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Letzter gemeinsamer Gottesdienst mit Pfarrer Klemens Schneider

Abschied geht unter die Haut

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Aus vier Gemeinde ist eine Fusionsgemeinde entstanden. Der Innenraum der Sendener Kirche wurde neu gestaltet. Kein Wunder, dass beim Abschied von Pfarrer Klemens Schneider, auch von „schwierígen Zeiten“ gesprochen worden ist.

Ulrich Reismann

Rund 250 Christen feierten mit Pfarrer Klemens Schneider einen letzten gemeinsamen Gottesdienst. Foto: Ulrich Reismann

„Du hast deine Gemeinde in schwierigen Zeiten des Wandels übernommen. Es waren notwendige und nicht immer einfache Veränderungen anzugehen“. Bei der zentralen Verabschiedung von Pfarrer Klemens Schneider auf den Dümmerwiesen blickte Bürgermeister Sebastian Täger am Samstagabend auf die Fusion zurück. Als leitende Hand habe er – mit vielen Unterstützern – aus den vier vorher selbstständigen Gemeinden „mehr als ein Zweckbündnis oder eine reine Vernunftehe“ gemacht. 250 Menschen waren gekommen, um mit ihrem Pfarrer vor dessen Weggang gen Hiltrup ein letztes Mal gemeinsam Gottesdienst zu feiern.

Dass Gottesdienste keine „One-Man-Show“ sind, wie Schneider nachher bei seinem Dank an die vielen Mitwirkenden betonte, wurde unter anderem an einer kleinen Gruppe aus dem Kirchenchor unter Leitung von Uta-Maria Gennert-Stöcker, mit instrumenteller Untermalung von Marita Schärich (Blockflöte) und Andreas Sydlik (Gitarre), deutlich. Rhythmischen Beifall der Gemeinde löste das „Heilig, heilig, heilig“ zum Sanctus aus. Und nach dem Friedensgruß kam der christliche Klassiker „Meine Zeit steht in deinen Händen“: Für so manchen dürfte dieses Lied schlichtweg ergreifend gewesen sein. „So etwas geht unter die Haut“, war zu hören.

Die Fusion sei für den einen oder anderen seinerzeit mit Verlustängsten verbunden gewesen, wie Pfarreiratsvorsitzender Raphael van der Poel meinte. Umso wertvoller sei da die feinfühlige Herangehensweise Schneiders gewesen, „die Eigenständigkeit dort nicht anzutasten, wo das Kirchenrecht dies zuließ“. Das habe die Befürchtungen gemildert. Der Geistliche widmete sich in seiner Predigt ebenfalls diesem Thema und sprach dabei „einige kritische Punkte“ an. Nicht wenige in der Gemeinde suchten vor allem die Verankerung in Strukturen und Traditionen. Sicherlich könne dies den Menschen Halt geben, „aber wenn sie der entscheidende und der wichtigste Anker für mich sind, dann sieht es arm aus mit unserer Kirche“. Jesus habe nie gesagt: „Das war immer so“. Vielmehr werde er so zitiert: Keiner, der einmal den Pflug fest ergriffen hat und dann zurückblickt, ist geeignet für die neue Wirklichkeit. „Klare Worte“, findet Pfarrer Schneider. „Der Glaube an Christus selbst gibt Sicherheit“. Er sei die Basis und der Anker. „Und nicht zuerst die Strukturen und Traditionen“. Am Ende des Gottesdienstes schenkte er zur Erinnerung allen einen kleinen Anker aus Metall. „Ich gehe heute von Bord – mit Dankbarkeit und Wehmut im Herzen“. Die Gemeinde zollte dem Applaus.

Bürgermeister Täger dankt für Arbeit

Nachdem in Ottmarsbocholt an Pfingstmontag wegen des Sturms „die Schirme geflogen sind“ und es in der Venne geregnet hat, werde man hier und heute regelrecht verwöhnt, freute sich van der Poel. „Schau dich noch einmal um, nimm noch mal dieses Bild mit: Frisches Grün, blauer Himmel, weiße Wolken, nette Menschen“. Dieser für den scheidenden Pfarrer bestimmte Tipp erntete Beifall und Gelächter. Täger ging in seiner Laudatio dankend auch auf die große Gruppe von „Gemeinwohlstiftern“ insgesamt ein. „Wenn wir mal ehrlich sind: Eine politische Gemeinde lebt in ganz besonderer Weise vom hohen Engagement ihrer Kirchengemeinden vor Ort“.

Pfarrerin Annika Hilker von den evangelischen Christen strich die freundschaftlichen Begegnungen „auf Augenhöhe“ heraus. Und dass das Dekanat nun auch seinen Dechant verliert, darauf wies der Lüdinghauser Pfarrer Benedikt Elshoff hin. Den krönenden Abschluss bildete eine Gala-Vorstellung des Magiers Michael Sondermeyer. Ein geniales Geschenk an den künftigen Ruheständler, der selbst der Zauberei frönt und einen entsprechenden Zirkel als „Spielwiese für Männer“ bezeichnete.

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