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Baugebiet Huxburg: Energiekonzept im Umweltausschuss

Option auf Gas verflüchtigt sich

Senden

Die Huxburg wird das erste Baugebiet Sendens, das nicht ans Gasnetz angeschlossen wird. Dieses Szenario zeichnet sich nach der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität ab.

Ulrich Reismann

Das Baugebiet Huxburg, das auf dieser Fläche entsteht, soll ohne einen Anschluss ans Gasnetz auskommen, zeichnet sich als wahrscheinlichste Option ab. Foto: di

Welchen Weg wähle ich unter wirtschaftlichen und klimaschonenden Aspekten bei der Wärmeversorgung meines neuen Wohnhauses? Andreas Hübner bedauerte alle Bauherren, die vor dieser Frage stünden, „denn sie bekommen eine unglaubliche Vielfalt an Angeboten, was man tun und machen könnte“. Der Geschäftsführer der in Essen ansässigen Ingenieurgesellschaft Gertec hat sich mit diesem sehr komplexen Thema intensiv auseinandergesetzt und für das Neubaugebiet Huxburg, in dem nordöstlich des Sendener Ortskerns entlang der B 235 rund 600 Wohneinheiten entstehen sollen, ein „energetisches Quartierskonzept“ erstellt. Die Ergebnisse stellte er am Mittwochabend im Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität vor.

Bevor man sich aber der Energieversorgung zuwende, müsse das Augenmerk zunächst auf den Energieverbrauch gerichtet werden, betonte der Referent. Diesen beim Hausbau zu minimieren, sei die Stellschraube Nummer eins.

Investition rechnet sich für Häuslebauer früher

Wie sich die Ausgangslage da in allerjüngster Zeit grundlegend gewandelt hat, legte Bürgermeister Sebastian Täger dar. Vor zehn Jahren seien Häuslebauer in der Klimaschutzsiedlung im Bußkamp verärgert gewesen. „Sie wollten ökologisch bauen, kein Thema.“ Doch dann kam das große Aber: „Mehrkosten von bis zu 60 000 Euro“ habe damals eine Energiekostenersparnis von „deutlich“ unter 1000 Euro gegenübergestanden. „Jetzt reden wir über Mehrkosten von 13 900 Euro. Und es gibt eine Förderung, die alleine schon 11 000 Euro beträgt.“ Wenn beim Bau der Standard KfW 55 eingehalten werde. „Das ist jetzt eine ganz andere Situation als früher“, betonte Täger. „Das rechnet sich in kürzester Zeit“.

Rund 600 Wohneinheiten im Baugebiet Huxburg. Foto: Entwurf: Gemeinde Senden

Novum für die Baugebiete Sendens

Ein Novum sieht Bürgermeister Sebastian Täger schon jetzt: Werden die Beschlüsse tatsächlich so gefasst, wie sie sich jetzt andeuten, „dann wäre die Huxburg das erste Baugebiet, welches nicht mehr mit Erdgas versorgt würde“. Da sehe man „ganz klar die Klimaschutzbeschlüsse der Bundesregierung“. Denn ohne deren geänderte Förderpolitik wäre „vielleicht eine Gasbrennwerttherme konventioneller Art unterstützt mit Solarthermie auch möglich gewesen. So, wie das vor fünf bis zehn Jahren noch ganz, ganz viel gemacht wurde“. Täger hatte schon zuvor einmal unterstrichen: „Es gibt keine andere Heizungstechnik als die Wärmepumpe, wo man so wenig Energieeinsatz braucht, um so viel Energie rauszubekommen“. (-ure-)

Wo holt man nun den Restbedarf an Wärme her? In der engeren Wahl befindet sich auf der einen Seite eine zentrale Lösung über Holzhackschnitzel und auf der anderen Seite eine dezentrale Variante entweder mit einer Luft-Wasser oder mit einer Sole-Wasser-Wärmepumpe (hier könne der Hauseigentümer selbst entscheiden, ob er der Luft- oder der Erdwärme den Vorzug gibt, so der Bürgermeister). Am Mittwoch ging es für die Politiker ausschließlich darum, sich zu informieren, um im Juni dann eine Entscheidung zu fällen. „Ich hatte das Gefühl – auch aufgrund vieler Nachfragen – dass Bedenken gegen eine zentrale Regelung bestehen“, gab Sebastian Täger auf WN-Nachfrage seinen Eindruck wieder. „Zumal das einen Anschluss- und Benutzungszwang für alle voraussetzt“. Hinzu kämen die schlechten Erfahrungen mit Holzhackschnitzeln und Pellets, welche man beim Cabrio-Bad machen musste. Alles in allem schien es ihm so, dass die dezentrale Lösung mit Wärmepumpen „den meisten Anklang gefunden hat“. Auch in der Bewertung durch das Büro Gertec bekam sie noch etwas mehr Punkte als die zentrale Variante. Einen wichtigen Vorteil einer zentral vorhandenen Technik sah der Gertec-Sprecher allerdings darin, dass sie „sehr viel zukunftsoffener ist“ für etwaige weitere ökologische Verbesserungen in der Zukunft – weil einfacher umzurüsten.

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