Mitglieder des Seniorenbeirats sammeln von Grundschulen „Lolli-Tests“ ein

Unbürokratische Hilfe

Altenberge

Von Altenberge, über Laer, Darfeld, Holtwick nach Gescher. So ist der Weg, den Manfred Leuker, Mitglied des Seniorenbeirates, nimmt, um an Grundschulen die „Lolli-Tests“ einzusammeln. Diese müssen derzeit alle Schüler durchführen. Ausgewertet werden die Proben in Düsseldorf.

Martin Schildwächter

Ab in die Kiste: Die Proben verstaut Manfred Leuker in dem Dienst-Golf der Gemeindeverwaltung. Anschließend startet die Tour durchs Münsterland. Foto: mas

Das Ehrenamt funktioniert in Altenberge. Nicht zum ersten Mal beweisen einige Bürgerinnen und Bürger, wenn schnell und unbürokratisch Hilfe benötigt wird, stehen Freiwillige parat. Dazu gehört auch Manfred Leuker, Mitglied des Seniorenbeirates. Dienstagmorgen, 8.50 Uhr: Manfred Leuker fährt mit seinem Fahrrad am Rathaus vor, wo er schon von einem Mitarbeiter erwartetet wird. Der Fahrzeugschlüssel für den E-Golf der Gemeinde liegt für die Übergabe bereit. Nach dem Fahrzeugcheck steigt Leuker ins Auto und schnurrt wenige Augenblicke später davon. 8.55 Uhr: Manfred Leuker parkt an der Borndalschule – und der ungewöhnliche ehrenamtliche Vormittag nimmt Fahrt auf.

Im Sekretariat der Schule nimmt Leuker die sogenannten Lolli-Tests entgegen, die seit dem 10. Mai an allen Grundschulen in NRW verpflichtend sind.

Düsseldorf

Zweimal Pro Woche führen seitdem die Schülerinnen und Schüler den „Lolli-Test“, einen einfachen Speicheltest, durch. Anschließend werden die Proben abgeholt und auf Umwegen zu einem Labor nach Düsseldorf transportiert. Doch bis dahin vergehen noch einige Stunden.

9 Uhr: Auch in der Johannesschule liegen die Proben abholbereit. Manfred Leuker schnappt sich die Tests, eilt zum Pkw, verstaut sie in die dafür vorgesehene Transportkiste, und weiter geht es. Denn die Gemeinde muss für mehrere Kommunen die Proben einsammeln. „Das Land hat festgelegt, welche Gemeinden die Proben abholen sollen“, sagt André Dertwinkel, Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung, auf Anfrage unserer Zeitung. Dertwinkel: „Die Gemeinde musste allerdings auch zustimmen.“ Eine Absage kam nicht in Frage, so Dertwinkel. Insgesamt 400 Fahrtrouten hatte das Land ausgemacht, um die Proben von den Schulen abholen zu lassen und zu einem Labor zu transportieren.

Gemeindeauto

Um die Fahrten abzuwickeln, musste sich die Gemeinde in nur wenigen Tagen auf der Suche nach Personal begeben. Und da die Mitglieder des Seniorenbeirates, die außerhalb von Corona den Einkaufsbulli fahren, derzeit „arbeitslos“ sind, war der Kontakt schnell hergestellt. Neben Manfred Leuker steuern Ulrike Stapper, Heribert Reer, Wolfgang Merx und Klaus von Treuenfels (Ersatzfahrer) an vier Tagen in der Woche den gemeindlichen E-Golf durch Teile des Münsterlandes. Freitags werden an den Schulen keine Tests durchgeführt.

Wechselunterricht

„Wir haben sofort zugesagt“, so Manfred Leuker. Sonst stehe das Team Senioren zur Seite, jetzt Kindern.

Die Fahrt endet jedoch nicht an der Johannes-Grundschule in Altenberge. Über Laer (Werner-Rolevinck-Grundschule), Rosendahl-Darfeld (Antonius-Grundschule), Rosen-Holtwick (Nikolaus-Grundschule) erreichen die Fahrer schließlich gegen 11.10 Uhr das Haus Hall, eine Förderschule in Gescher. Dort findet dann die Übergabe der Transportkisten statt, erläutert Manfred Leuker das Prozedere seines Kurierdienstes. Von dort übernimmt ein anderer Fahrer die Kisten und fährt sie zu einem Labor nach Düsseldorf. Die Ergebnisse der Lolli-Test-Proben erhalten die Grundschulen dann bis spätestens am Folgetag per E-Mail.

Seit dem 10. Mai findet in ganz NRW an Grundschulen wieder Wechselunterricht statt. Im wöchentlichen Wechsel müssen die Kinder entweder montags, mittwochs und freitags oder dienstags und donnerstags zur Schule. Dabei werden sie zweimal pro Woche getestet und lutschen 30 Sekunden lang auf einem Abstrichtupfer herum. Die Tupfer aller Kinder einer Klasse werden dann in einem Sammelgefäß zusammengeführt und als anonyme Sammelprobe ausgewertet.

Ehrenamt

Dass die Gemeinde so rasch Fahrerinnen und Fahrer für den Fahrdienst aufgetan hat, freut André Dertwinkel: „Wir sind froh und glücklich, dass wir so schnell Ehrenamtliche gefunden haben.“

Mittlerweile ist es 12 Uhr. Manfred Leuker stellt das Auto wieder am Rathaus ab und gibt die Schlüssel zurück. Morgen geht es wieder los. Einmal Altenberge – Gescher und zurück. Dann steuert Heribert Reer das E-Auto der Gemeindeverwaltung. Und nach etwa 80 Kilometern endet der Kurzausflug durchs Münsterland erneut am Altenberger Rathaus.

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