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Hitze, Dürre, Starkregen: Das Klima-Projekt „Evolving Regions“ entwickelt einen umfangreichen Katalog

„Städte müssen wie Schwämme wirken“

Kreis Coesfeld

Hunderte Hummeln summen zwischen den Blüten hinterm Kreishaus in Coesfeld. „Eine wichtige Geste“ sei die bienenfreundliche Grünanlage des Kreises, sagt Dr. Christine Heybl. „Die Innenstädte brauchen mehr Grün als eine Antwort auf die Klimafolgen.“ Heybl nimmt federführend für den Kreis Coesfeld an dem Projekt „Evolving Regions“ teil – in dem es darum geht, die Region klimarobuster zu machen. Über eineinhalb Jahre beschäftigen sich Experten aus acht Regionen zusammen mit der TU Dortmund mit dem Thema Klimafolgenanpassung – darunter der Kreis Coesfeld. „Es muss zunehmend mit Wetterextremen gerechnet werden“, erläutert Heybl. Was tun, um die Folgen des Klimawandels wie Hitze, Dürre und Starkregen in Griff zu bekommen? Wie sich die Probleme auf Innenstädte und Siedlungsräume auswirken und was man unternehmen kann, war dabei ein Themenbereich. Das Projekt steht nun kurz vor dem Abschluss. Entstanden ist ein Fahrplan über viele Seiten mit konkreten Vorschlägen, wie es gelingen kann, sich zu rüsten.

Von Viola ter Horst

Mehr Grün in Städten sorgt bei Regen dafür, dass mehr Wasser aufgesogen und bei Hitze mehr Schatten und ein angenehmeres Klima erzeugt wird: Projektkoordinatorin Dr. Christine Heybl beim „Hummelbeet“ hinterm Kreishaus.. Foto: Foto: Viola ter Horst

„Einer der Schlüssel zur Lösung ist, die Innenstädte so auszustatten, dass sie wie Schwämme wirken“, sagt Heybl. Elemente einzusetzen, die bei Starkregen Wasser aufsaugen und bei Hitze Feuchtigkeit abgeben und für ein angenehmes Klima sorgen. Damit schlage man zwei Fliegen mit einer Klappe. Zentrale Maßnahmen dafür: Mehr Grün, mehr und robustere Bäume, mehr Dachbepflanzungen. „Besonders mit Dachbegrünungen lässt sich viel machen, idealerweise kombiniert mit Photovoltaikanlagen“, sagt Heybl. Nicht nur, um Klimafolgen besser zu begegnen, sondern auch, um etwas für den Klima- und Artenschutz zu unternehmen. „Bäume sind zusätzlich tolle Schattenspender.“

Getan werden müsse noch viel und zwar in allen Städten und Gemeinden im Kreis Coesfeld, sagt Heybl. Nach ihrer Einschätzung sind einige schon etwas weiter mit der Umsetzungen von Konzepten, wie Olfen und insbesondere Dülmen. Heybl nennt als Beispiele die Hochbeete in der Innenstadt von Dülmen, die von Bürgern bepflanzt werden können. Oder Wasserauffangflächen hinter einem Platz. Oder, ebenfalls in Dülmen, ein Trinkwasserspender in der Innenstadt. Denn Hitze als Folge des Klimawandels belastet zunehmend die Menschen – besonders Kranke und Ältere. „Ein Hitzetelefon, an dem Bürger Infos bekommen, ist ein weiterer Vorschlag“, so Heybl. Der Mix aus vielen kleinen und größeren Maßnahmen sei entscheidend, sagt sie.

Die Entsiegelung von Flächen und ein neues Denken beim Bauen seien weitere Punkte. Egal, ob es sich um den privaten Hausbau oder um die Stadtentwicklung dreht. Bei der Wahl des Pflasters oder des Baumaterials fürs Haus müsse Klima mitgedacht werden. „Die Südseite ist nicht zwangsläufig mehr die beste“, so Heybl. Im Sommer kühlende und im Winter Wärme abgebende Baumaterialien und helle Farben werden eine immer größere Rolle spielen, ist sie überzeugt.

Und nicht nur für landwirtschaftliche und öffentliche Grünflächen sei eine stärkere Nutzung des Regenwassers von Bedeutung. „Auch für den eigenen Garten empfiehlt es sich, eine Tonne aufzustellen, um das Regenwasser zum Gießen zu sammeln“, so Heybl. Der Umgang mit Regenwasser sei ein weiterer Schlüssel, um besser gerüstet zu sein.

Die Bürger müssen dabei mitgenommen werden, fordert sie. Denn bei vielen kleineren Maßnahmen, „die es in der Summe bringen“, sei jeder gefordert. „Wenn man Bürger einbindet und deutlich macht, dass Klimamaßnahmen nicht unbedingt eine Frage von viel Geld sind, haben sie auch Spaß daran, mitzuwirken.“ Dann sei es eine Win-win-Situation, so wie bei den Hochbeeten in Dülmen. „Wenn Bürger ernten dürfen, kümmern sie sich auch drum.“

Evolving Regions

Evolving Regions ist ein Projekt der TU Dortmund mit acht Partnerregionen. Darunter der Kreis Coesfeld. Ziel des Projektes, das seit März 2021 läuft, ist es, die teilnehmenden Regionen für die Zukunft klimarobust zu machen. Beteiligt sind Experten aus dem Naturschutz, der Landwirtschaft, der Stadtentwicklung und weiteren Bereichen. 18 Workshops fanden statt, mit Einbindung von Mitwirkenden aus vielen Bereichen. Die Themenfelder für den Kreis Coesfeld: „Klimagerechte Landnutzung“, „Klimagerechte Siedlungsstrukturen“ und „Bildung für Klimaanpassung und eine nachhaltige Kreisentwicklung“. Das Projekt steht nun vor dem Abschluss. Ein Katalog, der zahlreiche Maßnahmen auflistet und sich wie ein Fahrplan lesen soll, befindet sich in der Abstimmung. „Man kann konkret sehen, wer für welche Maßnahmen zuständig sein könnte“, so Projektkoordinatorin Christine Heybl. Wie es nach Abschluss des Projekts weitergeht, ist noch offen. Heybl hält es für wünschenswert, wenn Aufgaben aus dem Bereich Klimafolgen koordiniert werden würden. „Die Ideen sind vielfältig und das Thema wird uns in Zukunft immer stärker begleiten.“ Einen zentralen Hitzeaktionsplan hat der Kreis Coesfeld aktuell nicht. vth https://evolvingregions.com

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