Rechtsextremismus: SPD will sensibilisieren
Trikotspende zieht weitere Kreise
Kreis Coesfeld
Die Trikotspende mit dem perfiden Logo eines Rechtsanwalts an die E-Junioren der DJK Eintracht Coesfeld schlägt weitere Kreise. Die SPD im Kreis Coesfeld möchte den Fall zum Anlass nehmen, um die Öffentlichkeit für die Thematik Rechtsextremismus zu sensibilisieren und daraus konkrete Maßnahmen abzuleiten. Die Sozialdemokraten wollen das Thema im nächsten Ausschuss für Kultur, Sport und Ehrenamt am 1. September (16.30 Uhr Kreishaus I in Coesfeld) diskutieren.
Auf dem Trikot der Kinder war der Schriftzug des Anwalts zu lesen, der seine Kanzlei in Coesfeld hat: StrafverteidigA – mit großem S und A in gezackter Schrift. Die DJK reagierte am Mittwoch schnell, als in sozialen Medien vom Recherche-Kollektiv NRW weitere Hintergründe mit rechtsextremen Bezügen zu dem Anwalt die Runde machten. Der Verein distanziert sich und die Trikots sollen nie mehr getragen werden. „Wir wollen mit Rechtsextremismus nicht in Verbindung gebracht werden und haben damit überhaupt nichts zu tun“, sagt DJK-Vorstandssprecher Ludger Kleinschnitker. Viele Ehrenamtliche seien nach dem Bekanntwerden des Falls angegangen worden. „Aber wir erhielten dann auch viel Lob, als wir mit unserer Stellungnahme unsere Position klar zum Ausdruck gebracht haben“, so Kleinschnitker.
Der Verein will nun klären, wie es zu dem verhängnisvollen Sponsoring kam. „Inzwischen erhalten wir professionelle Unterstützung von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Münster“, sagt Kleinschnitker. „Wir wollen auf jeden Fall im Verein weiter sensibilisieren und brauchen dafür Fachwissen.“
Unterwanderungen von Rechts sind oft nicht immer sofort zu erkennen.
Trikotsponsoring mit extremistischem Hintergrund seien ein „sehr spezielles Thema“ und dem Kreissportbund bislang nicht bekannt, sagt Alexander Bergenthal vom Kreissportbund. Um so begrüßenswerter sei es, mehr Aufklärung zu bieten. Auch Experten beim Landessportbund seien als Ansprechpartner nun eingeschaltet.
Der Rechtsanwalt trat in dem Verfahren gegen den „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) als Vertretungsverteidiger von NPD-Politiker Ralf Wohlleben auf. Der rechtsextreme Terrorhelfer wurde zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt.
An seinem Logo findet der Anwalt nichts Verwerfliches. Er sagt, dass die Band Metallica für das Emblem Vorbild gewesen sei. Er habe sich nichts vorzuwerfen. Dass es an das frühere Zeichen der Sturmabteilung (SA) der NSDAP aus der Nazi-Zeit erinnern könnte, sieht er nicht so. In der Vergangenheit schrieb der Anwalt für verschiedene rechtsextreme Publikationen (darunter „Junge Freiheit“) und war laut Recherche-Kollektiv Herausgeber des NS-Black-Metal-Fan-Magazins „Blutvergießen“.
Die SPD bittet den Landrat darum, zur Ausschusssitzung am 1. September eine Liste mit Unterstützungsangeboten für Vereine und Institutionen zu erstellen. Auch der Kreissportbund sollte Gelegenheit zum Berichten haben.
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