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22 Vergewaltigungsopfer nutzten seit 2017 Angebot in der Frauenklinik

Tatspuren sichern – auch ohne Anzeige

Kreis Coesfeld

Seit 2017 nutzten 22 von 87 Vergewaltigungsgopfern die Möglichkeit, Spuren der Tat anonym in der Coesfelder Frauenklinik zu sichern. Das geht aus der Statistik der Christophorus Kliniken hervor. „Spuren erst einmal anonym zu sichern, ohne gleich eine Anzeige zu erstatten, ist ein wichtiges Angebot der Frauenklinik“, betont Miriam Harosh-Pätsch von der Beratungsstelle von Frauen e.V. im Jahresgespräch. Die Erfahrung der Beratungsstelle für Mädchen und Frauen im Kreis Coesfeld ist, dass es Opfern von sexualisierter Gewalt oftmals schwer fällt, den Täter anzuzeigen. „Gerade, wenn er aus der eigenen Familie kommt – und das ist häufig der Fall“, erläutert Harosh-Pätsch. „Die Frauen stehen unter Schock nach der schrecklichen Tat, dazu kommt dann die Angst vor den Konsequenzen einer Anzeige.“ Denn das bedeutet oftmals, mit der Familie brechen zu müssen. Eine psychische Ausnahmesituation.

Von Viola ter Horst

Die anonyme Spurensicherung bietet Vergewaltigungsopfern die Möglichkeit, in Ruhe über die Anzeigenerstattung nachzudenken. Foto: Foto: pixabay

Aber auch andere Gründe können dafür sprechen, erst einmal die Spuren zu sichern – „anonym, ohne Anzeige und ohne weitere Verpflichtungen für das Opfer“, erklärt Frauenärztin Dr. Claudia Fischäß-Pfeiffer von der Frauenklinik der Christophorus Kliniken. Die Daten werden vertraulich behandelt und dürfen nicht ohne die Zustimmung der Betroffenen verwendet werden. Die Opfer können dann ganz ohne Druck überlegen und immer noch eine Anzeige bei der Polizei erstellen. „Die Spuren lagern sicher und mit einem Code versehen bei der Rechtsmedizin ein – bis zu zehn Jahren – und wenn sich die Frau zu einer Anzeige entscheidet, können sie als Beweismittel herangezogen werden“, erklärt Fischäß-Pfeiffer. Das sei wichtig, denn Verfahren, die nur auf mündliche Aussagen ohne Zeugen beruhen, werden ohne Beweise schnell eingestellt. „Deswegen sollten die Spuren zeitnah sichergestellt werden“, erläutert Fischäß-Pfeiffer. Selbst wenn die Opfer sich schon geduscht haben, sollten sie sich nicht scheuen, in die Frauenklinik in Coesfeld zu kommen. „Spuren lassen sich zumeist auch dann noch sichern“, sagt Fischäß-Pfeiffer. Die anonyme Spurensicherung ist kostenlos und soll eine Anzeigenerstattung nicht verhindern, sondern vielmehr Opfern eine Hilfestellung bieten.

Im Kreis Coesfeld gibt es seit 2017 die Möglichkeit, die Spuren anonym sichern zu lassen. 21 der 87 Frauen, die seither insgesamt Opfer einer Vergewaltigung wurden, waren unter 16 Jahre alt und 14 unter 18. 28 Frauen waren unter 25 Jahre alt und 24 älter als 25.

Die meisten Vergewaltigungsfälle wurden 2019 mit 25 Betroffenen bekannt. Im vorigen Jahr waren es 17, vier davon waren unter 16 Jahre alt. Vier von den 17 ließen die Spuren anonym sichern. Drei von den 17 erstatteten später bei der Polizei Anzeige; zehn von ihnen sofort.

0 Kontakt: Christophorus Kliniken, Frauenklinik, Südring 41, Coesfeld, Tel. 02541/8911302. Beratungsstelle Frauen e.V.: Gartenstraße 12, Coesfeld, Tel. 02541/ 970620; Dülmen: August-Schlüter-Str. 32, Tel. 02594/ 991111 info@frauen-ev.de

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