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Abiturienten und Schüler ohne Abschluss

Steigende Zahlen auf beiden Seiten

Kreis Coesfeld

(teb). Deutschlands Problemkinder werden immer mehr: 6,6 Prozent betrug zuletzt der Anteil der jungen Menschen, die keinen Schulabschluss schafften. Das sind 0,9 Prozentpunkte mehr als noch 2011. Der Kreis Coesfeld kommt besser weg: Hier blieben zuletzt 5,0 Prozent (Vorjahr: 4,3 Prozent) ohne jeglichen Abschluss. Im bundesweiten Vergleich bedeutet das für den Kreis Coesfeld Platz 86 in der Bundesliga der Abschlusslosen. Die niedrigste Quote und damit Platz 1 hat der Kreis Main-Spessart mit 2,3 Prozent jungen Menschen ohne Abschluss.

Die Bildungspolitik sonnt sich derweil allerdings lieber im Glanze junger Menschen mit Abitur: Deren Anteil liegt bundesweit bei 34,6 Prozent der zuletzt gezählten Schulabgänger. Verglichen damit liegt die Quote im Kreis Coesfeld mit rund 37,1 Prozent Abiturienten höher als im Bund.

Und in der Bundesliga der Abiturienten liegt der Kreis damit auf Platz 114 unter den 403 im Regionalatlas ausgewerteten Städten, Kreisen und Stadtstaaten. Spitzenreiter mit einer Abiturientenquote von 64 Prozent ist in diesem Vergleich die Stadt Neustadt an der Weinstraße. Die aktuellen Zahlen betreffen den Zeitraum bis zum 31.12.2019. Corona wurde erst wenige Wochen danach zum Thema. In ganz NRW beendeten 6,0 Prozent junge Menschen die Schulzeit, ohne einen Hauptschulabschluss in der Tasche zu haben. Das ist eine etwas geringere Quote als im Vorjahr mit 6,1 Prozent.

Im Kreis Coesfeld entwickelten sich diese Zahlen so: 2011 blieben 3,8 Prozent ohne Abschluss, 2012 waren es 3,9 und aktuell haben eigentlich 5,0 Prozent, nicht genug fürs Leben gelernt.

Dagegen machten im Sommer 2019 im Kreis Coesfeld rund 37,1 Prozent der Schülerinnen und -schüler Abitur, und damit mehr als im Vorjahr mit 36,8 Prozent. Im Jahr 2016 hatte die Abiturienten-Quote bei 36,2 Prozent gelegen und im Jahr 2011 machten rund 31,5 Prozent aller von den Schulen Abgehenden den begehrten Abschluss.

Dabei gilt nach wie vor: Mama Abitur, Papa Abitur, Kind Abitur ist eine noch immer zutreffende Voraussage für den Bildungsweg: „Mehr als sieben von zehn Kindern, von denen mindestens ein Elternteil Abitur oder Fachhochschulreife hat, erreichen diesen Abschluss ebenfalls“, sagt die Bildungsstatistik.

Das heißt auch: „Bei den Grundschulübergängen auf weiterführende Schularten treten weiterhin erhebliche soziale Disparitäten auf’“ – sprich „Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Elternhäusern“ gehen nicht gleich aufs Gymnasium, sondern wechseln den Bildungsweg häufiger bis zum Ziel Abitur: „Die anfänglichen Unterschiede werden damit aber kaum ausgeglichen’’, sagt der Bildungsbericht.“ Sprich die Theorie, jeder kann alles schaffen, scheitert zumindest zum Teil an der schulischen Wirklichkeit. „Um kriminellem Verhalten wirksam vorzubeugen, ist es (...) von entscheidender Bedeutung, Jugendlichen Bildungschancen und, damit verbunden, die Aussicht auf ein selbstbestimmtes und glückliches Leben in Beruf und Gesellschaft zu eröffnen’’. Der Satz ist elf Jahre alt. Er stand 2010 in der Bertelsmann-Studie „Unzureichende Bildung: Folgekosten durch Kriminalität“ zu lesen. Die Quote der Abschlusslosen ist jetzt höher – da muss die Bildungspolitik nachsitzen.

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