Impfen in den Arztpraxen

Wer steht auf der Bremse?

Altenberge

Der Frust ist groß: Eigentlich sollte die Gemeinschaftspraxis Berning/Koch in der nächsten 500 Patienten mit Astrazeneca impfen. Doch daraus wird jetzt nichts.

Axel Roll

Das Impfen in den Arztpraxen könnte viel schneller vorangehen, wenn es mehr Impfstoff geben würde. Foto: Thomas F. Starke

Dr. Thomas Koch weiß nicht genau, wer da auf der Bremse steht. Was der Internist aber weiß: Dieses Fahren mit angezogener Handbremse sorgt für eine Menge Frust. Bei seinen Patienten, dem Team der Gemeinschaftspraxis Berning/Koch und nicht zuletzt bei ihm selbst. Um es auf den Punkt zu bringen: In der kommenden Woche sollten eigentlich 500 seiner Patienten mit Astrazeneca gegen Corona geimpft werden. Tatsächlich werden es aber nur 20. Mehr Dosen liefert der Großhändler über die Apotheken nicht aus. „Dabei wurden uns Mitte der Woche unbegrenzte Mengen zugesagt“, ärgert sich Koch.

Logistik

Das Fahren im Schleichgang beim Impfen ist das eine, der ungeheure logistische Aufwand, der solche zurückgenommenen Versprechen auslöst, das andere. So hatten die Praxis-Mitarbeiterin bis Mittwochabend schon über 200 Impftermine festgemacht. Thomas Koch: „Das sind locker acht Stunden, die für so eine Aktion draufgehen.“ Und jetzt wieder der Rückwärtsgang, alle Termine absagen.

Der Internist weiß es aus vielen Gesprächen mit seinen Patienten: „Das Unverständnis und damit der Ärger wird immer größer.“

Termine absagen

Dabei liege es nicht an den Ärzten, betont der Altenberger Mediziner. „Wir tun seit Wochen, was wir können.“ So habe er persönlich am Mittwoch 120 Impfspritzen gesetzt. „Das läuft alles parallel zum normalen Praxisbetrieb.“ Montags, dienstags, donnerstags werde am Abend geimpft. Mittwochs sei ab Mittag Open-End. Unterm Strich, so Thomas Koch, habe das Team der Gemeinschaftspraxis bislang rund 1000 Patienten ein Vakzin verabreicht.

Wann bin ich dran?

Wie gesagt, wer da auf der Bremse steht, weiß der Internist nicht. Er hat mit den Apothekern, der Kassenärztlichen Vereinigung und dem Kreis telefoniert. Schlüssige Antworten gab es keine.

Thomas Koch befürchtet, dass das Durcheinander noch größer wird. „Jetzt, wo die Priorisierung Schritt für Schritt aufgehoben wird.“ Telefonisch gebe es kaum noch ein Durchkommen. Die Kolleginnen müssten immer die selbe Frage beantworten: „Wann bin ich dran?“ Unter diesen Umständen kann Dr. Thomas Koch nur sagen: „Wir wissen nicht, wie es weitergeht.“

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