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Klavierspieler muss einpacken

Live-Musik auf dem Wochenmarkt führt zu Dissonanzen

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Lukas Schlattmann tingelt als Straßenmusiker über Wochenmärkte. Mit gewienertem Klavier und geölter Stimme sammelt er Spenden im Hut als seine Gage. Fast überall traf er bisher auf offene Ohren – außer in Senden. Dort schritt das Ordnungsamt nach Beschwerden ein.

Dietrich Harhues

Opfer von Beschwerden: Der Musiker Lukas Schlattmann musste sein Ständchen auf dem Wochenmarkt in Senden wieder abbrechen. Foto: Lukas Schlattmann

Immergrüne Musik, passend zu frischem Gemüse, Obst und Blumen. Keine schlechte Kombination – außer in Senden. Der Profi-Musiker Lukas Schlattmann, der als „Radio Lukas“ Straßenmusik anbietet, fand mit seinem Melodienstrauß in der Stevergemeinde keine Zustimmung. Mehr noch, das Ständchen mit Evergreens von Beatles, Billy Joel und Elton John sowie neoklassischen Instrumentalstücken führte am vorigen Donnerstag dazu, dass der 47-Jährige sein Freiluftkonzert abbrechen musste. An den Marktbesuchern lag es nicht.

Bei Marktbummlern „definitiv gut angekommen“

Gegen 9.30 Uhr hatte der Multiinstrumentalist, der im alten Davensberger Bahnhof wohnt, sein gewienertes Klavier in etwa auf Höhe der Volksbank aufgestellt. Und in die Tasten „gehauen“. Was bei Marktbummlern oder auch einzelnen Ständen „definitiv gut angekommen“ sei, wie „Radio Lukas“ im Gespräch mit der WN-Lokalredaktion beteuert. Auch zeichnete es sich ab, dass die „Gage“ am Ende stimmen würde. „Die Leute zeigten mit barer Münze, dass sie es für eine gute Idee halten“, sagt Schlattmann über sein Freiluft-Konzert, das nach etwa einer Stunde vorzeitig endete.

Die Sendenerin Gabi Reimchen hatte ihm den Tipp gegeben, den Wochenmarkt in der Eintrachtstraße mal kulturell zu bereichern. Märkte von Hamm über Lüdinghausen, Werne bis Soest klappert Schlattmann – der auch regelmäßig in Münsters Fußgängerzonen spielt – ab, weil es in Corona-Zeiten „das einzige ist, wo noch Leben ist“. Das Geschäftsmodell: Live-Musik gegen eine Spende in den „Hut“ und sporadischer CD-Verkauf funktioniert allerorten. Außer in Haltern am See – wo angesichts von Corona Zuhörer-Ansammlungen befürchtet worden seien – bekam der Musiker und Komponist bisher noch nie einen Korb. Schlattmanns Devise: „Mit Qualität überzeugen.“

Marktbeschicker schalten das Ordnungsamt ein

Weniger überzeugt waren aber offenbar andere Marktbeschicker. Denn aus ihrem Kreis, so bestätigt Markus Kleymann als Sprecher der Gemeinde seien Beschwerden beim Ordnungsamt eingegangen. Die Händler hätten geltend gemacht, dass Klavier samt Gesang zu laut gewesen seien. Die Beschicker hätten ihre Kunden an den Ständen nicht mehr verstehen können, gibt Kleymann die Eingaben wieder.

Der mobile Musiker – „ich bin nicht wirklich laut“ – wurde von einer Mitarbeiterin des Ordnungsamtes auf die Beschwerden hingewiesen und gebeten, den Schallpegel runter zu fahren. Rund 20 Minuten später zog sie aber ganz die behördliche Reißleine und bat Schlattmann (der überdies einen Hund mit auf den Markt geführt hatte, was dort untersagt ist), die Klappe über den Tasten zu schließen.

Der Vorfall zog in sozialen Medien enorme Kreise. Mit dem Effekt, dass Bürger aus vielen Gemeinden den diplomierten Medientechniker und jahrzehntelangen Straßenmusiker auf „ihre“ Marktplätze einladen. Initiatorin Gabi Reimchen ist „völlig fassungslos“, äußerte sie gegenüber den WN.

„Leider wird es mein erstes und letztes Gastspiel auf dem Sendener Wochenmarkt sein“, lautet Schlattmanns Schlussfolgerung. Er räumt allerdings ein, dass er es versäumt habe, bei den benachbarten Ständen Hallo zu sagen. Dass die sich aber gleich beim Ordnungsamt beschweren, bedauert der Musiker: „Die hätten einfach mal zu mir kommen können.“

Kulturamt hofft auf harmonischen Schlussakkord

Doch noch ist der letzte Akkord von Schlattmann in Senden nicht verhallt. Kulturamtsleiter Kleymann stellte gegenüber unserer Zeitung klar: „Er ist ein gern gesehener Gast.“ Immerhin habe der Profisänger, Gitarrist und Pianist schon einen der „Sendener Feierabende“ musikalisch bestritten. Kleymann unterstreicht, dass es der Gemeinde daran gelegen sei, den Markt auch durch Kultur noch weiter zu beleben. Dazu werde im Sommer am Rande des Marktes ein Kindertheaterstück geboten. Live-Musik passe auch zum Markt – ein Standort soll jetzt gesucht werden. Für harmonisches Markttreiben.

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