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Altenhilfe-Trainees der Caritas im Gespräch mit Politikerin

Pflegekräfte arbeiten „am Anschlag“

Kreis Coesfeld

Mehr Geld allein wird das Personalproblem in der Pflege nicht lösen. Es hakt an vielen Stellen bei der Nachwuchsgewinnung – angefangen bei familienfreundlicheren Arbeitszeiten bis hin zu Digitalisierung und fehlenden Busverbindungen. Das wurde jetzt in einem Gespräch von Altenhilfe-Trainees der Caritas mit Josefine Paul deutlich.

Dass Pflegekräften viele Hindernisse aus dem Weg geräumt werden müssen, verdeutlichte das Gespräch zwischen vier Trainees des Caritas-Verbandes Münster und Politikerin Josefine Paul (rundes Bild). Mit anwesend waren auch Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann (links) und Doris Hinkelmann (rechts, Leiterin des Bereichs Pflege und Begleitung der Caritas in Coesfeld). Foto: Fotos: Harald Westbeld/Caritas Münster

Auch der Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag ist bewusst, dass die Pflege schon heute „am Anschlag“ arbeitet. Durch die Pandemie hat sich die Situation noch verschärft, berichteten die Teilnehmerinnen. Klar wurde in dem Austausch in der Tagespflege der Caritas in Coesfeld, dass die jetzt noch auf den Weg gebrachte Pflegereform nur ein Anfang sein kann. Insgesamt müssten die Rahmenbedingungen neben besserer Bezahlung angegangen werden. „Da gibt es viel Handlungsbedarf“, sagte Josefine Paul. Für die nächste Bundesregierung stelle sich die Aufgabe, die soziale Infrastruktur auszubauen und in der Folge die Frage der Finanzierung dafür.

Auch wenn Digitalisierung etwas Entlastung ermöglicht, lassen sich die Arbeitsbedingungen letztlich nur durch mehr Pflegekräfte verbessern, erklärte Anna-Lena Sumanovic, Trainee bei der Caritas in Coesfeld. Am Interesse würde die Nachwuchsgewinnung nicht scheitern, 20 bis 25 Prozent der jungen Erwachsenen könnten sich dieses Berufsfeld vorstellen, wusste Paul. Nur sei den wenigsten bewusst, welche Aufgabenfelder und Aufstiegsmöglichkeiten die Pflege biete.

Doris Hinkelmann, Leiterin der Abteilung Pflege und Begleitung der Caritas Coesfeld, benannte weitere Probleme, die in Zukunft verstärkt in den Fokus genommen werden müssten: Auszubildende auf dem Land ohne Führerschein oder Auto können nicht verschiedene Einrichtungen erreichen, wie es in der generalistischen Ausbildung verlangt wird. Es mangele zudem an Wohnraum am Ausbildungsort, Sprache sei bei Auszubildenden mit Migrationshintergrund ein weiteres Problem und manchmal reiche auch das Bildungsniveau für die fachlich durchaus fordernde Ausbildung nicht aus. Da sei es gut, dass demnächst mit der einjährigen Ausbildung zum Pflegefachassistenten (PFA) in NRW jetzt auch eine einfachere Berufsstufe angeboten werde, aus der heraus man sich immer noch weiterentwickeln könne.

Etwaige Lücken in dem Berufszweig mit der Anwerbung ausländischer Pflegekräfte zu schließen, halten Josefine Paul und Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann für keine gute Idee. Paul betonte zum Abschluss, dass man von dem Gedanken abkommen müsse, nur ein Studium mache glücklich und sorge für ein gutes Auskommen. „Der Pflegeberuf ist durchaus erfüllend und bietet neben der hohen Sicherheit weit bessere Chancen als allgemein bekannt.“

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