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Einblick in den Hof Kückmann in Havixbeck

Von Schweinemast zum Biolandbetrieb

Havixbeck

Die Aussicht könnte schöner kaum sein. Wer den Blick vom Sandsteinhof Kückmann ins Umland genießt, kann nur begeistert sein. Ringsum üppiges Grün, altehrwürdiger Heckenbestand grenzt an neu gepflanzte Hecken und inmitten prunkt die vor drei Monaten angelegte Obstwiese. 72 Apfel- und Birnenbäume sowie acht Mandelbäume stehen hier in entsprechender Distanz, die ein gutes Wachstum einfordert.

Von Ulla Wolanewitz

Hecken, wie sie André Kückmann zeigt, bieten Wildinsekten und Vögeln guten Lebensraum. 2014 übernahm der 37-Jährige den Hof seiner Eltern und fuhr die Schweinemast mit etwa 1000 Tieren runter und nahm die Umstellung auf ökologischen Biolandbetrieb in Angriff. Foto: Foto: Ulla Wolanewitz

„Wir gehen den Weg der Direktvermarktung. Das ist der Weg in die Zukunft“, erklärt Juniorchef André Kückmann, dessen Betrieb seit dem 1. Juli die Zertifikation „Bioland-Hof“ besitzt. 2004 stieg er in den elterlichen Betrieb ein, 2014 übernahm er ihn mit 37 Jahren. Mit Weitsicht fuhr der staatlich geprüfte Landwirt die konventionelle Schweinemast mit etwa 1000 Tieren runter und nahm die Umstellung auf den ökologischen Biolandbetrieb in Angriff. So ganz wollte er sich allerdings nicht von den Borstenviechern trennen und spezialisierte sich auf eine Kreuzung von „Bunte Bentheimer“ und „Mangalitza“. Bei beiden handelt es sich um alte, nicht überzüchtete Rassen. Das ungarische Wollschwein „Mangalitza“ ist die älteste noch rein erhaltene Schweinerasse Europas. „Die Ferkel sind leicht gestromt wie Frischlinge“, begeistert sich der Züchter. „Das Fleisch ist dunkel, hat einen kräftigen Wildcharakter im Geschmack und benötigt keinerlei Marinaden.“ Neben dankbaren privaten Abnehmern gibt es als Kunde auch bereits ein Restaurant in Münster.

Mit der Entscheidung, komplett auf „Bio“ umzustellen, sind „wir ganz glücklich und fühlen uns auch im Verband gut aufgehoben und beraten.“ Dass dieser die Biodiversität fördert und dafür entsprechend nachhaltige Maßnahmen einfordert, unterstützt er gerne und nennt dafür beispielsweise die Nisthilfen für Fledermäuse und Schleiereulen und auch den Heckenanbau und seine Pflege. Was Letzteres anbelangt ist seine Familie seit Generationen im Thema. Der Rückschnitt vom Uraltbestand mit bis zu 20 Meter hohen Bäumen steht für den Herbst auf der Agenda und im Frühjahr ließ er gerade 280 Meter neue Hecke anpflanzen. „Hecken sind wunderbare Wegbegleiter“, sagt der Fachmann und erklärt gerne warum: „Sie bieten Wildinsekten und Vögeln guten Lebensraum, liefern erstklassigen Windschutz. Ihre Beschattung sorgt für gute Humusbildung, was dem Boden guttut. Sie wirken sich positiv auf den Wasserhaushalt aus und sind Brutstätte für Schädlingsbekämpfer für Ackerfrüchte.“ Nicht zuletzt gliedern und bereichern Hecken das Landschaftsbild. Was ihre Pflege und den Schnitt angehen, bedarf „es passender Konzepte“, sagt Kückmann auch als Vorsitzender des örtlichen Landwirtschaftlichen Ortsvereins. In der Vergangenheit gab es – auch im öffentlichen Raum – unschöne Rückschnitte, die sich wie Kahlschläge präsentierten und die Kritik der Bevölkerung auf sich zogen.

Grundsätzlich geht er davon aus, dass sowohl die Lohnunternehmer ihr Handwerk verstehen, auch „sind wir Landwirte gut ausgebildet. Da muss man halt schauen, dass man eher etappenweise schneidet. 50 Meter auf den Stock setzen und dann die nächsten 50 Meter stehen lassen.“ Schließlich ist er auch darauf bedacht, die fantastische Kulisse auf seinem Hof zu erhalten, nicht zuletzt für die Gäste, die seine Familie in den vier Ferienwohnungen beherbergt. „Wir sind gerne Gastgeber“, betont er freudig und erwähnt nebenbei, dass weiterer leerstehender Gebäudebestand demnächst zu diesem Zweck ausgebaut wird.

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