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Ressort Bürgerservice, Ordnung und Soziales verlangt Gratwanderung

Nähe schaffen und Distanz wahren

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Das Personalkarussell im Rathaus drehte sich: Als neue Fachbereichsleiterin Bürgerservice, Ordnung und Soziales hat Rahel Epping ihren Dienst angetreten. Ihr Vorgänger Holger Bothur wechselt ins Ressort Zentrale Dienste, Bildung, Freizeit, und Christoph Kroll fungiert als Sachgebietsleiter Soziales.

Dietrich Harhues

Als neue Fachbereichsleiterin fungiert Rahel Epping, die Sachgebietsleitung Soziales hat Christoph Kroll übernommen. Foto: Gemeinde Senden

Herausforderung und Gratwanderung: Die Nähe zum Bürger ist erwünscht, verlangt zugleich aber professionelle Distanz und Einheitlichkeit in allen Entscheidungen. Für Rahel Epping, seit 1. Mai Leiterin des Fachbereichs „Bürgerservice, Ordnung und Soziales“, gehört dieser Spagat schon lange zu ihrem Beruf. Doch Aufgabenspektrum und Verantwortung haben sich mit der Übernahme der Ressortleitung im Rathaus noch vergrößert.

Ihre Antwort, um mit dieser Grundkonstante in der Kommunalverwaltung umzugehen: Epping setzt auf „Rechtmäßigkeit und Augenmaß“. Wie zum Beispiel bei den Kontrollen am 1. Mai, als sich im Ortskern teils etwas zu große und dichte Menschenansammlungen bildeten. Die Verwaltung stecke im Zwiespalt: Infektionsschutz auf der einen, die Freude über eine Rückkehr von Lebensqualität und die Interessen des Gewerbes auf der anderen Seite. Den passenden Ton traf die neue Chefin in ihrem Außendienst offenbar, denn die von ihr und ihrem Team Angesprochenen hätten „sehr einsichtig“ reagiert.

In Rechtsfragen sattelfest

In Rechtsfragen ist die 39-Jährige sattelfest, die ihre Freizeit gemeinsam mit ihrem Mann dem Pferdesport und der Pferdezucht widmet. Denn Epping bringt ein im Jahr 2008 an der Uni Münster abgeschlossenes Jurastudium mit. Während des darin vorgesehenen Praktikums schnupperte sie in die Sendener Verwaltung hinein und wollte dort unbedingt ins Sozialamt. Epping gehörte zu den wenigen Studierenden, wie sie schildert, die als Wahlfach Sozialrecht belegt hatten.

Das Sendener Sozialamt behielt sie in guter Erinnerung, weshalb sie nach Stationen bei der Agentur für Arbeit in Warendorf und im Jobcenter Borken im Jahr 2010 in der Stevergemeinde anheuerte.

Denn die gebürtige Münsteranerin, die in Amelsbüren aufgewachsen ist, wollte mit dem Assessor-Titel in der Tasche eben nicht „in eine Großkanzlei und hauptsächlich Kohle scheffeln“, wie sie es mal ganz salopp umschreibt. Ihre berufliche Orientierung gründete auf einer eher helfenden Haltung: „Mir sind meine Mitmenschen einfach sehr wichtig“, betont Epping, die von sich selbst sagt: „Ich war schon immer ein Kümmerer.“

Gesetze stecken Grenzen ab

Im Job hat die Empathie aber ihre Grenzen – in den Gesetzen: „Jeder soll bekommen, was ihm zusteht, aber auch nur das, was ihm zusteht.“ Deswegen bleibe es bei der Balance zwischen Nähe und Distanz, unterstreicht Epping: die Menschen im Blick zu behalten, sich ihre Lage aber nicht zu nahe gehen zu lassen und auch mal „unangenehme Entscheidungen treffen zu müssen“.

