „Immer Anzeige erstatten!“ – auch wenn es sich um Familienangehörige handelt. „Da sollte man zum Schutz der Täter keine Rücksicht drauf nehmen“, mahnt Duda, der vom Weißen Ring erfahrene Opferanwälte zur Verfügung stellen kann.

Dass sich die Situation mit dem zweiten Lockdown im Vergleich zum Beginn des Jahres 2020 verschlimmert hat, sieht ebenso Beate Henke, Leiterin der Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) im Kreis Coesfeld. Auch im ersten Halbjahr 2021 gebe es mehr Fälle als sonst, in denen häusliche Gewalt zur Sprache komme. Doch vermutlich ist das Ende der Fahnenstange damit noch nicht erreicht. „Wir rechnen mit den Corona-Folgen, wenn die Krise abklingt und die Menschen wieder die Kraft finden, sich mit den Erfahrungen auseinanderzusetzen“, blickt Henke voraus.

Darum fordern die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Gewaltschutz für Frauen“ des Runden Tisches alle Bürgerinnen und Bürger auf, die Petition zu unterschreiben. Andere Kommunen und Kreise in NRW hätten bereits gezeigt, dass es Wege gibt, allen betroffenen Frauen, unabhängig von Aufenthaltsstatus und Einkommen Zugang zum Schutzraum Frauenhaus zu ermöglichen.  Die Petition kann unter diesem Link aufgerufen werden.

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