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Biogasanlage in Höven als Standort für neue regenerative Energie

Ökostrom zu Wasserstoff

Kreis Coesfeld. Strom aus Sonne und Windkraft in Wasserstoff umwandeln: Der Kreis Coesfeld will für den „grünen Wasserstoff“ die Biogasaufbereitungsanlage bei der ehemaligen Mülldeponie in Coesfeld erweitern. Die Nutzung von Teilen der Anlage ist möglich, so das Ergebnis der Machbarkeitsstudie, das der Kreis und Partner des ehrgeizigen Projekts gestern vorstellten. „Der Standort ist sogar nahezu ideal“, freute sich Stefan Bölte, Geschäftsführer der federführenden Kreis-Tochtergesellschaft GFC.

Viola ter Horst

Die Biogasaufbereitungsanlage des Kreises an der Deponie Coesfeld-Höven soll für die Umwandlung von Bio-Strom zu Wasserstoff genutzt werden. Foto: GFC

Ein Zukunftsthema, das konkret werden soll. „Ein Novum“, wie Heinz-Uwe Lewe, Referent des Wirtschaftsministeriums herausstellte. Denn anders als bei anderen solcher Power-to-Gas-Anlagen soll in Coesfeld ausschließlich regenerative, regional erzeugte Energie genutzt werden. Deswegen ist auch von „grünem Wasserstoff“ die Rede – Wasserstoff als zukunftsträchtige Energiequelle mit Hilfe von Wind- und Sonnenkraft im Kreis Coesfeld klimaneutral hergestellt.

Genutzt werden kann der Wasserstoff zum Beispiel für die Betankung von Bussen oder Lkw.

Mit 12 Millionen Euro rechnet die GFC an Kosten für den Ausbau der der Biogasanlage, wobei eine 50prozentige Förderung möglich ist.

Bereits jetzt ist die Anlage ein Vorzeigeprojekt: sie bereitet das Biogas aus dem Bioabfall auf, der im Kreis Coesfeld anfällt. Es wird in Erdgasqualittät in das Erdgasnetz der Thyssengas eingespeist. Dieses Netz kann auch für das Wasserstoffprojekt genutzt werden, so ein weiteres Ergebnis der Studie. „Eine gemeinsame Einspeisung ist möglich“, so Bölte.

Ausgebaut werden soll für die neue Anlage die Photovoltaikanlage auf der ehemaligen Deponie, die auch für den Eigenverbrauch am Standort eingesetzt werden soll.

Jürgen Neuß vom Büro Neuß, das bei dem Projekt als Partner mit dabei ist, sieht grünen Wasserstoff als einen entscheidenden Beitrag für die Klimaziele. Der regenerative Anteil am Strom sei zwar inzwischen „okay“. Aber der Anteil an erneuerbarer Energie am Bruttoendenergieverbrauch sei in den letzten acht Jahren gerade einmal von 12,5 auf 17,4 Prozent gestiegen, „Mehr haben wir leider nicht geschafft.“ Wasserstoff, der sich – anders als überschüssiger Strom – speichern lässt und in der Mobiliät zum Beispiel beim öffentlichen Personennahverkehr eine Rolle spielen könnte, sollte von daher zunehmend ein Bestandteil der Energiewende werden, meint er. In Verbindung mit der Photovoltaikanlage kann die Power-to-Gas-Anlage nach der Studie voraussichtlich sogar wirtschaftlich betrieben werden.

Bis 2024 soll die Anlage bei der Deponie im ersten Schritt ausgeweitet werden, so das ehrgeizige Ziel. In einer zweiten Ausbaustufe könnte der Wasserstoff methanisiert und als „grünes Gas“ eingespeist werden. „Dies ist jedoch heute noch nicht wirtschaftlich“, sagt Bölte.

Zusammen mit der Regionalverkehr Münsterland RVM soll über Wasserstoffmobilität nachgedacht werden. Auch in dem münsterlandweiteen Wasserstoff-Projekt ist der Kreis Coesfeld aktiv, bei dem geeignete Standorte in der Region begutachtet werden.

Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr verwies auf die Kreispolitik, die schon seit einigen Jahren das Projekt voranbringt, insbesondere über Klima-Ausschuss-Vorsitzenden Dr. Thomas Wenning. Auf Landesebene habe Landtagsabgeordneter Henning Höne Türen geöffnet.

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