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Dr. Anne-Monika Spallek aus Billerbeck tritt für die Grünen an

Vom Acker bis zum Teller

Billerbeck

Einen Traum konnte sie sich bereits erfüllen: Das Leben und Arbeiten auf dem Land mit Pferden. Jetzt stellt sich Dr. Anne-Monika Spallek der Realisierung eines weiteren Traums. Für den Wahlkreis 127 (Coesfeld/Steinfurt II) möchte sie ab Herbst 2021 die Bündnis90/Die Grünen im Bundestag vertreten. „Der Reformstau muss ein Ende haben. 50 Milliarden umweltschädliche Subventionen sind ein Desaster. Viele Themen müssen vom Ansatz neu gedacht werden. Nicht nur wegen des Klimawandels“, brennt es der promovierten Mathematikerin unter den Nägeln.

Von Ulla Wolanewitz

„Statt Pendlerpauschale bräuchten wir eigentlich eine Da-bleib-Pauschale: Dr. Anne-Monika Spallek von den Grünen setzt sich für den regionalen Raum ein. Foto: Foto: Stephanie Sieme

Bevor sie mit ihrem Mann Erich 1999 das Gestüt in Gerleve bei Billerbeck übernahm, war sie viele Jahre als Unternehmensberaterin tätig. Wie das mit Mathematik zusammenpasst? „Wer diese Wissenschaft versteht, kann analytisch denken, Abläufe hinterfragen, neu strukturieren und Finanzen Ressourcen basiert kalkulieren“, erklärt die Fachfrau, die ihre ersten Lebensjahre in Appelhülsen verbrachte. Mit vier Jahren gab es den Umzug nach Bochum, wo ihr Vater als Mathematik-Professor an der Uni arbeitete. Ihre Mutter war in der gleichen Disziplin als Lehrerin berufstätig. Als Zehnjährige genoss sie Reiterferien in Havixbeck. Das war der Beginn zweier lebenslanger Leidenschaften: Pferde und das Münsterland. Im Ruhrgebiet aufgewachsen, führte sie der Reitsport bei Turnieren häufig hierher.

Der Wochenmarkt in Billerbeck ist ihr Lieblingsplatz im Kreis Coesfeld. „Das ist Klimaschutz par excellence. Regional und saisonal einkaufen ist eine Kultur der kurzen Wege. Die Herkunft der Produkte ist klar und kompetente Beratung gibt es noch dazu. Man trifft nette Leute, kann ein Schwätzchen halten und erfährt, was die Menschen vor Ort bewegt.“

Dr. Anne-Monika Spallek

In der malerischen Idylle vom Gestüt-Gerleve – mit riesigen Rhododendronbüschen und Trauerweide – unterhalb der Benediktinerabtei, wo zuvor eine Traberzucht angesiedelt war, dürfen heute rund 35 betagte Warmblüter ihren Lebensabend verbringen. „Ein Seniorenheim für Reitpferde, die ihren Dienst geleistet haben“, erklärt sie.

Nun möchte sie freiwillig das münsterländische Paradies verlassen, um sich in Berlin in den Hexenkessel Bundespolitik zu begeben? „Ich bin ja nicht weg“, schmunzelt sie. Schließlich bleibt ihr erster Wohnsitz in Gerleve. Und: Bundestagsabgeordnete sind oft den halben Monat in der Hauptstadt und die andere Hälfte in ihrem Wahlkreis, um „dort die Themen einzufangen, die wir nach Berlin tragen“. Dass es davon genug gibt, weiß die Stadt- und Kreistagsabgeordnete nur allzu gut.

Stichwort: dezentrales Arbeiten. „Corona hat gezeigt, dass Homeoffice und mobiles Arbeiten ein guter Schritt in Richtung Klimaschutz sind. Weniger Verkehr, weniger Stress für alle“, sagt sie. „Das erfordert jetzt mehr ,Co-Working-Spaces’ im ländlichen Raum, möglichst in Leerstand in den Dorfzentren.“ Das bringt Kaufkraft und Leben in die Orte, denn wo gearbeitet wird, wird auch gegessen und eingekauft. Statt Pendlerpauschale bräuchten wir eigentlich eine „Da-bleib-Pauschale“.

Drei Fragen

Aufgabe der Automobilindustrie müsse die Mobilität und nicht allein die Optimierung von Fahrzeugen sein. „Zu viele Flächen in Industriegebieten sind für Ausstellungen von Fahrzeugen versiegelt“, sagt sie. „Kommunen sollten diesen gewerblichen Flächenfraß verhindern, um ihre Seele nicht zu verkaufen. Wenn unabdingbar ist, warum dann nicht mehrstöckig, mit Photovoltaikanlagen und begrünt?“. Ihr politischer Traum ist ein Bundesprogramm für regionale Wertschöpfung, um darüber regionale Wertschöpfungsketten vom Acker bis zum Teller zu stärken. Über öffentliche Einrichtungen möchte sie Nachfrage und faire Preise schaffen und sich einsetzen für gute Rahmenbedingungen für eine vielfältige bäuerliche Landwirtschaft und für kleine Betriebe. „Wenn ich mich engagiere, will ich auch etwas bewegen“, betont die 53-Jährige, die die Nachfolge des Agrarpolitikers Friedrich Ostendorff antreten möchte, der aus Altersgründen nicht mehr kandidiert.

Dafür möchte sie sich im Bundestag einsetzen

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