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Interview mit Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr

„Wir dürfen uns nicht entzweien lassen“

Kreis Coesfeld

Corona war auch 2021 das prägende Thema im Kreis Coesfeld. Aber nicht nur. Wie geht es weiter, wie sieht Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr die Entwicklung, wie steht er zu den von Land und Bund verordneten Corona-Maßnahmen, was waren seine persönlichen Highlights im vorigen Jahr und welche Schwerpunkte setzt er im anstehenden Jahr? Unser Redaktionsmitglied Viola ter Horst sprach mit ihm.

Ein Highlight im vorigen Jahr war für Landrat Dr. Schulze Pellengahr das 100-jährige Jubiläum des Anna-Katharinen-Stiftes in Dülmen-Karthaus mit der Einsegnung der neuen Bronzefigur durch Bischof Dr. Felix Genn.

Was war für Sie im Kreis Coesfeld der Höhepunkt in 2021?

Christian Schulze Pellengahr: Im zurückliegenden Jahr gab es sicherlich mehrere Höhepunkte. Da fallen mir beispielsweise die Feierlichkeiten zum 75-jährigen Bestehen unseres Landes Nordrhein-Westfalen ein, die mit dem Sommerkonzert der Landesregierung im August in Nordkirchen auch bei uns im Kreis stattfanden. Besonders ist mir aber auch das 100-jährige Jubiläum des Anna- Katharinen-Stiftes in Dülmen- Karthaus in Erinnerung geblieben. Ich durfte offizieller Schirmherr dieses Festes mit einem wundervollen Festgottesdienst und mit anschließender Einsegnung der vom Düsseldorfer Künstler Bert Gerresheim neu geschaffenen Bronzefigur der Patronin des Stiftes durch Bischof Dr. Felix Genn sein.

Und Ihr persönliches Highlight?
Schulze Pellengahr: Seit Januar 2021 darf ich den Kreis Coesfeld als gewähltes Mitglied in der Landschaftsversammlung Westfalen- Lippe, dem „Westfalenparlament“ in Münster vertreten. Hierüber habe ich mich auch deswegen so gefreut, weil schon mein Ur-Ur-Urgroßvater, Franz Schulze Pellengahr aus Ascheberg, vor fast 200 Jahren, im Jahre 1826 in den Ersten Westfälischen Landtag, wie er damals offiziell hieß, gewählt wurde. Viel Freude macht mir hier vor allem die Arbeit in den Fachausschüssen, wo ich an spannenden Themen mitwirken kann, die oftmals auch für den Kreis relevant sind.

Welche Themen sehen Sie für das anstehende Jahr als Schwerpunkte im Kreis Coesfeld? Schulze Pellengahr: Besonders dringend ist natürlich weiterhin die Bekämpfung der Pandemie, wodurch nicht nur, aber besonders das Kreisgesundheitsamt gefordert ist. Aber auch das Tagesgeschäft geht natürlich weiter: wir wollen die Planungen für den Neubau der Rettungswachen u.a. in Billerbeck, Nottuln, Lüdinghausen und Dülmen weiter vorantreiben, die Umsetzung der vom Kreistag und allen elf Stadt- oder Gemeinderäten beschlossenen kreisweiten Digitalisierungsstrategie steht auf der Agenda, unser Klimaschutzkonzept wird gerade aktualisiert und soll mit neuen Maßnahmen und Projekten beschlossen werden, wir freuen uns aber auch auf die weiteren Feierlichkeiten zum 750-jährigen Jubiläum der Burg Vischering und zum 225. Geburtstag von Annette von Droste-Hülshoff in diesem Jahr.

Ihr größter Wunsch für 2022?
Schulze Pellengahr: Wenn ich den berühmten Wunsch bei einer Fee frei hätte, würde ich mich natürlich das komplette Ende der Corona-Pandemie wünschen.

Christian Schulze Pellengahr


Die Pandemie zermürbt viele Menschen zunehmend – sehen Sie ein Ende der Corona- Zeit? Wie ist Ihre Prognose?
Schulze Pellengahr:
Ich denke, wir werden lernen müssen, mit Corona zu leben – die Ärzte gehen davon aus, dass dieses Virus uns weiterhin begleiten wird. Wichtig ist ja, dass die Medizin hier Medikamente entwickelt, die eine Behandlung auch künftiger Virusvarianten so gut ermöglichen, dass man in aller Regel nicht mehr ins Krankenhaus muss und schwere Verläufe die Ausnahme bleiben. Dass die aktuell verfügbaren Impfstoffe nicht vor einer Ansteckung schützen, haben die zurückliegenden Wochen gezeigt. Auch werden wir ja kaum die ganze Bevölkerung jeden Monat immer wieder komplett neu durchimpfen können. Wenn es aber der Medizin gelingt, eine Therapie zu entwickeln, die die eingangs beschriebene wirksame Behandlung ermöglicht, werden wir auch wieder mehr zur Normalität zurückkehren können. Wann dies allerdings der Fall sein wird, vermag ich als Nichtmediziner nicht verlässlich zu sagen. Ich hoffe aber, dass dies nicht mehr Jahre dauern wird.

