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Trotz der neuen Mehrwegpflicht kein einheitliches System

Pfandbecher nicht überall Ladenhüter

Kreis Coesfeld

Knapp ein Jahr ist es her, dass die Wirtschaftsbetriebe Kreis Coesfeld (WBC) bekanntgaben, dass sie ein Pfandbecher-System im Kreis Coesfeld fördern. Es sollte der Startschuss für eine einheitliche Lösung für Mehrweg-Becher im Kreisgebiet werden. 100 Starterpakete der Firma Bäko mit je 100 Bechern finanzieren die WBC.

Von Falko Bastos

Bäckermeister Philipp Ahlers-Kemper ist hochzufrieden mit dem Pfandbecher-System. Der „Flickenteppich“ an verschiedenen Pfand-Lösungen ärgert ihn dagegen. Foto: Foto: sdi (Archiv)

Ein Jahr späte sollte eigentlich Schwung in die Sache gekommen sein, denn von einigen Ausnahmen abgesehen sind Bäckereien und Co. seit dem Jahreswechsel verpflichtet, ihren Kunden eine Mehrweg-Alternative zum Wegwerf-Kaffeebecher anzubieten. Umso mehr verwundert es, dass die vom Kreis geförderte Lösung bislang eher ein Ladenhüter ist. Ganze acht Betriebe im Kreis Coesfeld haben das für sie kostenfreie Starterpaket geordert.

„So ganz erklären kann ich mir das auch nicht“, sagt Kristin Holz von den Wirtschaftsbetrieben. Eine mögliche Erklärung sei es, dass die kleineren Betriebe unter die Ausnahmen fallen (bei unter 80 Quadratmetern Ladenfläche und maximal fünf Beschäftigten) und die größeren oft eigene Lösungen verfolgen würden. Für optimal hält Kristin Holz dies aus Verbrauchersicht aber nicht. „Es macht schon Sinn, wenn nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht.“ Der Vorteil eines einheitlichen Systems liege auf der Hand. Denn damit könnte der Becher gegen Pfand in der einen Bäckerei geliehen werden und in der nächsten zurückgegeben werden.

Für eine solche Lösung plädiert der „Billerbäcker“ Philipp Ahlers-Kemper schon lange – und stellt jetzt resigniert fest: „Wir haben hier einen extremen Flickenteppich.“ Auf das Bäko-System setzte er als Vorreiter schon vor der Förderung. Seiner Meinung nach habe der Kreis das Thema „zu stiefmütterlich“ behandelt. Viele in der Branche hätten sich erst zum Jahreswechsel mit dem Thema auseinandergesetzt. „Da hätte man zu den Betrieben fahren und direkt die Becher ausliefern müssen“, so der Bäckermeister aus Billerbeck.

Dazu passt, dass Bastian Mey, Obermeister der Bäckerei-Innung im Kreis Coesfeld, das WBC-Angebot zuvor gar nicht kannte. Für eine einheitliche Lösung sieht er wenig Chancen. Seine Erklärung: „Das Problem in unserer Branche ist, dass viele mehrere Filialen haben, auch über Kreisgrenzen hinweg. Manche Unternehmen seien mit ihrem Filialnetz in drei bis vier Landkreisen tätig. In Münster dagegen funktioniere das System. Dort hatte die Bäcker-Gilde schon vor fünf Jahren einen eigenen Pfand-Becher herausgegeben.

Ohnehin dürfte die Bereitschaft, sich einem einheitlichen System anzuschließen, bei kleineren Betrieben größer sein. Und dieses wird erst dann richtig attraktiv, wenn auch viele mitmachen – ein Henne-Ei-Problem. Für ein funktionierendes System seien mindestens 50 teilnehmende Betriebe nötig, hieß es vom Kreis, bevor die Förderung begann. Mit acht Teilnehmern reicht es nicht mal für einen in jedem Ort.

Schaden kann die Teilnahme den Betrieben aber auch nicht. „Das ist eine gute Möglichkeit, das System ohne Risiko zu testen“, sagt Kristin Holz. Der Vorteil ist, dass keine Riesen-Abnahmemengen oder monatliche Gebühren nötig sind.“ Becher und Info-Material würden frei Haus geliefert. „Das ist super-simpel.“

Simpel ist eigentlich auch das, was Bastian Mey sich wünscht. Lösungen, die eine App erfordern etwa, hält er für wenig praktikabel. Sein Becher-System ist erst vor wenigen Tagen angekommen. „Es hat aber auch keiner danach gefragt“, so der Innungs-Obermeister. Kunden haben das Recht auf eine Mehrweg-Alternative, müssen diese aber nicht nutzen. Gibt es keinen Nachlass, fehlt auch der Anreiz zum Verzicht auf den Einwegbecher. Beim „Billerbäcker“ gibt es 20 Cent Nachlass für die Mehrweg-Nutzung. „Das ist das, was ich für den Einweg-Becher einspare und das gebe ich gerne weiter“, sagt Ahlers-Kemper.

Vielleicht sei die Zielgruppe für Pfand-Becher gar nicht so groß, mutmaßt Bastian Mey. Denn während Stammkunden oft ihre eigenen Mehrwegbecher hätten, sei die Bereitschaft zum Pfandbecher bei Gelegenheits-Kunden naturgemäß gering.

Ahlers-Kemper hat da andere Erfahrungen gemacht. „Es hat lange gedauert, das zu etablieren, aber es lohnt sich“, so der „Billerbäcker“. Anfangs wäre er mit 20 Prozent Mehrwegnutzung zufrieden gewesen. „Jetzt nutzen 40 Prozent meiner Kunden den Pfandbecher.“ Dazu kämen rund 10 bis 15 Prozent mit eigenem Becher. Macht eine Mehrwegquote von über 50 Prozent. Inzwischen habe er längst nachbestellt, rund 300 Becher habe er in Umlauf gebracht. Sein einziges Erfolgsgeheimnis neben dem Preisnachlass: „Man muss mit den Leuten sprechen.“

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