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Bauern diskutierten mit Bundestagskandidaten

„Über die Köpfe der Landwirte hinweg“

Kreis Coesfeld

Haus Waldfrieden in Dülmen-Börnste bot den passenden Ort für das Treffen der Landwirte aus dem Kreis Coesfeld, die der Kreisverband des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes mit seinem Vorsitzenden Michael Uckelmann nach langer Coronapause endlich mal wieder zum persönlichen Treffen einladen konnte. In erster Linie ging es um die Möglichkeit, die Bundestagskandidaten kennen zu lernen und befragen zu können.

Von Elvira Meisel-Kemper

Landwirte diskutieren mit Bundestagskandidaten. Foto: Fotos: emk

„Fünf der acht Kandidaten sind heute hier“, begrüßte Uckelmann Dr. Anne-Monika Spallek (Bündnis90/Die Grünen), Klaus Stegemann (Die Linke), Johannes Waldmann (SPD), Rene Arning (FDP) und Marc Henrichmann (CDU). Sie mussten einiges an Kritik aushalten, die sich vor allem gegen die Grünen und gegen die CDU als aktuelle Regierungspartei richteten.

Uckelmann fasste als Impulse für die Diskussion einige Entwicklungen zusammen. Die Tierwohl-Auflagen müssen erfüllt werden. Der Klimawandel, die Versiegelung von Flächen und die Freigabe landwirtschaftlicher Flächen für Blühstreifen oder Photovoltaikanlagen waren weitere Themen. Viele Dinge seien von der Bundesregierung über die Köpfe der Landwirte hinweg beschlossen worden. Uckelmann nannte den begrenzten Transport von Tieren auf viereinhalb Stunden als Beispiel. „Aber wie soll das mit Sammeltransporten laufen?“ Die Reaktion aus dem Publikum war eindeutig: „Das sind Beschlüsse im Bundestag, ohne die Landwirte zu fragen.“

„Natur- und Artenschutz lassen sich nur realisieren, wenn wir die Eigentümer mit im Boot haben“, gab Henrichmann das Startzeichen für die Diskussion. Arning signalisierte Lernbereitschaft von den Landwirten, da er „wenig praktische Erfahrung in der Landwirtschaft“ habe. Waldmann sprach wie Stegemann das Problem der Bezahlbarkeit von Lebensmitteln an, die aufgrund niedriger Löhne viele Menschen zur Tafel führten. „Wir plädieren für höhere Löhne, damit die Menschen mehr und bessere Lebensmittel kaufen können“, so Henrichmann.

Spallek hatte sich die „Versorgungssicherheit“ der Bevölkerung durch regionale Produkte zum Ziel gemacht. „Die Weltmarktorientierung ist an die Wand gefahren worden“, ergänzte sie. Der Einwand aus dem Publikum wog dagegen schwer. Die Fleischproduktion sei schlecht geredet worden. Außerdem müsse von Seiten der Politik etwas gegen die Riesenhandelsunternehmen unternommen werden.

Spallek setzte sich für mehr Bio-Landwirtschaft ein. Auch das provozierte Kritik aus dem Publikum: „Das ernährt uns nicht. Ein Bio-Betrieb ist in den Emissionswerten viel schlechter als ein konventioneller Betrieb.“

Die Spaltung der Gesellschaft, der fehlende fachliche Rat, die Bürokratisierung und die zunehmende Versiegelung von Flächen waren weitere Punkte, die mit den Bundestagskandidaten diskutiert wurden. Deutliche Kritik übten sie wieder an den Grünen, die weit weg von der Realität agieren würden. „Wir sind nicht der Nabu, damit werden wir immer gleich gesetzt“, betonte Spallek. Und: „Wir wollen nicht von großen Konzernen abhängig werden.“ Auch Arning markierte in seinem Schlusswort seine Ziele in der FDP: „Investitionen sollen langfristig planbar sein, über Wahlperioden hinaus. Die Entbürokratisierung ist in der FDP ein großes Thema. Wir wollen, dass die Arbeit in der Landwirtschaft wieder Spaß macht.“

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