Zur konzeptionellen Arbeit in ihrem Fachbereich gehöre es, nicht nur Hilfen in Notlagen zu gewähren, sondern auch den Problemen, soweit möglich, vorbeugend zu begegnen. Das thematische Spektrum in ihrem Ressort mit 30 Mitarbeitern ist breit – vom Bürgerbüro übers Ordnungsamt bis zu Demografie und Ehrenamt.

Christoph Kroll übernimmt Sachgebiet Soziales

Im untergeordneten Sachgebiet Soziales gibt Epping die Leitung an Christoph Kroll ab. Der Lüdinghauser, der das „Cani“ im Jahr 2001 mit dem Abi verließ, schloss 2005 sein duales Studium bei der Stadt Münster ab. Da die Großstadt zu diesem Zeitpunkt aber nur befristete Verträge vergab, zog es ihn bis 2009 nach Bocholt, wo er als persönlicher Ansprechpartner im Jobcenter fungierte.

Seit dem anschließenden Wechsel war der 39-Jährige als SGB-II-Fallmanager im Jobcenter tätig. Die bewusste Ausrichtung aufs Soziale kommt nicht von ungefähr: „Der Dienst nah am Menschen hat mir immer Spaß gemacht“, unterstreicht der Vater zweier Kinder, der Sport zu seinen Hobbys zählt, aktiv mit Fußball, Badminton, Joggen und passiv als Fan, der regelmäßig die SCP-Kicker im Preußen-Stadion anfeuert.

Der Enthusiasmus für seinen Beruf sei ebenfalls ungebrochen, beteuert Kroll. Er ist sich dabei bewusst, es in Senden mit einem Umfeld zu tun zu haben, an dem die sozialen Verwerfungen relativ weniger stark ausgeprägt sind als in Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet. Entsprechend seien Umgang und Klima mit den Hilfeempfängern. Was nicht ausschließt, dass es in Einzelfällen dazu kommen könne, dass eine Situation im Rathaus „von Null auf Hundert eskaliert“. Unterstützung Suchende nicht als Aktenzeichen, sondern als Menschen „ganzheitlich im Blick zu behalten“, lautet die Grundhaltung von Kroll.

Holger Bothur wechselt in Fachbereich I

Dem Traumberuf half der Zufall auf die Sprünge. Denn der war im Spiel, als Holger Bothur 1988 eine Ausbildung bei der Gemeinde Senden begann und später bei der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in Münster ein Verwaltungsdiplom erlangte.

Diese Jobwahl hat der inzwischen 49-Jährige nie bereut: „Ich könnte mir kaum einen schöneren Beruf vorstellen. Er ist nicht immer einfach gewesen, aber stets sehr vielfältig und bürgernah, was mir immer gefallen hat.“

Allerdings stand Bothur auch quasi immer in der Brandung, wenn der Gemeinde eine steife Brise entgegenblies – womit er sich bei Vereinen, Verbänden, in der Politik und der Bevölkerung hohen Respekt verschaffte, wie Beobachter betonen.

Als größte Herausforderung bezeichnet es Bothur, der 2015 die Leitung des Fachbereichs Bürgerservice, Ordnung, Soziales übernommen hat, dass er mit seinem Team „nahezu durchgängig im Krisenmodus arbeiten“ musste. Erst sei es die erhebliche Anzahl von Geflüchteten gewesen, die insbesondere im Fachbereich III mit dem Sachgebiet Soziales die Kapazitäten voll beansprucht habe.

Seit Anfang 2020 habe dann Corona den Schwerpunkt der Aufgaben im Ordnungsamt bestimmt. „Zum Glück konnte ich mich immer zu 100 Prozent auf meine Kolleginnen und Kollegen verlassen“, resümiert Bothur. Hinzu gekommen sei die „große Unterstützung aus Politik, Bevölkerung und insbesondere dem Ehrenamt“, wodurch die Aufgaben „alle gemeinsam ganz gut gemeistert“ worden seien. Bothur wechselte zum 1. Mai in den Fachbereich I (Zentrale Dienste, Bildung, Freizeit). Seine Zuständigkeit reicht nun von Personal über IT bis zu Schulen und Kitas.

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