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Einer von zwei Sprengsätzen detoniert

Erneut ein Geldautomat gesprengt - Täter flüchten ohne Beute

Laggenbeck

In Laggenbeck ist ein Geldautomat gesprengt worden – schon wieder. Nachdem unbekannte Täter Mitte Oktober ein Gerät in der Sparkassen-Filiale in die Luft gejagt hatten, hat es nun die gegenüberliegende Niederlassung der Volksbank Münsterland-Nord getroffen.

Von Frank Klausmeyer und Heinrich Weßling

Ein beachtlicher Schaden ist in der SB-Filiale der Volksbank in Laggenbeck entstanden. Foto: Frank Klausmeyer

Bei zwei Geldautomaten entstand ein Totalschaden, bilanzierte Patrick Grubba, Pressesprecher der Volksbank, am Freitagnachmittag auf Nachfrage. „So wie es aktuell aussieht, wurde aber kein Geld gestohlen.“ Weil durch die Explosion ein Teil der Decke eingestürzt ist, sei es den Tätern nicht mehr gelungen, ins Gebäude zu kommen.

Auf einer Videoaufnahme der Überwachungskamera ist zu sehen, wie zwei dunkel gekleidete und vermummte Personen den SB-Bereich betreten. Auf dem Kopf tragen sie Stirnlampen Zuvor müssen sie die Eingangstür aufgebrochen haben, weil diese zu dem Zeitpunkt verriegelt war, berichtet Grubba. Die Unbekannten haben zwei Pakete dabei, in denen sich Sprengstoff befindet. Diese legen sie an den Geldautomaten ab und verschwinden. Danach gibt es eine Detonation.

Bericht eines Zeugen

Stephan Hoge, der auf der anderen Straßenseite wohnt, liegt zu diesem Zeitpunkt im Bett und wird unsanft durch einen Knall geweckt. Ganz so laut wie vor drei Monaten bei der Explosion in der Sparkasse sei die Detonation nicht gewesen, sagt der Laggenbecker.

Er schaut aus dem Fenster und sieht ein Auto mit quietschenden Reifen in Richtung Tecklenburger Straße davonfahren. Der Eingangsbereich der Volksbank sei in Rauch gehüllt gewesen. Nachdemdieser sich verzogen hat, „hat man das Chaos gesehen“, schildert Hoge seine Beobachtungen. Als er umgehend die Polizei verständigt, hätten dort bereits andere Zeugen die Explosion gemeldet.

Die Polizei riegelte nach ihrem Eintreffen den Tatort ab und sperrte die Mettinger Straße. Eine sofort erfolgte Nahbereichsfahndung nach dem Fahrzeug in der Nacht verlief nach Angaben der Kreispolizeibehörde erfolglos.

Vorsichtsmaßnahme nach Explosion getroffen

Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Über der Volksbank befindet sich eine Steuerberatungskanzlei, in der nachts niemand arbeitet. Im Dachgeschoss wohnt Alexander Bauschulte, der im Tiefschlaf lag und die Explosion gar nicht gehört hat. „Die haben mich wachgeklingelt“, sagt er. Aus Sicherheitsgründen musste er das Haus verlassen. Bei einem Freund fand er für einige Stunden Unterschlupf.

Die Vorsichtsmaßnahme hatte gute Gründe. Denn es bestand der begründete Verdacht, dass die Explosionsgefahr noch nicht gebannt war. Aus Düsseldorf wurden Beamte der Tatortgruppe Sprengstoff/Brände des Landeskriminalamtes (LKA) nach Laggenbeck beordert. Bei der Auswertung der Überwachungsbilder war zu erkennen, das offenbar nur ein Sprengstoffpaket detoniert war.

Experten der Kriminaltechnik im Einsatz

Ein Experte für solches Explosivmaterial untersuchte daraufhin in Schutzausrüstung den Vorraum und wurde fündig. Das unversehrte Päckchen wurde in einer Metallkiste aus dem Gebäude geholt, in ein Spezialfahrzeug des LKA verfrachtet und anschließend aus dem Ort transportiert, wo die Ladung dann unter den geboteten Sicherheitsvorkehrungen auf freiem Feld zur Sprengung gebracht werden sollte. Um was für einen Sprengstoff es sich handelte, ließen die Experten des LKA offen. Es habe sich aber auf jeden Fall um einen selbst gebauten Satz gehandelt.

Danach begannen Beamte der Kriminaltechnik des Polizeipräsidiums Münster in der verwüsteten Filiale mit der Spurensicherung.

Die Polizei bezifferte den entstandenen Sachschaden in einer ersten Schätzung auf etwa 50.000 Euro. Er dürfte deutlich höher liegen. Allein ein Geldautomat koste schon 30.000 bis 40.000 Euro, gibt Patrick Grubba zu bedenken. Dazu komme der Schaden am Gebäude, das der Volksbank gehöre.

Zeugen gesucht

Die Laggenbecker Bevölkerung steht jetzt ohne ortsnahe Geldversorgung da. Die Filiale der Sparkasse bleibt mindestens bis Ende März geschlossen. Wann die Volksbank wieder öffnet, sei noch völlig unklar, sagt Grubba. Die Kunden werden gebeten, fürs Geldabheben und Beratungsangebote auf die Geschäftsstellen in Ibbenbüren und Mettingen auszuweichen.

Die Ortsdurchfahrt war bis ca. 11 Uhr gesperrt.

Die Polizei sucht bei ihren Ermittlungen weitere Zeugen. Wer Hinweise geben kann, wird gebeten, sich bei der Wache in Ibbenbüren unter 0 54 51/ 591 43 15 zu melden.

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