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Rückschnitt an Wegrändern mit Augenmaß gefordert

Verkehrssicherheit kontra Artenvielfalt

Kreis Coesfeld

Von Blühstreifen an Wegrändern ist häufig zu lesen, wenn das Zauberwort „Biodiversität“ fällt. So verwundert es nicht, dass Reinhard Trautmann die radikale Mahd am Mühlenweg in Dülmen sauer aufstößt. „Wenn wir so weiter unsere Wege und Bachseitenstreifen an den Kreisstraßen zur Unzeit pflegen, wo eigentlich blühende Pflanzen unserer Insekten- und Vogelwelt einen Lebensraum sichern könnten, wird der Artenschwund nicht gebremst werden“, findet das Mitglied des Nabu-Kreisverbands deutliche Worte.

Von Florian Schütte

So bitte nicht: Reinhard Trautmann appelliert an die zuständigen Behörden und Eigentümer, die Mahd der Wegränder mit Augenmaß anzugehen und nicht – wie hier am Mühlenweg in Dülmen – noch mehrere Meter von der Straße entfernt alles niederzumähen. Foto: Foto: Reinhard Trautmann

Beim Kreis Coesfeld ist diese Problematik nicht unbekannt. „Wir haben jedes Jahr diesbezüglich mehrere Anrufe“, sagt Christoph Steinhoff von der Unteren Landschaftsbehörde auf Nachfrage unserer Zeitung. Steinhoff ruft die Mitarbeiter des Kreises, der Kommunen und auch die Privatleute dazu auf, sensibel mit der Thematik umzugehen. Dabei ist ihm bewusst, dass es immer eine Gratwanderung zwischen dem Prädikat „unordentlich ökologisch wertvoll“ und einem gepflegten Landschaftsbild ist, das auch der Verkehrssicherheit Rechnung trägt. Gerade letztere habe zunächst Priorität. Dies gelte nicht nur für schwer einsehbare Kreuzungsbereiche, sondern auch mit Blick auf Wildunfälle. Je mehr Blühstreifen angelegt und das Gras stehen gelassen werde, desto mehr Insekten, aber in der Folge auch Vögel würden dadurch angelockt werden und nicht selten vor der Windschutzscheibe landen. Von Rehwild, das im hohen Gras unsichtbar bleibt, bevor es die Straße überquert, ganz zu schweigen. „Ob man den Seitenstreifen bis auf drei Meter von der Straße entfernt noch mähen muss, weiß ich nicht. Es ist eine schwierige Diskussion“, räumt Steinhoff ein. „Ideal wäre es, je nach Schwerpunkt geeignete Maßnahmen zu finden.“ Ein gutes Beispiel dafür sei das Leader-Projekt „Schaffung naturnaher Wegränder in der Region Baumberge“, das das Naturschutzzentrum federführend betreut. „Ziel ist es, die Wegränder so zu mähen, dass man möglichst vielen Ansprüchen gerecht wird“, erklärt Steinhoff. Zudem müssten Blühstreifen auch nicht nur entlang der Straßen angelegt werden.

Auch Reinhard Trautmann hält dieses Umdenken für zwingend erforderlich. „Darum bitte: So nicht weiter! Fauna und Flora Leben zu schenken, ist nicht so schwer“, appelliert der Dülmener auch an Hofeigentümer, aus Zufahrten keine „Rasenwüsten“ zu machen.

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