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Pandemie-Beschränkungen macht Hundetrainerin Petra Bennemann zu schaffen

Sozialverhalten in der Gruppe lernen

Altenberge

Angemessenes Sozialverhalten ist bei Hunden keine Glücksache, sondern ein Lernprozess. „Die Bereitschaft von Besitzern vierbeiniger Freunde, mit ihren Tieren an entsprechenden Schulungen teilzunehmen, ist sehr groß“, stellt die geprüfte Hundetrainerin Petra Bennemann fest. Sie betreibt bei Altenberge eine Hundeschule und darf seit Anfang November 2020 auf Grund der Corona-Pandemie kein Gruppentraining anbieten.

Rainer Nix

Trainerin Petra Bennemann demonstriert eine Übungssituation mit ihrem 13 Jahre alten Border Collie-Schäferhundmischling „Hugo“. Foto: nix

So gebe es, sagt sie, bereits eine Generation von Welpen, die nicht an Sozialkontakte gewöhnt sind. Einzelschulungen blieben zwar erlaubt, doch Kontakte zu Artgenossen und fremden Menschen können auf diese Weise nicht aufgebaut werden.

„Wenn es darum geht, geordnetes Miteinander zu trainieren, braucht der Hundenachwuchs Gruppenerfahrung“, betont Bennemann. Bis zur 16. Woche ist die Prägephase hinsichtlich von Umwelt- und Sozialreizen angesetzt, darüber hinaus arbeitet die Expertin mit Trainingsprogrammen. „Trainieren kann ich einen Hund sein ganzes Leben lang“, erläutert sie. „Selbst wenn ich ein Tier vor mir habe, das acht Jahre alt ist und an der Leine zerrt und pöbelt was das Zeug hält, ist es immer noch mein Anliegen, dass der Hund sich zurücknehmen kann, wenn ich ihn entsprechend anleite“, so Bennemann.

„Ist ein Hund nicht sozialisiert, also in die Gesellschaft integriert und auf bestimmte Verhaltensweisen geschult, kann er sich unabhängig von der Rasse unberechenbar verhalten“, so die Trainerin. Grundsätzlich gebe es natürlich Unterschiede, wie etwa zwischen jagdlich motivierten Tieren und anderen, die zum Hüten einer Herde gezüchtet wurden. „Ziel ist immer, sie für ihre Besitzer quasi alltagstauglich zu machen, damit unerwartete Begegnungen mit anderen Hunden oder Menschen keine Probleme bereiten“, so Bennemann.

Sollte die Zahl der nicht oder unzureichend sozialisierten Vierbeiner steigen, befürchtet die Hundetrainerin eine weitere ungünstige Entwicklung. Wenn immer mehr Tiere auffällig werden, könnte das „Hundehassern“ in die Hand spielen, die im Extremfall nicht davor zurückschrecken, vergiftete Köder auszulegen. „Leute, die Hunde nicht mögen, könnten in ihrer Auffassung bestärkt werden“, sagt Bennemann.

Die Gerätschaften auf ihrem Outdoor-Gelände sind zurzeit verwaist. Brücken, Wippen und andere Elemente werden kaum genutzt. „Das sind für mich keine Sportgeräte“, betont die Expertin, „Hunde sollen hier lernen, sich mit verschiedenen Situationen auseinanderzusetzen.“ Mit dem Alltag hat das nichts zu tun. „Wenn ein Tier über eine hohe Brücke laufen soll, geht es darum, Vertrauen zu seiner menschlichen Bezugsperson aufzubauen.“ Dem Hund wird vermittelt, sich an seinem Besitzer zu orientieren. „Wir machen etwas gemeinsam und das ist in Ordnung so“, lautet die Botschaft des Zwei- an den Vierbeiner, „unabhängig davon, welche Außenreize die Aktion begleiten.“

Derweil bleibt nur, auf Lockerungen pandemiebedingter Einschränkungen zu hoffen. Wie lange das dauern mag, steht derzeit in den Sternen.

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