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Die Direktkandidaten von Die Linke, AfD, Freie Wähler und dieBasis – warum sie antreten, was sie wollen

Ohne Listenplatz in den Wahlkampf

Kreis cOESFELD

Acht Direktkandidaten buhlen im hiesigen Wahlkreis Coesfeld–Steinfurt II um die Erststimmen bei den Bundestagswahlen. Vier von ihnen stammen von Parteien oder Wählergemeinschaften mit relativ wenigen Mitgliedern im Kreis Coesfeld – und ohne Absicherung über einen Listenplatz. Welche Ziele haben die vier Direktkandidaten von Die Linke, AfD, Freie Wähler und dieBasis? was ist ihre Motivation, im Wahlkampf mitzumischen?

Von Viola ter Horst

Acht Kandidaten aus dem Kreis Coesfeld bewerben sich um die Erststimme für den Einzug in den Bundestag. Vier von ihnen stammen von Parteien oder Wählergemeinschaften mit relativ wenigen Mitgliedern im Kreis Coesfeld – und ohne Absicherung über einen Listenplatz. Foto: Foto: Deutscher Bundestag, Achim Melde/Archiv

Ein „alter Hase“ in der Politik ist Klaus Stegemann aus Dülmen von den Linken. Der 61-Jährige zählt zu den Urgesteinen im Kreis Coesfeld, die sich für Frieden und gegen soziale Ungerechtigkeiten einsetzen. 1981 startete mit seiner ersten Demo gegen Atomkraft in Brokdorf sein politisches Engagement. Frieden, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz sind Schwerpunktthemen von Stegemann, der in Dülmen für Die Linke im Rat vertreten ist. „Ich möchte etwas gegen die neoliberale Politik setzen, die sich seit dem Mauerfall auf Kosten der unteren Zweidrittel der Bevölkerung entwickelt“, sagt er. Empörung war es, warum er sich begann zu engagieren. Empörung ist es immer noch: Gegen ungerechte Verteilung, dagegen, dass Vermögende aus seiner Sicht zu wenig abgeben und Anderen in der Gesellschaft zu wenig bleibt. Seine große Sorge ist, dass der „unstillbare Hunger auf die endlichen Resourcen“ immer weiter zu Unfrieden führt. Der Ausstieg aus der Atom- und Kohleenergie ist für ihn ebenso eine zentrale Forderung wie die militärische Abrüstung.

Der einzige Kandidat aus dem Wahlkreis Coesfeld-Steinfurt II – zu dem alle Städte und Gemeinden aus dem Kreis Coesfeld sowie Altenberge, Laer und Nordwalde aus dem Kreis Steinfurt gehören –, der nicht aus dem Kreis Coesfeld kommt, ist Dr. Leonhard Martin. Er lebt in Emsdetten und tritt für die AfD als Direktkandidat an. Der 60-jährige Ingenieur ist seit 2018 politisch aktiv und Mitglied des Kreistags Steinfurt für die AfD. „Ich kandidiere, weil ich möchte, dass meine Partei die Zukunft Deutschlands weiter beeinflusst und mitgestaltet“, so Martin. Einsetzen will er sich für „Katastrophen- und Bevölkerungsschutz, für Umweltschutz anstatt Klimaschutz“ und für eine günstige und zuverlässige Stromversorgung. „Ich bin für traditionelle Stromquellen: Kernkraftwerke, Kohle- und Gaskraftwerke. Sie sollen weiter betrieben und neu gebaut werden“, lautet Martins Position. Er ist dagegen, dass weiterer Strom aus Windkraft- und Solaranlagen ins Stromnetz eingespeist wird. Statt dessen fordert der Russlanddeutsche eine verstärkte Forschung zur Kernenergie, Reaktor- und Kernkraftwerktechnik. Eine starke Familie besteht für ihn aus Vater, Mutter und Kindern.

„Für mich ist klar, dass ich nicht wirklich eine Chance auf einen Bundestagssitz habe“, sagt Stephan Heitbaum aus Ascheberg von den Freien Wählern. Seine Motivation, trotzdem anzutreten: „Ich will darauf aufmerksam machen, dass es uns gibt und ich möchte, dass die AfD so klein wie möglich bleibt“, erklärt er. Die Freien Wähler sieht er als eine echte Alternative. „Wir arbeiten ohne Parteizwang und sind offen für gute Vorschläge – außer die von der AfD.“ Den Wahlkampf gestaltet Heitbaum entsprechend gelassen – „wir haben im Kreis Coesfeld kaum Mittel“, sagt er. Plakate mit ihm als Direktkandidaten sucht man denn auch vergeblich. Die Freien Wähler gründeten sich im Dezember 2019 in Ascheberg und schafften bei den Kommunalwahlen prompt den Einzug in den Rat mit zwei Leuten. Heitbaum ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Kürzlich wurde ein Kreisverband gegründet.

Neu auf der politischen Bühne ist auch Altenpfleger Heinz Eul aus Billerbeck, der für die Partei dieBasis antritt. Sie gründete sich 2020 m Umfeld der Querdenkerszene. Im April 2021 wurde der Kreisverband Coesfeld ins Leben gerufen. Der 56-jährige Eul sieht als Direktkanididat für dieBasis seinen Schwerpunkt in der Gesundheitspolitik. Das Gesundheitssystem brauche mehr Menschlichkeit, sagt Eul. Äußerst kritisch sieht er die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie und er ist ein Gegner davon, Kinder gegen Corona zu impfen. „Ich bin für die Beendigung aller (Zwangs-) Maßnahmen hinsichtlich der derzeitigen Corona-Politik“, sagt Eul. „Jeder Mensch soll frei entscheiden können, ob er und mit was er sich impfen lassen möchte.“ Mit seinen Positionen möchte er mit Menschen ins Gespräch kommen.

Erststimme, Liste

Jeder Wahlkreis hat eigene Direktkandidaten; im hiesigen Kreis Coesfeld – Steinfurt II sind es acht. Der Kandidat, der bei den Erststimmen die meisten Wählerstimmen erhält, zieht in den Bundestag. Das gelang bisher noch nie einem Kandidaten von den „Kleineren“. Aber ein guter Listenplatz kann trotzdem für ein Ticket nach Berlin sorgen. Ohne Listenplatz, wie bei den vier Kandidaten von Die Linke, AfD, Freie Wähler und dieBasis, entfällt auch diese Möglichkeit. Somit ist die realistische Chance auf einen Einzug in den Bundestag für sie relativ gering. vth

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