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Impfungen nach Freigabe von Astrazeneca

Hausärzte in nächster „Lawine“

Senden

Mit der Freigabe von Astrazeneca ist der Ansturm noch größer geworden. Die Hausärzte in Senden stellen sich ihrer Herausforderung und gehen dabei ans Limit.

Dietrich Harhues

Die Ottmarsbocholter Praxis von Hendrik Hibbe hat in der leerstehenden "Kallwey Lounge" eine weiträumige Impfstation eingerichtet. Foto: Siegmar Syffus

Vierfache Herausforderung für die Hausärzte: Sie haben einen Massenansturm zu bewältigen, sie müssen auf plötzlich ändernde politische Rahmenbedingungen reagieren, sie übernehmen im steigenden Ausmaß Impfungen, und sie versorgen weiterhin „normale“ Patienten. Kapazitäten und Limits beim Arbeitspensum, die schon verschoben worden sind, werden offenbar noch weiter strapaziert, ergab die stichprobenartige WN-Nachfrage in Praxen.

Druck auf Praxen schwillt noch an

Denn mit der Freigabe von Astrazeneca am Donnerstagabend erhöhte sich der Druck. Lautete bis dato noch die Devise, die über 60-Jährigen (die Astrazeneca bekommen möchten) und die Betroffenen der Prioritätsgruppe III, also mit bestimmten Vorerkrankungen oder sensiblen beruflichen Tätigkeiten, sollten sich in den Praxen melden, erweiterte sich der Kreis am Freitag aufgrund der neuen Marschrichtung aus Berlin deutlich. Dass der Wegfall der Priorisierung für Astrazeneca auch in NRW kommt, hatten Dr. Ganzer und seine Kolleginnen und Kollegen erwartet. Wurden aber wohl von Spahns Timing überrascht. „Wir haben genug zu tun, mit den Priorisierungsgruppen durchzukommen“, sieht Ganzer nicht viel Luft für zusätzlichen Ansturm.

Die niedergelassenen Hausärzte in Senden, hier Dr. Jürgen Ganzer (v.l.) und Dr. Ulrich Schreckenberg mit Bürgermeister Sebasian Täger kooperieren im gemeinsamen Impfzentrum im Foyer der Steverhalle. Foto: di

Eine Lawine an Arbeit folge somit der nächsten. „Wir wissen schon gar nicht mehr, in welcher Lawine wir stecken“, umschreibt Dr. Jürgen Ganzer die Situation.

Schon bisher musste beispielsweise die Praxis Dr. Hibbe in Ottmarsbocholt 150 bis 160 Termine am Tag organisieren. Da immer erst am Donnerstagabend klar sei, wie viele Dosen welchen Präparats geliefert werden, sei ein längerer Vorlauf nicht möglich, schildert Hendrik Hibbe. Er bricht eine Lanze für Astrazeneca, dessen Akzeptanz in Ottmarsbocholt hoch sei. „Das ist kein Impfstoff zweiter Wahl“, betont der Mediziner. Diese Einschätzung teilt Dr. Ganzer, für den der Nutzen das Risiko um ein Vielfaches übersteige. Medienberichte und Politik hätten aber für Skepsis gesorgt – mit der Folge, „dass wir in einem See von Astrazeneca schwimmen, den wir Hausärzte an den Mann bringen sollen“. Ganzer sieht in Senden durchaus Akzeptanzprobleme: „Alle wollen den Ferrari, Biontech.“

Hendrik Hibbe

Für die Praxen entstehe deshalb verstärkt teils Überzeugungs-, jedenfalls aber Aufklärungsarbeit, bestätigen Ganzer und Hibbe. Sie pochen darauf, dass für jüngere Jahrgänge, insbesondere Frauen, die mRNA-Impfstoffe notwendig seien. Dass in den Impfzentren die Vakzine von Biontech und Moderna für Zweitimpfungen gehortet werden, kann Ganzer überhaupt nicht nachvollziehen: Es komme jetzt auf eine möglichst hohe Anzahl von Erstimpfungen an.

Impfzentrum in Steverhalle „läuft gut“

Deren Abwicklung die Hausärzte, auch wenn der Nachschub zumindest von Astranzeneca nicht knapp ist, herausfordert. Für die praktische Umsetzung nutzen sieben Hausarzt Praxen Sendens das Foyer der Steverhalle. „Das läuft gut“, resümiert Ganzer als Mitglied des lokalen Qualitätszirkels der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten.

Modellregion: Training auch für Ältere

Im Sportpark Senden gelten ab Montag neue Regeln, wenn sich Senden mit ersten Lockerungen beim Vereinssport an der Modellregion Kreis Coesfeld beteiligt. Jeweils montags bis freitags ist der gesamte Sportpark ab 16 Uhr nur noch für Vereinssportler zugänglich. Dann findet – wie gewohnt – das Training der bis einschließlich 14-Jährigen statt. Ab 17.45 Uhr dürfen nunmehr auch ältere Sportlerinnen und Sportler wieder trainieren. Das betrifft VfL-Fußballer sowie Beachvolleyballer, Leichtathleten (ASV) und Sportler des ASV Senden Tennis. Sie müssen aber einen negativen Coronatest nachweisen, der nicht älter als 24 Stunden sein darf. Vollständig Geimpfte und Covid-19-Genese sind davon befreit. Tests können am Sportpark durchgeführt werden. Gemeinde und Vereine empfehlen jedoch, dies schon früher abzuwickeln, damit auf dem Sportgelände kein Andrang entsteht. Das Modellprojekt ist zunächst auf drei Wochen angelegt. -di-

Für die Patienten, die sich jetzt auf die Impfwartelisten setzen lassen wollen, geht kein Weg an einem Anruf bei ihren jeweiligen Hausärzten vorbei. Sie bewältigen zugleich den Ansturm und richten das Augenmerk auf diejenigen unter ihren Patienten, für die aufgrund ihrer Krankheitsgeschichte eine Impfung besonders notwendig ist.

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