In den nächsten Wochen nur Stoff für Zweitimpfung

„Wir könnten viel mehr impfen“

Kreis Coesfeld

Wer aktuell einen Termin für die Erstimpfung im Impfzentrum Dülmen haben möchte, hat schlechte Karten. Immer noch nicht sind weitere Personengruppen in der Priorisierungsliste freigeschaltet, weder bei der Kassenärztlichen Vereinigung, noch beim Impfzentrum. Es warten nach wie vor Menschen mit Vorerkrankungen und aus Berufen mit vielen Kontakten auf ein Impfangebot. Eine Registrierung ist beim Impfzentrum zwar möglich, aber Termine gibt es noch nicht. Und ob es vor dem 7. Juni noch Impfangebote gibt, ist fraglich – dann soll die Priorisierung in NRW aufgehoben werden. Welche Reihenfolge dann zieht, ob es überhaupt eine gibt, ist unklar. „Wir warten gespannt auf den Erlass“, sagt Dr. Ciprian Wagner, ärztlicher Leiter des Impfzentrums.

Von Viola ter Horst

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Der Grund, warum zurzeit keine Termine für Erstimpfungen gebe, seien Vorgaben vom Land: „Zurzeit ist der Impfstoff für Zweitimpfungen reserviert“, erklärt Wagner. Der zur Verfügung stehende Stoff soll genutzt werden, um die Impfungen vollständig mit dem zweiten Pieks abzuschließen. Eine Situation, die nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums in den ersten drei Juniwochen anhalten soll. Denn bei den Zweitimpfungen hinkt NRW hinterher. Das bestätigen auch die Impfaktivitäten in Dülmen. Fast 47 Prozent der Bevölkerung im Kreis Coesfeld hat den Zahlen zufolge die erste Impfung erhalten. Aber nur 20 Prozent sind vollständig geimpft.

„Wir haben wochenlang 700 bis 1000 Menschen pro Tag geimpft“, berichtet Dr. Stephan Barrmeyer, pharmazeutischer Leiter des Impfzentrums.

Was die Zweitimpfungen angeht, ist zurzeit nicht viel los im Impfzentrum. „Wir könnten viel mehr impfen“, sagt Wagner. Das liege nicht nur daran, dass wenig Impfstoff verfügbar ist. Sondern auch daran, so Barrmeyer, dass längst nicht alle Personen ihren Zweittermin im Impfzentrum wahrnehmen, sondern den Hausarzt aufsuchen. Barrmeyer und Wagner appellieren von daher an alle, die einen Zweittermin im Impfzentrum vereinbart haben, diesen auch einzuhalten. Oder ihn abzusagen, sofern die zweite Impfung bereits der Hausarzt vorgenommen hat.

Unklar ist, warum der Impfstoff überhaupt wieder knapp ist. Schließlich hieß es vom Land NRW immer, dass es Anfang Sommer richtig rund laufen soll.

Barrmeyer wünscht sich, dass zumindest vorerst weiterhin eine Impf-Reihenfolge vorgegeben wird. Bis alle Interessierten auch tatsächlich geimpft werden können. „Sinn macht die Aufhebung der Priorisierung nur, wenn genügend Impfstoff vorhanden ist, so dass entsprechend viele Termine vergeben werden können“, sagt er. Aber auch bei genügend Impfstoff müssten die Kapazitäten in Impfzentren, bei Haus- und Betriebsärzten vorhanden sein, um so viele Menschen impfen zu können. „Ich halte es auch für sinnvoll, Kinder bevorzugt zu impfen, damit wieder ein normaler Schulbetrieb stattfinden kann“, sagt Barrmeyer.

Impfen in Brennpunkt

Die Grünen und die SPD im Kreis Coesfeld fordern unabhängig voneinander die Kreisverwaltung auf, den Einsatz von Impfungen in Brennpunkten zu prüfen. Nach dem Vorbild von Köln und Münster sollen priorisierte Angebote gemacht werden. Die Anträge von SPD und Grüne sollen im Ausschuss für Arbeit, Soziales, Senioren und Gesundheit am 2. Juni besprochen werden (16.30 Uhr, Kreishaus).

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