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Borkenberge: Naturschützer drängen auf Umsetzung von Beweidungsprojekt

Wisente statt Motocross-Fahrer

Kreis Coesfeld

Der ehemalige Truppenübungsplatz Borkenberge zwischen Dülmen, Haltern und Lüdinghausen ist beliebt bei Motocross- und Quad-Fahrern. Doch das Biken in dem Naturschutzgebiet abseits eines durchquerenden Weges ist nicht nur gefährlich, es ist auch illegal. Immer wieder kommt es nach Angaben der Polizei zu Unfällen. Erst vor knapp vier Wochen starb ein 18-jähriger Lüdinghauser bei einem tragischen Unfall.

Von Viola ter Horst

Der ehemalige Truppenübungsplatz Borkenberge ist Naturschutzgebiet – und beliebt bei Motocrossbikern. Die „Achtung, Labensgefahr“-Schilder und jetzige Umzäunung bringen nicht viel. Naturschützer planen ein Beweidungsprojekt. Als Nebeneffekt versprechen sie sich, dass die Biker nicht mehr kommen. Foto: Fotos Archiv

Das Thema beschäftigte auch den Umweltausschuss des Kreistags in seiner Sitzung. „Es muss dort dringend etwas passieren“, sagte Christoph Steinhoff, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde. Unter Federführung des Naturschutzzentrums des Kreises laufen schon länger unter der Überschrift „Westfalens Wilder Westen“ Pläne für das Gebiet. Die Naturschützer hoffen, dass auf rund 550 Hektar ein Großbeweidungsprojekt mit Wisenten, Rothirschen und Wildpferden verwirklicht werden kann. Als Nebeneffekt versprechen sich die Beteiligten, dass die Umzäunung und die Tiere die Biker abhalten. Eine Zusage vom Bundesumweltamt steht noch aus.

Der Kreis Coesfeld ist bereit, mitzuziehen. Einen Eigenanteil von rund 250 000 aus dem Topf Ersatzgelder stellte die Politik für das Projekt zur Verfügung.

Wegen der Unfälle ist der Druck groß. Aber auch der Krach und die Zerstörung der wertvollen Heidelandschaft mit ihren Hügeln und Sümpfen durch die Biker bereiten Naturschützern Kopfschmerzen.

Ein weiteres großes Problem sei die zunehmende Verbuschung, so Steinhoff. „Das ist nach den Richtlinien für diese Art von Naturraum nicht gewünscht“, weist er darauf hin, dass gehandelt werden müsse. Das Bundesforstamt entnimmt zwar aufwachsende Bäume. Das allein reicht aber offenbar nicht.

Wisente, Heckenrinder und Wildpferde wären nach Ansicht des Naturschutzzentrums des Kreises ideale „Rasenmäher“. Sie würden dafür sorgen, dass sich die Büsche und Kiefern nicht ausbreiten und die Heidelandschaft erhalten bleibt.

„Borkenberge gehört zu den Top-5-Naturschutzgebieten in NRW“, betont Thomas Zimmermann, Leiter des Naturschutzzentrums, im Gespräch mit unserer Zeitung. Vögel wie der gefährdete Ziegenmelker oder die Heidelerche seien in Borkenberge zu Hause. Sie lieben die weite Landschaft mit Sümpfen und Weihern. „Wenn alles mit Kiefern zuwächst, kommen die nicht mehr“, erklärt Zimmermann. Auch touristisch könnte man aus dem Gebiet viel machen. Wisente und Wildpferde könnten zum Beispiel über Aussichtstürme beobachtet werden. Für die Motobiker wäre das Gebiet dann nicht mehr interessant. Allein wegen der imposanten Tiere, die durchaus angriffslustig sein können.

Borkenberge:

Der ehemalige Truppenübungsplatz gehört mit seinen Heiden, Sandtrockenrasen und Mooren zu den wertvollsten Naturlandschaften Nordrhein-Westfalens. Mit der Heubachniederung und dem Lavesumer Bruch wurden die Borkenberge als europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Viele Brutvögel und seltene Arten leben dort, darunter Ziegenmelker, Heidelerche Gartenrotschwanz, Uhu und Teichfledermaus. Das Beweidungsprojekt auf einem Teil der Fläche – auf rund 550 Hektar – liegt ausschließlich im Kreis Coesfeld. Betreut wird das Projekt vom Naturschutzzentrum des Kreises. Eigentümerin des Geländes ist die DBU Naturerbe, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Bis 2015 nutzte das britische Militär die Borkenberge als Übungsplatz. vth

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