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Der BillerBäcker setzt sich für ein einheitliches Pfandsystem im Kreis ein

Umweltschutz ohne Risiko

Billerbeck

Ihre zwei Kaffeebecher hat Karin Terwey-Bruns wieder mitgebracht – und nimmt sich direkt noch einen neuen auf die Hand mit. „Das ist dann zweimal Pfand, ein Kaffee und der Umweltrabatt“, rechnet Bäckereifachverkäuferin Schinda Battal vor. Die Stammkundin des BillerBäckers findet das Pfandsystem super. „Das ist einmalig. Man tut was für die Umwelt und spart noch dabei“, lobt Terwey-Bruns, nimmt ihren Kaffee auf die Hand und verlässt gut gelaunt die Stube. Für Philipp Ahlers-Kemper war die Einführung des Pfandsystems für To-go-Becher nur der nächste logische Schritt. Und doch wünscht sich der Bäckermeister, dass der Kreis Coesfeld noch mehr die Werbetrommel für ein einheitliches Pfandsystem rührt.

Von Florian Schütte

Bäckermeister Philipp Ahlers-Kemper setzt sich für ein kreisweit einheitliches Pfandsystem ein. Er plädiert für das System „Meer-Wert“. Foto: Foto: sdi

„Je länger man wartet, desto schlechter wird die Lage und nachher haben alle ein unterschiedliches System“, denkt Ahlers-Kemper. „Je mehr mitmachen, desto einfacher wird es.“ Der Weg zu mehr Nachhaltigkeit sei ein Prozess gewesen. „Früher haben wir auch schon Rabatt gegeben, wenn die Leute ihren eigenen Becher mitgebracht haben“, blickt der Billerbecker zurück. Dann gab es zunächst Pappbecher mit hohem Recycling-Anteil und schließlich seit April nun das Pfandsystem „Meer-Wert“. „Ich habe lange gebraucht, bis ich das passende gefunden hatte“, sagt Ahlers-Kemper. Denn viele Anbieter verlangten eine Jahresgebühr. „Als kleiner Bäcker ist es schwierig, 360 Euro im Jahr an Gebühr zu zahlen“, findet Ahlers-Kemper. Bei „Meer-Wert“ habe er lediglich 100 Euro für 100 Becher und eine einmalige Bearbeitungsgebühr von sechs Euro zahlen müssen. Seine Kunden zahlen pro Becher auch einen Euro Pfand. „Das ist völlig ohne Risiko. Denn selbst wenn mal ein Becher nicht zurückkommt, bleibe ich nicht auf den Kosten sitzen“, rechnet er vor. Die dazugehörigen Deckel sind aus biologisch abbaubarer Maisstärke.

Mittlerweile würden 35 Prozent seiner Kunden die Pfandbecher nutzen – vor allem seine Stammkunden. Und wenn einer von ihnen mal seinen Becher vergisst, zeigt sich Philipp Ahlers-Kemper auch mal kulant. So wie beim nächsten Kunden. „Pfand brauchst du ihm nicht zu berechnen“, ruft er seiner Mitarbeiterin Schinda Battal zu. „Den Becher bring ich morgen zurück“, dankt der Kunde und geht mit dem dampfenden Kaffee seines Weges.

Als Anreiz, das System zu nutzen, hat Ahlers Kemper zum einen Stempelkarten für die Treue und den Umweltrabatt von 20 Cent pro Kaffee eingeführt. „Denn wenn die Kunden keinen Pappbecher nehmen, muss ich den ja im Einkauf auch nicht bezahlen.“

Allerdings steht der BillerBäcker zurzeit mit seinem – wenn auch fairen – Pfandsystem noch so ziemlich allein auf weiter Flur. „Ich habe gehört, dass in Münster noch ein oder zwei mitmachen.“ Doch die Zeit drängt aus seiner Sicht. „Ab nächstem Jahr tritt eine EU-Verordnung in Kraft, wonach wir Mehrwegverpackungen anbieten müssen, die aber nicht mehr kosten dürfen“, hat sich Ahlers-Kemper schon informiert.

Aus Sicht des Kreises Coesfeld sind für ein funktionierendes kreisweites Pfandsystem mindestens 50 teilnehmende Betriebe erforderlich – die dann auch gefördert werden könnten. „Wenn dann 30 Betriebe in Billerbeck schnell sind, dann hab ich hier ein Pfandsystem und die anderen Kommunen gucken in die Röhre?“, fragt Ahlers-Kemper. Für ihn zählt, dass man sich gemeinsam auf den Weg macht – mit einem kreisweit einheitlichen System zu einem fairen Preis.

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