Halten Sie die aktuellen Maßnahmen für ausreichend?
Schulze Pellengahr: Ja, wobei wir natürlich die weitere Entwicklung und die Ausbreitung der Omikron- Variante genau im Blick behalten müssen. Hier sind wir weiterhin auf die Erkenntnisse aus der medizinischen Forschung angewiesen, denn auch diese Virusvariante wird sicherlich nicht die Letzte gewesen sein. Ich gehe daher davon aus, dass es noch eine Reihe von Anpassungen der Regeln geben wird.

Was sagen Sie Gegnern von Corona-Maßnahmen?
Schulze Pellengahr: Diejenigen, die sich gegen die ergriffenen Schutzmaßnahmen wenden, bitte ich auch weiterhin um Verständnis in dieser Ausnahmesituation. Wir dürfen uns als Gesellschaft nicht entzweien lassen. Ich beobachte mit Sorge, dass dieses Thema unsere Gesellschaft spaltet. Dies ist auch nicht verwunderlich, da wir solche Ein- „Wir dürfen uns nicht entzweien lassen“ schränkungen und Eingriffe in unser Leben in der Bundesrepublik noch nicht gehabt haben. Wichtig ist, dass die Maßnahmen nachvollziehbar sind und sich die Politik auch die Mühe macht, sie gut zu begründen und zu erklären. Das hat in den letzten zwei Jahren nicht immer so gut geklappt, ist aber bei der langen Dauer der Corona-Krise auch nicht ganz leicht. Ich kann viele Sorgen der Bürgerinnen und Bürger verstehen, es kommt aber weiterhin darauf an, dass wir zusammenhalten und gemeinsam das Virus durch unser umsichtiges und besonnenes Verhalten besiegen.


Die Inzidenzen waren im Kreis Coesfeld oftmals landesweit die niedrigsten. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Schulze Pellengahr: Diese Frage ist mir in den letzten Monaten recht oft gestellt worden. Natürlich gibt es hierzu keine eindeutige Antwort, ich denke aber, dass hier sicherlich mehrere Faktoren eine Rolle spielen dürften: einerseits das besonnene Verhalten der Bürgerinnen und Bürger, dann aber auch das gute Zusammenspiel von Kreis, Kreisgesundheitsamt, den Laboren, die uns zumeist sehr zügig die Testergebnisse übermittelt haben, so dass dann möglichst schnell die Maßnahmen ergriffen werden konnten, den Ordnungsämtern der Städte und Gemeinden vor Ort, aber auch die strukturelle Situation bei uns im Kreis: wir haben keine Großstädte mit entsprechenden Problemvierteln, sondern eher kleinere Städte und Gemeinden, wo die Menschen meist auch genug Platz zum Leben haben – das ist dann von Vorteil. Als gläubiger Christ bitte ich aber auch häufiger den hl. Ludgerus, der ja nicht zufällig bei uns im Kreiswappen enthalten ist und der ja bekanntermaßen im März 809 bei uns in Billerbeck gestorben ist, um seinen Schutz und seinen Segen für unseren Kreis. Wer weiß, vielleicht hat ja auch das Gebet vieler Gläubiger in dieser Zeit ein wenig geholfen.

Christian Schulze Pellengahr



Bleibt es dabei, dass das Jubiläum der Burg Vischering 2022 größer gefeiert wird?
Schulze Pellengahr:
Das hoffe ich schon, auch wenn dies heute natürlich noch keiner garantieren kann. Aber als Optimist bin ich zuversichtlich, dass wir das Jubiläum in diesem Jahr noch zünftig werden feiern können.

Wie haben Sie Silvester verbracht?
Schulze Pellengahr:
Wir haben Silvester recht ruhig innerhalb der Familie bei uns zu Hause in Darup verbracht, zunächst gemütlich zusammen Raclette gegessen, was gerade unseren Kindern viel Spaß gemacht hat, danach musste unsere Jüngste ins Bett, die Großen konnten dann noch aufbleiben, um Mitternacht gab es statt Feuerwerk Wunderkerzen. Schön war es, diesmal die Glocken unserer Daruper Kirche gut zu hören, da nur wenig geböllert wurde.

Ihre Vorsätze für 2022?
Schulze Pellengahr:
Ich möchte vor allem mehr Fahrrad fahren. Das ist im letzten Jahr einfach zu kurz gekommen. Dabei habe ich in der Familie gute Verstärkung bekommen, nachdem unsere jüngste Tochter Luise nun auch Radfahren gelernt hat, hat sie schon angekündigt, mich bei diesem Vorsatz unterstützen zu wollen.

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